Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, Fertigungsdienstleistungen anzubieten und umzusetzen Schneller zu Auftrag und Teil

Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, Fertigungsdienstleistungen anzubieten und umzusetzen

Schneller zu Auftrag und Teil

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Neue Geschäftsmodelle sind eines der Prinzipalversprechen der Industrie 4.0. Viele Amazon- und Ebay-Händler würden sich wohl fragen, wie sie vor dem Internetzeitalter ihre Kunden gefunden hätten. In der traditionellen Qualitätsfertigung ticken die Uhren anders – und doch gibt es innovative Ansätze, wie Produktionsunternehmen unter Nutzung der digitalen Möglichkeiten neue Wege zum Kunden beschreiten können. Dr. Frank-Michael Kieß

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Was verbindet einen typisch mittelständisch geprägten Fertigungsbetrieb aus Tübingen mit einer
hippen Berliner Online-Bestellplattform für ofenfrische Kekse? Nicht so viel, möchte man meinen. Und doch gibt es dieses Bindeglied: Das Start-up Kreatize zeigt, welche Perspektiven sich eröffnen können, wenn diese so unterschiedlichen Welten zusammenkommen.

Die Idee, eine Online-Plattform zu schaffen, die die Art und Weise verändert, wie Bauteile bestellt und gefertigt werden, kam Gründer Simon Tüchelmann, als er 2013 als Geschäftsführer in den großväterlichen Betrieb, den Tübinger Stahlfeinguss Franz Stadtler, eintrat. Zuvor in der Berliner Digitalszene zu Hause, wo er mit dem bereits erwähnten Online-Shop Knusperreich erste Start-up-Erfahrungen gesammelt hatte, empfand er viele Abläufe als Kulturschock. Die Art und Weise, wie Aufträge akquiriert und bearbeitet wurden, erschien ihm mühsam und ineffizient. Warum also nicht die Erfahrungen der Online-Consumerwelt nutzen, um Fertigern die Auftragsabwicklung zu vereinfachen?

Wie das aussehen kann, zeigt ein Blick auf die Kreatize-Website: Kunden können dort per Klick ein Bauteil hochladen, und das Start-up prüft direkt, welches das geeignetste Produktionsverfahren ist – sei es nun Dreh- und Fräsbearbeitung, Laserschneiden oder 3D-Druck. Anschließend wird der Auftrag an einen passenden Fertiger vermittelt und Kreatize erhält eine Provision. Aus diesem Konstrukt soll über kurz oder lang ein Netz aus Anbietern und Abnehmern entstehen, die online ohne großen Aufwand zusammenfinden – und die Software im Hintergrund lernt von Auftrag zu Auftrag dazu.

Mit dieser Idee hat Kreatize bereits namhafte Investoren gewinnen können, und das Team ist auf über 20 Mitarbeiter angewachsen – darunter viele Ingenieure. Denn, für die Macher ist eines klar: Auch wenn neue Kommunikationskanäle und Software-Tools zum Einsatz kommen – bei der Lieferung von Qualitätsbauteilen zählt in aller erster Linie Fertigungs-Know-how.

Kunden und Dienstleister finden online zusammen

Für traditionelle Fertiger mögen derartige Ansätze gewöhnungsbedürftig wirken – in Trendtechnologien wie der additiven Fertigung, die von der Natur der Prozesskette her der Digitalisierung nahe steht, ist die Denkweise schon selbstverständlicher. So hat 3YourMind eine Online-Plattform für den industriellen 3D-Druck ins Leben gerufen, die Kunden und Fertigungsdienstleister zusammenbringt. Die Berliner kooperieren dabei mit Branchengrößen wie EOS oder Materialise. Herzstück ist eine Software, die Bauteile auf ihre 3D-Druck-Tauglichkeit hin analysiert und das passende Verfahren identifiziert. Über ein Online-Portal werden dann auch gleich verfügbare Fertigungsdienstleister angeboten – Preis inklusive.

Auch die Phoenix-Contact-Ausgründung Protiq bietet eine Online-Plattform an, auf der Kunden ihr 3D-Objekt hochladen und konfigurieren können. Nach Bestelleingang geht der Produktionsauftrag automatisch an einen Marktplatzpartner ihrer Wahl, und die Fertigung kann umgehend starten.

Mit der Idee, das Geschäftsmodell des E-Commerce auf einen reifen mechanischen Markt anzuwenden, ist auch der italienische CNC- und 3D-Druck-Dienstleister Weerg 2018 stark gewachsen. Auf ihrer Plattform stellen die Venezianer einen Angebotsservice in Echtzeit bereit, über die Teile in hoher Qualität zu wettbewerbsfähigen Kosten geordert werden können. Das Geschäft läuft so gut, dass Weerg seinen Maschinenpark bis Jahresende um sechs auf dann zehn Hermle C42U-Bearbeitungszentren erweitern wird. Außerdem betreibt das Unternehmen die nach eigenen Angaben größte Linie von HP Jet Fusion 4210-Druckern in Südeuropa.

Quasi aus dem Off ins Rampenlicht getreten ist
Orderfox. Mit einer ambitionierten Strategie sowie reichlich Investitionen und Marketing wollen die Liechtensteiner den CNC-Markt erobern. Sieht man einmal ab von der Geschäftsbeziehung des Ex-Gildemeister-Chefs Dr. Rüdiger Kapitza mit einem der Investoren, dem schillernden österreichischen B2B-Marketier Richard Friedrich Morscher, hatte das Start-up dabei wenige Berührungspunkte zur CNC-Branche aufzuweisen.

Doch vielleicht kommt es darauf gar nicht an. Die Idee, Mechanismen der Online-Wirtschaft in einen Bereich zu tragen, in dem diese noch noch etabliert sind, entspringt weniger technischer als vielmehr kaufmännischer Denke. Immerhin hatten sich schon ein gutes halbes Jahr nach dem Launch im September 2017 bereits mehr als eine Viertelmillion User auf der CNC-Auftragsvergabe-Plattform registriert. Und Orderfox baut sein Angebot sukzessive aus. So wurde jüngst eine Gebrauchtmaschinenbörse integriert. Und man kooperiert mit Unternehmen wie dem CAM-Softwareanbieter
Celeritive, der sich von der Partizipation neue Kundenkontakte erhofft.

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