Top 100 der weltgrößten Automobilzulieferer: Bosch, Conti & Co. bleiben auf Erfolgskurs Vernetzung – Fluch und Segen für deutsche Zulieferer

Top 100 der weltgrößten Automobilzulieferer: Bosch, Conti & Co. bleiben auf Erfolgskurs

Vernetzung – Fluch und Segen für deutsche Zulieferer

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Dr. Thilo Greshake, Partner Automotive bei Staufen: „Die Vernetzung mit anderen – auch branchenfremden – Unternehmen ist für Zulieferer Fluch und Segen zugleich.“ Bild: Staufen
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2017 war wieder ein starkes Jahr für die 100 weltgrößten Automobilzulieferer. So konnten auch die deutschen Schwergewichte wie Bosch, Conti und ZF ihre Umsätze erneut steigern und ihre Spitzenstellung festigen. Indes nimmt die Transformation der Automobilindustrie deutlich an Fahrt auf. Nach Ansicht von Analysten stellt der Trend zur Vernetzung mit anderen, auch branchenfremden Unternehmen insbesondere mittelgroße und kleinere Zulieferer vor große Herausforderungen.

Zum siebten Mal hat die Münchner Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors die 100 weltgrößten Automobilzulieferer im Rahmen der „Top 100-Zuliefererstudie 2017“ untersucht. Der Gesamtumsatz der Top 100 ist um 9,3 Milliarden Euro auf ein neues Rekordniveau von 834,6 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem die Gruppe der 18 deutschen Unternehmen liefert 2017 ein sehr positives Bild ab: Sie können insgesamt um 7,5 Prozent im Umsatz zulegen und weisen mit durchschnittlich 9,8 Prozent eine leicht höhere Profitabilität als im Vorjahr auf.

Unangefochten liegt Bosch mit 47,4 Milliarden Euro Umsatz (Unternehmensbereich Mobility Solutions) auf Platz eins der Top 100, gefolgt von Continental (44 Milliarden Euro) und der japanischen Denso (umgerechnet 36,4 Milliarden Euro). Das Spitzentrio verteidigt damit seine Positionen aus den beiden Vorjahren. ZF Friedrichshafen (33,5 Milliarden Euro) konnte sich um eine Position auf Platz 4 verbessern und verdrängt den kanadischen Zulieferer Magna (umgerechnet 32,5 Milliarden Euro).

Deutsche Zulieferer rücken auf

Insgesamt sind die deutschen Zulieferer im Top 100-Ranking um durchschnittlich sechs Plätze nach oben gerückt. Sie generierten 2017 einen Gesamtumsatz von 204,1 Milliarden Euro und trugen damit mehrheitlich zum europäischen Gesamtumsatz von 370,5 Milliarden Euro bei.

Auch wenn signifikante Wechselkurseffekte durch einen starken Euro das Bild beeinflussten, war 2017 nach Ansicht der Analysten ein Spitzenjahr. Die Automobilkonjunktur brummt: Weltweit wurden mit 94,5 Millionen so viele Autos produziert wie noch nie zuvor. Die Zulieferer können vom boomenden Gesamtmarkt sogar stärker profitieren als die Automobilhersteller: Während der Umsatz der 100 größten Zulieferer zwischen 2015 und 2017 um 5,8 Prozent gewachsen ist, konnten die zehn größten OEMs im gleichen Zeitraum nur um 2 Prozent zulegen.

Dass trotz zahlreicher Herausforderungen wie autonomes Fahren oder E-Mobilität die Geschäfte der deutschen OEMs wie auch der Tier-1-Zulieferer nach wie vor gut laufen, zeigt auch eine Umfrage der Unternehmensberatung Staufen. Danach erzielen 58 Prozent der deutsche Weltmarktführer überdurchschnittliche Renditen.

Anders sieht es hingegen bei den mittelgroßen und kleinen Automobilzulieferern aus: Hier liegt nur jede dritte Firma über dem Branchenschnitt. „Wie unsere Studie zeigt, versuchen die Zulieferer der zweiten und dritten Stufe massiv gegenzusteuern“, sagt Dr. Thilo Greshake, Partner Automotive bei der Unternehmensberatung Staufen. „So haben sich in dieser Gruppe 56 Prozent der Unternehmen nach eigener Aussage allein in den vergangenen drei Jahren sehr stark verändert, während dieser Wert bei den OEMs und Systemlieferanten nur bei gut 40 Prozent liegt.“

Der Grund: Hersteller und große Zulieferer müssen zwar in immer schnelleren Zyklen mit technologischen Innovationen beim Verbraucher punkten, leiten diesen Druck aber meist direkt an ihre eng mit ihnen verzahnten Zulieferer weiter. In der
Folge müssen diese Unternehmen, die meist nur über ein begrenztes Produktportfolio verfügen, in kurzer Zeit ihr gesamtes Geschäftsmodell aus der analogen in die digitale Welt übertragen und dabei grundlegend neu aufstellen, um nicht vom Markt zu verschwinden.

Zusammenarbeit ist zunehmend gefragt

Doch es ist nicht allein der Druck, auch in der Welt der neuen Technologien noch als Zulieferer gefragt zu sein, der besonders den mittelgroßen und kleineren Zulieferern zusetzt. So müssen diese Unternehmen künftig auch ganz anders arbeiten, um aus einem analogen ein Hightech-Produkt zu machen. „Gefragt ist eine viel stärkere Zusammenarbeit mit viel mehr Partnern. Und dass dieser Partner zudem nicht unbedingt auf der Schwäbischen Alb, sondern im Silicon Valley sitzt, macht die Sache nicht leichter“, hat Automotive-Experte Greshake beobachtet. „Die Vernetzung mit anderen – auch branchenfremden – Unternehmen ist somit Fluch und Segen zugleich. Zwar können klassische Mittelständler von deren Know-how stark profitieren, müssen aber parallel viel mehr Schnittstellen managen.“

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, setzen 88 Prozent der befragten Zulieferer auf die Verbesserung von Prozessen und Organisationsstrukturen. 84 Prozent halten zudem die Qualifizierung von Mitarbeitern und Führungskräften für zentral. „Führungskräfte sind in diesen Zeiten der rasanten Veränderungen noch viel stärker gefordert als bisher“, so Greshake. „Sie müssen einerseits für Stabilität und Effizienz sorgen, gleichzeitig aber Unsicherheit und Innovationen managen. Sie müssen Macht abgeben und eine neue Rolle als Mentor finden.“

Kleiner Trost: Mit diesem Wandel des Führungsverhaltens tun sich laut der aktuellen Staufen-Studie nicht nur die typisch deutschen Mittelständler noch schwer, sondern auch die großen international aufgestellten Konzerne.

Wie stark die Transformationsprozesse in der Automobilindustrie die weltweite Zulieferlandschaft verändern, zeigt ein Blick über den großen Teich: Laut Berylls lag die Gruppe der amerikanischen Zulieferer (Gesamtumsatz umgerechnet 117,8 Milliarden Euro) mit durchschnittlich 10,2 Prozent in der Profitabilität ganz vorn. Und viele US-Unternehmen stellen mit großem Nachdruck die Weichen in Richtung Mobilität der Zukunft und trennen sich von herkömmlichen Geschäftsbereichen.

Delphi steht dabei repräsentativ für die strategische Ausrichtung vieler US-amerikanischen Zulieferer: Das Unternehmen hat sich in Aptiv (Fokus auf die „neue Automobilwelt“ rund um Connectivity und Autonomes Fahren) und Delphi Technologies aufgespalten und wurde dadurch im Ranking nach unten durchgereicht. Ähnlich verhält es sich mit Visteon: Vor fünf Jahren noch auf Rang 39, schafft das Unternehmen nach einem fortlaufenden Schrumpfungsprozess und einer weitgehenden Fokussierung auf Anzeige- und Bedieninstrumente gerade eben noch den Sprung in die Top 100.

Transformationsgeschwindigkeit wächst

Konsolidierungen, Ausgründungen und Firmenübernahmen sorgen schon seit Jahren für viel Bewegung innerhalb der Top 100. Auch für 2018 deutet sich an, dass die Transformationsgeschwindigkeit in der Automobilindustrie weiter zunehmen wird. Die Kassen vieler Unternehmen sind nach vielen guten konjunkturellen Jahren prall gefüllt, und die strategische Notwendigkeit, sich in den Zukunftsthemen der Automobilindustrie zu positionieren, wird insbesondere für Zulieferer mit einem kommerziellen Schwerpunkt in der „alten Welt“ der Automobilindustrie mit jedem Tag größer.

Neben Venture Capital-Gesellschaften investieren immer mehr der großen Tier-1-Zulieferer in Zukäufe kreativer Start-ups und versprechen sich u. a. daraus wichtige Impulse für das Kerngeschäft. Zunehmend entscheiden Kompetenzen auf den Feldern Connectivity, autonomes Fahren, Big Data, Shared Mobility und Elektrifizierung über den Erfolg der Autoindustrie.

Die Spitzen-Unternehmen der Top 100 haben das längst realisiert und verstanden, dass neben Google, Apple und anderen Technologie-Titanen auch die Chinesen in das Rennen um die Budgets der OEMs eingestiegen sind. Und so wie es sich darstellt, sind einige chinesische Zulieferer gut darauf vorbereitet, schon in den nächsten Jahren etablierten Unternehmen die Rücklichter zu zeigen und sie aus den Berylls Top 100 zu verdrängen.

Berylls Strategy Advisors
www.berylls.com

Staufen AG
www.staufen.ag



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