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Interview mit Dr. Hansch, Geschäftsführer Emco

Dr. Stefan Hansch, Geschäftsführer Emco: Stets auf die Zukunft fokussiert
„Themen positiv im Sinne unserer Kunden gestalten“

Der Werkzeugmaschinenhersteller Emco feiert 2022 sein 75-jähriges Gründungsjubiläum. Geschäftsführer Dr. Ing. Stefan Hansch erläutert im Gespräch mit der mav, was die Stärken des österreichischen Unternehmens sind und welche Herausforderungen aktuell ganz oben auf der Agenda stehen. Das Interview führte: Holger Röhr

mav: Emco feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum, können Sie das Erfolgsrezept des Unternehmens in einen Satz fassen?

Dr. Hansch: Am Anfang stand eine Idee: Noch unter der Firmierung Maier & Co.- legte Karl Maier Mitte der 1950er Jahre mit den Kleinstdrehmaschinen der Baureihe Unimat den Grundstein für den weiteren Erfolg. Diese Idee „Maschinen immer noch besser, effizienter und intelligenter zu entwickeln und zu bauen, damit sie den Produktionsanforderungen der Kunden möglichst zu 100 Prozent entsprechen“ wurde in der Folge dann von den richtigen Menschen in der technischen Entwicklung bis hin zum Vertrieb zum richtigen Zeitpunkt erfolgreich umgesetzt. Und das ist auch nach 75 Jahren noch so.

Gibt es in der Rückschau Momente, von denen Sie sagen, das waren die entscheidenden Weichenstellungen für das Wachstum des Unternehmens?

Dr. Hansch: Der Eigentümerwechsel 2011 – Emco ist seitdem Teil der familiengeführten Kuhn Holding – schaffte die Voraussetzungen für die Entwicklung eines neuen Produktprogramms. Eine wichtige Weichenstellung für den Bereich Drehen war aus meiner Sicht die Entscheidung, auf die technologisch komplexen Highend-Maschinen zu setzen und die Hyperturn-Maschinenreihe in verschiedensten Dimensionen und Konfigurationsmöglichkeiten zu entwickeln und auszubauen. Beim Fräsen hat sicherlich die Akquisition von Mecof den entscheidenden Schritt nach vorne gebracht. Das gebündelte Know-how von Mecof und Famup eröffnete uns viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung einer schlagkräftigen Fräs-Maschinenreihe.

Wie ist Emco heute als Werkzeugmaschinenhersteller positioniert? Welche besondere Stärke oder Alleinstellung sehen Sie?

Dr. Hansch: Der Werkzeugmaschinenhersteller Emco steht für beste individuelle, automatisierte Komplettlösungen fürs Drehen und Fräsen. Als österreichisches Unternehmen gehören wir im Werkzeugmaschinenbau zu den eher kleinen Playern.

Die überschaubare Größe ermöglicht es uns, rasch Entscheidungen zu treffen. So können wir uns flexibel auf sich verändernde Marktgegebenheiten einstellen und umgehend auf neue Marktanforderungen reagieren. Gleichzeitig haben wir aber auch mit volumenbezogen Einkaufsnachteilen zu kämpfen.

Welchen Stellenwert hat das Traditionsgeschäft mit den Ausbildungsmaschinen heute?

Dr. Hansch: Rein vom Umsatz betrachtet keinen großen Stellenwert. Trotzdem ist und bleibt es ein wichtiger Bestandteil der Emco „DNA“, vor allem auch vor dem Hintergrund des eklatanten Facharbeitermangels, denn hier bildet Emco seit 1982 in enger Zusammenarbeit mit technischen Schulen, Universitäten und der Industrie weltweit Facharbeiter aus. Dort lernen technikaffine Menschen die Vorzüge unserer Technologie kennen und wissen sie dann später ebenso zu schätzen. Seit Jahren beraten Emco Ausbildungsfachleute Institutionen und Betriebe in Europa, Nord- und Südamerika, Südostasien sowie im Mittleren und Nahen Osten.

Wie lief es für Emco in der Coronakrise? Wie ist die wirtschaftliche Situation aktuell?

Dr. Hansch: Wir kamen etwas besser als der Branchendurchschnitt durch die Coronakrise. Das vergangene Geschäftsjahr 2021/22, das per 31.3.2022 endete, konnten wir mit einem Umsatzplus von 24% abschließen und damit das Umsatzniveau von 2019 wieder erreichen.

Wie sieht es mit den Lieferketten aus? Gibt es hier Probleme, die zu längeren Lieferzeiten für die Maschinen führen?

Dr. Hansch: Ja, leider. Hier sind wir ebenso wie die Mitbewerber je nach Baureihe und Komponenten in unterschiedlichem Ausmaß betroffen.

Wie hoch ist die Fertigungstiefe? Können Sie Lieferengpässe durch eine hohe Fertigungstiefe abmildern?

Dr. Hansch: Wir hatten in der Vergangenheit eine geringe Fertigungstiefe und haben uns bei Kernkomponenten zum Teil zu abhängig von einzelnen Lieferanten gemacht. Nun arbeiten wir step by step daran, bei Kernkomponenten die Eigenentwicklungen zu forcieren, z. B. Dreh- und Schwenkachsen für die Emco-Produkte.

An welchen Neuentwicklungen wird gerade gearbeitet? Was werden Sie auf der AMB zeigen?

Dr. Hansch: Wir werden eine Hyperturn 65 Powermill High Performance ausstellen, die mit zwei unteren Werkzeugwendern und einer B-Achse ausgestattet ist. Ihre Produktivität ist damit deutlich höher als zuvor. Gerade in der Serienproduktion bietet diese Maschine mit drei Werkzeugwendern entsprechende Zerspanungsraten, gepaart mit hoher Flexibilität. Denn die Bearbeitung an Haupt- und Gegenspindel kann überlappend mit drei Werkzeugen erfolgen. Zudem stehen im Werkzeugmagazin ausreichend Werkzeuge für den mannlosen Betrieb zur Verfügung. Ausgerichtet ist die Hyperturn auf Arbeiten in Bezug auf die zunehmenden Ansprüche der Elektromobilität.

Ein weiteres Highlight wird eine Hyperturn 65 mit Fanuc-Steuerung, die auf die Märkte außerhalb Europas wie z.B. USA abzielt, aber auch für Italien interessant ist. Die weltweit meistverkaufte CNC-Steuerung von Fanuc ist bei Emco seit einigen Jahrzehnten im Programm, bis dato in der Regel bei den einfacheren Maschinen mit bis zu zwei Bearbeitungskanälen. Nun soll das Angebot auf unsere Highend-Maschinen mit Frässpindel, B-Achse und Werkzeugmagazin ausgeweitet werden.

Inwiefern profitieren Sie vom Famup- und Mecof-Know-how? Gibt es gemeinsame Entwicklungen?

Dr. Hansch: Als Lösungsanbieter, der die Produktivität des gesamten Zerspanungsprozesses im Fokus hat, gelang es Emco, seine Position als Turnkey-Anbieter erfolgreich auszubauen. Als Basis dafür sehe ich insbesondere die erfolgreiche Zusammenführung aller Kompetenzen. Dass dies gelingt, ist in vielen Bereichen zu sehen. So wurde etwa die jahrelange Erfahrung der Mecof- Experten im Bereich der FEM-Analyse bei Großmaschinen auf die Entwicklung verschiedenster Maschinentypen übertragen. Im Ergebnis erreichen nun alle Bearbeitungszentren der Emco-Gruppe FEM-optimierte Stabilität und Genauigkeit.

Anderes Beispiel: Ingenieure und Techniker aller Emco-Standorte haben in den Jahren 2014/2015 mit der Hyperturn 200 Powermill gemeinsam ein kombiniertes Dreh-Fräszentrum entwickelt, das sich für die Komplettbearbeitung von mittelgroßen, komplexen Bauteilen in einer Arbeitsfolge sehr schnell am Markt etabliert hat. Auf die standortübergreifende Zusammenarbeit bin ich wirklich stolz. Unsere Entwickler haben es geschafft, das Beste aus beiden Zerspanungswelten in einer Maschine zu vereinen und aus einer Schrägbett-Drehmaschine ein extrem vielseitig verwendbares Fahrständer-Dreh-Fräs-Zentrum zu machen. Inzwischen wurde das Konzept bereits auf weitere Hyperturn-Baureihen übertragen – auf die kleineren Hyperturn 65 Powermill und die Hyperturn 100 Powermill.

Treten Famup und Mecof in Zukunft noch als Marken in Erscheinung oder wird es nur noch Emco-Maschinen geben?

Dr. Hansch: Alle Maschinen werden seit 2019 in einem laufenden Übergangsprozess – je nach Historie der Marke auf den jeweiligen Märkten – unter einer Marke Emco geführt. Famup und Mecof bleiben in der Bezeichnung der Produktionsstandorte erhalten.

Wie sieht es mit der Automatisierung aus? Welche Entwicklungen gibt es hier?

Dr. Hansch: Die Coronapandemie und die durchbrochenen Lieferketten führten v. a. in Europa zu einem verstärkten Automatisierungstrend – Stichwort: Domestic Sourcing. Dabei geht es nicht mehr nur um die bekannte Automatisierung von Großserien, vielmehr führen die Anpassung des Produktportfolios unserer Kunden und der Fachkräftemangel immer mehr zur Notwendigkeit, auch kleine Losgrößen bis runter zu Stückzahl 1 zu automatisieren. Das macht die Sache natürlich immer komplexer, nicht zuletzt durch die digitale Einbindung der Fertigungszellen in die vorhandene, digitale Infrastruktur unserer Kunden.

Emco hat darauf schon vor mehreren Jahren reagiert und ein Automatisierungsteam zusammengestellt, in dem Fachleute mit unterschiedlichem Hintergrund die individuell beste Lösung für den Kunden ausarbeiten und ihn von der Anfrage über die gesamte Laufzeit der Maschine begleiten. Grundsätzlich gilt bei uns „so einfach wie möglich und so komplex wie nötig“. Damit minimieren wir auch die noch immer in vielen Bereichen vorhandenen Berührungsängste vor solchen Lösungen. Und noch zwei Trends können wir bei Emco deutlich erkennen: Zum einen geht die Automation immer mehr in Richtung Knick-Arm-Roboter, um mehr Flexibilität zu erzielen. Zum anderen sollen in der Automationsstrecke auch immer mehr Zusatzarbeiten wie Waschen, Entgraten, Beschriften oder Messen mit erledigt werden. Auf diese Herausforderungen haben wir uns bei Emco in den letzten Jahren eingestellt und bieten unseren Kunden sehr individuelle Lösungen.

Welche Investitionen nehmen Sie aktuell vor, welche sind in der nächsten Zeit geplant?

Dr. Hansch: Im März 2022 konnte eine für die Entwicklung des Fräsmaschinen-Segments wichtige Investition erfolgreich abgeschlossen werden: Am Standort der Emco CNC-Fräsmaschinen-Produktion in Pordenone, einem von 5 europäischen Emco Produktionsstandorten, wurde das Nachbargrundstück mit Halle für eine Produktionserweiterung erworben. Hier stehen weitere 2235 m² Produktionsfläche und 270 m² Bürofläche für die nächsten Sortimentserweiterungen bei den Bearbeitungszentren der Umill- und MMV-Serie bereit. Investitionen in die Nachhaltigkeit sind am Headquarter-Standort Hallein bereits in der Umsetzung – eine komplette Dachsanierung und Installation einer Photovoltaik-Anlage mit 7900 m² Fläche und einer Leistung von 400 kWp.

Was erwarten Sie für die nächsten ein bis zwei Jahre? Was sind langfristige Ziele für das Unternehmen?

Dr. Hansch: Einerseits stimmt uns der sehr gute Auftragseingang der vergangenen Monate, zuversichtlich. Wir können in diesem Geschäftsjahr um bis zu 20% wachsen.

Andererseits sind wir als Gesellschaft wie kaum je zuvor mit zahlreichen schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert – das spürt man auch bei der Belegschaft. Mehr als 2 Jahre Corona, die immer heftiger werdenden Auswirkungen der Klimasituation und seit diesem Jahr die durch den Krieg in der Ukraine bedingten Folgeerscheinungen im Energiesektor, an den Finanzmärkten und in vielen Bereichen der Wirtschaft. Die negativen Auswirkungen davon erleben wir alle – sowohl privat als auch im Job. Daher müssen wir im Team versuchen gegenzusteuern und uns mit voller Kraft auf jene Themen konzentrieren, die wir gemeinsam positiv im Sinne unserer Kunden gestalten und beeinflussen können. Das gilt für alle Bereiche, ob Entwicklung, Produktion oder Service.

Wenn uns das gelingt, kommt auch der Erfolg und das wiederum stärkt uns für die anstehenden Aufgaben.

Emco GmbH
www.emco-world.com
AMB Halle 10 Stand C52

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