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Corona trifft Werkzeugmaschinenbranche weltweit

Umfrage zur Jimtof 2020 Online: Digital Marketing wird immer wichtiger
Corona trifft Werkzeugmaschinenbranche weltweit

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Prall gefüllte Hallen auf der Jimtof 2018: Bilder wie diese wurden 2020 weltweit vermisst. Doch Corona hat nicht nur die Messeveranstalter gebeutelt – auch die Hersteller auf allen Kontinenten haben Federn lassen müssen. Bild: JMTBA
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Wegen der Coronapandemie fand Japans bedeutendste Werkzeugmaschinenmesse Jimtof (Japan International Machine Tool Fair) in diesem Jahr als Online-Ausstellung statt. Im Zuge dessen hat der Veranstalter JMTBA (Japan Machine Tool Builders‘ Association) Branchenverbände weltweit befragt, welchen Einfluss Corona auf ihr Geschäft hatte und wie die Prognosen aussehen. Das Ergebnis: Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Scharte ausgewetzt ist – und Digital Marketing sowie Online-Events sind hier, um zu bleiben.

Ebenso wie in Japan kämpfen auch Werkzeugmaschinenhersteller in Europa, Asien oder den USA gegen die Krise an. Der Jimtof-Veranstalter JMTBA hat elf Branchenverbände weltweit über Auswirkungen und Gegenmaßnahmen befragt. Das Ergebnis: Wenngleich Auftragseingang und Produktion je nach Land und Region variieren, so wird doch unterm Strich allgemein ein Rückgang zwischen 20 % und 30 % in diesem Jahr erwartet. Während viele auf eine Markterholung 2021 setzen, rechnen manche auch mit einer fünfjährigen Durststrecke, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht sei. Insbesondere Reisebeschränkungen hätten Geschäftsverhandlungen, Service und Support erschwert, und jeder Hersteller habe versucht, dem mit innovativen Ideen wie der Nutzung digitaler Technologien entgegenzuwirken.

Rückläufige Zahlen auf allen Kontinenten

Einen Produktionsrückgang von 23 % im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert der US-Branchenverband AMT (Association for Manufacturing Technology) für 2020. Düstere Zahlen kommen auch vom alten Kontinent: In acht wichtigen Mitgliedsländern der CECIMO (European Association of the Machine Tool Industries) schrumpften die Bestellungen im Zeitraum Juli bis September 2020 um 49 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der deutsche Verband VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) erwartet für das Gesamtjahr einen Auftragseinbruch um 28 % und einen Produktionsrückgang um 30 %.

Asien vermeldet kaum bessere Zahlen. Der taiwanische Herstellerverband TAMI (Taiwan Association of Machinery Industry) erwartet 30 % weniger Exporte als 2019. Der koreanische Vertreter KOMMA (Korea Machine Tool Manufacturers‘ Association) geht davon aus, dass der Werkzeugmaschinenmarkt um 20 % oder mehr schrumpfen wird.

China stabilisiert sich

Etwas positiver stellt sich vor diesem Hintergrund die Situation in China dar. Der chinesische Markt scheine sich schneller als andere zu erholen, weil das Land die Ausbreitung von Covid-19 frühzeitig unter Kontrolle bringen konnte. Laut CMTBA (China Machine Tool & Tool Builders‘ Association) sind die Wirtschaftszahlen im Bereich Werkzeugmaschinen im Januar und Februar stark eingebrochen; sie hätten sich aber danach Monat für Monat verbessert. So sank der kumulierte Umsatz der Werkzeugmaschinenindustrie (Hersteller mit über 20 Millionen Yuan Umsatz) von Januar bis Juni 2020 um lediglich 7,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt erwarten die genannten Verbände für 2021 eine gewisse Markterholung. Der VDW setzt darauf, dass die asiatischen Länder, insbesondere China, die treibende Kraft für Auftragswachstum in 2021 sein werden. Indes weist der Schweizer Verband Swissmem auf eine anhaltende Schwäche des heimischen Marktes hin: Man werde eine gewisse Belebung feststellen, aber es werde wenigstens zwei weitere Jahre dauern, bis das Niveau von 2018 wieder erreicht ist.

Verhalten fällt auch die Prognose des britischen Branchenverband MTA (Manufacturing Technologies Association) für das kommende Jahr aus: „Positive Trends sind sichtbar. Aber der Markt wird kaum mehr als die Hälfte der Verluste von 2020 wieder ausgleichen können.“ Und weitere Covid-19-Ausbrüche könnten die Markterholung weiter verzögern.

Neue Herausforderungen durch die Krise

Die Werkzeugmaschinenhersteller haben in der Vergangenheit immer wieder Talsohlen durchschreiten müssen. Doch die jetzige Krise unterscheide sich von den vorherigen, betont der japanische Verband. Durch Lockdowns und Grenzschließungen seien die Handlungsmöglichkeiten der Menschen eingeschränkt. Hersteller in aller Welt konzentrierten sich aktuell darauf, diese neuen Hürden mithilfe digitaler Technologie zu überwinden.

So berichtet der indische Verband IMTMA (Indian Machine Tool Manufacturers‘ Association), alle seine Aktivitäten – einschließlich Trainings, Meetings und Seminare – fänden aktuell online statt. Die taiwanische KOMMA stellt die große Bedeutung digitaler Marketingwerkzeuge heraus: Diese würden künftig breit genutzt und seien unverzichtbar in den kommenden Jahren. Ähnlich sieht man das beim US-Verband AMT: „Die Nutzung von Augmented Reality (AR) im Kundensupport hat dramatisch zugenommen, weil erfahrene Ingenieure oder Servicekräfte keinen Support mehr vor Ort liefern können.“

Derweil setzt man in Russland auf eine Stärkung der heimischen Werkzeugmaschinenproduktion, um den Markt wiederzubeleben. Laut Herstellerverband Stankoinstrunent wurde im August 2020 ein neues System etabliert, das Subventionen für Hersteller und Rabatte für Käufer russischer Maschinen vorsieht. Dies habe den Trend befördert, dass russische Fertiger verstärkt Maschinen aus heimischer Produktion beschafften. Das Ziel: Bis 2035 soll der lokale Anteil, der aktuell bei 47 % liege, auf 70 % wachsen.

Online-Ausstellungen im Trend

Covid-19 hat in diesem Jahr konventionelle Messen und Ausstellungen verhindert, die für die Anbahnung von Geschäften so wichtig sind. Online-Veranstaltungen mussten sie ersetzen. So wurde auch die IMTS (International Manufacturing Technology Show), die von der AMT normalerweise alle zwei Jahre in Chicago veranstaltet wird, abgesagt und durch eine Online-Ausstellung ersetzt. Das Konzept macht laut AMT durchaus Sinn: „Es ist ein wertvolles Werkzeug für die Aussteller, um Anfragen entgegenzunehmen und sich über neue Technologien auszutauschen. Und es bietet eine gute Gelegenheit für Networking, weil die Besucher mit Industrievertretern interagieren können. Eine alternative Plattform für die gesamte Industrie zu haben, ist sehr wichtig.“

Etwas kritischer sieht man es in Italien: „Online-Events allein sind nicht genug“, heißt es vom dortigen Herstellerverband UCIMU. Die Bedeutung des Face-to-face-Kontaktes ließe sich nicht wegdiskutieren und konventionelle Messen könnten letztlich nicht durch Online-Pendants ersetzt werden. Auch beim VDW sieht man die Problematik. „Es gibt schon jetzt Berichte über eine gewisse Online-Müdigkeit.“ Nun, da der Neuheitscharakter weg sei, würden sich wohl viele gerne wieder persönlich treffen.

Laut JMTBA bringen die Online-Formate dennoch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Diejenigen, für die ein Messebesuch wegen der räumlichen Distanz bisher nicht möglich war, könnten jetzt online teilnehmen, wo und wann sie wollen. Zweifellos seien Online-Events deshalb ein effektives Instrument, um zeitliche und räumliche Beschränkungen zu aufzuheben. Und innovative Ideen zur Präsentation von Werkzeugmaschinen, etwas durch Videos o. ä., dürften sich weiter entwickeln. Die nächste Herausforderung jenseits der Coronakrise werde es nun sein, eine Balance zwischen Präsenz- und Online-Events zu finden, die den Kunden das Bestmögliche bietet.

Jimtof 2020 Online
www.jimtof.org/online/en/
JMTBA (Japan Machine Tool Builders‘ Association)
www.jmtba.or.jp/english/


Befragte Industrieverbände

  • AMT (Association for Manufacturing Technology), USA
  • Cecimo (European Association of the Machine Tool Industries), Europa
  • CMTBA (China Machine Tool & Tool Builders‘ Association), China
  • Indian Machine Tool Manufacturers‘ Association (IMTMA), Indien
  • KOMMA (Korea Machine Tool Manufacturers‘ Association), Korea
  • MTA (Manufacturing Technologies Association), UK
  • STANKOINSTRUMENT, Russland
  • SWISSMEM, Schweiz
  • TAMI (Taiwan Association of Machinery Industry), Taiwan
  • UCIMU, Italien
  • VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Deutschland

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