Mit den Freeturn-Werkzeugen von Ceratizit wird der Anstellwinkel zur Variablen

Ceratizit lädt die Branche ein, das Drehen zu revolutionieren

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Die Zeit ist reif für eine Revolution im Drehen: Der Präzisionswerkzeughersteller Ceratizit hat mit dem High Dynamic Turning (HDT) und den dazugehörigen Freeturn-Werkzeugen auf der AMB 2018 für erstaunte Blicke gesorgt. Doch was steckt hinter der völlig neuen Art zu drehen? Die mav hat im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Reutte nachgefragt.
Autor: Frederick Rindle

„Mit dem High Dynamic Turning und den dazugehörigen Freeturn-Werkzeugen ist es uns gelungen, das Drehen zu revolutionieren“, freut sich Dr. Uwe Schleinkofer, Leiter Entwicklung Cutting Solutions by Ceratizit. In der Tooling Academy in Reutte haben er und seine Kollegen schon viele Tests gefahren und die Experten sind sich allesamt einig: Das High Dynamic Turning wird das Drehen nachhaltig verändern. „Es ist wie damals, als das 5-Achs-Fräsen eingeführt wurde“, beschreibt Johannes Trost, der zuständige Testingenieur, die Aufbruchstimmung.

Mit dem HDT-Drehprozess haben die Werkzeugspezialisten von Ceratizit das Drehen komplett neu gedacht. Anstatt wie bisher auf ISO-Wendenschneidplatten mit speziellen Klemmhaltern zu setzen, wurden in Reutte Werkzeuge entwickelt, mit denen der Anstellwinkel der Schneide zu jedem Zeitpunkt der Bearbeitung frei gewählt werden kann. Damit die neuen Werkzeuge jeden Punkt des Bauteils erreichen können, werden diese in die Frässpindel der hierzu notwendigen Dreh-Fräs-Zentren gespannt.

„Dadurch, dass wir unsere Werkzeuge in die Frässpindel spannen und zudem den Anstellwinkel flexibel an die Bearbeitungssituation anpassen können, gewinnen wir eine Vielzahl an vorher unmöglich scheinenden Freiheitsgraden“, sagt Schleinkofer.

Bearbeitung ohne Leerwege

Mit den bislang vorgestellten Werkzeugen kann jede Kontur eines Drehbauteils erzeugt werden, ohne dass das Werkzeug abgesetzt werden muss. Das Werkzeug fährt hierzu in der Y-Achse an das Bauteil heran und kann aus der klassischen Sicht sowohl ziehend als auch drückend eingesetzt werden. Was die Bearbeitung mit den Freeturn-Werkzeugen allerdings so besonders macht, ist der frei einstellbare Anstellwinkel. Denn dadurch ist es möglich, aus der Längsbearbeitung kommend auch 90°-Schultern zu bearbeiten, ohne das Werkzeug absetzen zu müssen. Hierzu wird der Anstellwinkel der Schneide beim Anfahren der Schulter einfach eingedreht. „Unser Ziel ist es, sämtliche Leerwege des Werkzeugs zu eliminieren – G0 soll verschwinden“, konkretisiert Trost die Möglichkeiten.

Die Folge des flexiblen Anstellwinkels ist neben einer problemlosen Bearbeitung auch eine verbesserte Spankontrolle. Der Span wird im optimalen Winkel gebrochen und kann so regelrecht aus der Schnittzone gelenkt werden. „Mit HDT können wir mit nur einem Freeturn-Werkzeug ein Bauteil fertig bearbeiten, wo früher zum Beispiel fünf oder zehn Werkzeuge nötig waren“, erklärt Trost. Die dadurch entfallenden Werkzeugwechselzeiten und Lagerkosten für die Werkzeugbevorratung sind allerdings nur zwei der gravierenden Vorteile des neuen Systems.