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Werkzeugmaschinenmarkt in China nimmt wieder Fahrt auf

Das Land der Mitte bleibt wichtigster Handelspartner – zumindest mittelfristig
Werkzeugmaschinenmarkt in China nimmt wieder Fahrt auf

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Größter Kunde – und zugleich gefährlichster Wettbewerber? China ist für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ein Schlüsselmarkt. Bild: Eisenhans/Fotolia
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Nach einer längeren Durststrecke nimmt China, wichtigster Markt für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie, wieder Fahrt auf. Auf Sicht zahlt sich der Fokus auf Hochtechnologie aus – denn hybride Fahrzeugantriebe werden die Komplexität in der Fertigung weiter steigern. Für die Zeit danach wird allerdings Kompetenz in neuen Technologiefeldern gefragt sein. Dr. Frank-Michael Kieß

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Die Zeiten waren gewiss schon schlechter für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie. Aktuell eilt die Branche von Produktionsrekord zu Produktionsrekord. Laut VDW (Verband der deutschen Werkzeugfabriken) konnten die Unternehmen im vergangenen Jahr um 4 Prozent zulegen und ein Volumen von rund 15,7 Milliarden Euro realisieren. Auch für 2018 erwartet der Verband ein weiteres Plus von 5 Prozent. Treiber der Entwicklung war einmal mehr der Export. „71 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinen wurden im Ausland verkauft“, berichtet der VDW-Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop. Und auch wenn Amerika mit einem Zuwachs von 20 Prozent zuletzt zum Zugpferd mutierte, so bleibt China der bei weitem wichtigste Leitmarkt. Nach einer längeren Durststrecke hat der größte Abnehmer deutscher Werkzeugmaschinen zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. „Die angesprungene Nachfrage sorgte für einen Exportzuwachs von nahezu einem Fünftel“, so Prokop. Im Geleitzug habe auch die gesamte asiatische Region kräftig angezogen.

Mit einem Volumen von fast 2 Milliarden Euro war China im Zeitraum von Januar bis November 2017 der mit Abstand wichtigste Handelspartner der deutschen Werkzeugmaschinenbauer – und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland die Spitzenposition unter den Exporteuren halten konnte – vor Japan und Italien. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass China selbst mit 11,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr der weltgrößte Produzent war. Deutschland folgt hier mit einem Volumen von 11,5 Milliarden Euro mit gehörigem Abstand.

Noch zählt Klasse statt Masse

„Hier gilt jedoch Klasse statt Masse“, stellt Prokop klar. Obwohl der VDW die Zahlen des chinesischen Statistikamtes bereits um einfache Maschinen bereinigt habe, um sie vergleichbar zu machen, sei festzustellen, dass in China nach wie vor Low-Tech in großen Stückzahlen für den heimischen Markt und für Entwicklungsländer gefertigt wird. Das belege auch der Durchschnittspreis einer chinesischen NC-gesteuerten Maschine von 39 000 Euro, im Vergleich zu 322 000 Euro für eine deutsche NC-Maschine. „Da spiegelt sich der hohe Anteil an Hightech und Speziallösungen im deutschen Angebot wider, das weltweit gefragt ist, wenn Kunden produktiver werden und qualitativ hochwertigere Produkte herstellen wollen“, so Prokop.

Doch genau dort wollen auch die Chinesen hin. Mit der Initiative „Made in China 2025“ bringt die chinesische Regierung ihren Willen zum Ausdruck, die eigenen Hersteller zu stärken und von Importen unabhängiger zu werden, notfalls auch durch Handelsbarrieren und Behinderung ausländischer Investitionen. „Für uns ist es deshalb umso wichtiger, den technischen Vorsprung auch künftig weiter auszubauen“, mahnt Prokop. Eine unmittelbare Konkurrenzsituation sieht er zwar noch nicht – die werde zuerst andere Nationen betreffen. „Aber die Chinesen werden stärker in den Export drängen.“ Erste Ansätze seien sichtbar, wenngleich sie sich in den nächsten Jahren noch nicht auswirken würden. Aktuell zahlt sich nach Ansicht der VDW-Verantwortlichen der Hightech-Fokus der deutschen Hersteller aus – auch weil etwa im Bereich der Consumerelektronik-Industrie in China die Anforderungen immer weiter stiegen.

Auch der Trend zur Elektromobilität, so bedrohlich er für die Zerspaner erscheint, könnte deutschen Herstellern zumindest mittelfristig noch in die Karten spielen. Eine aktuell durchgeführte Studie des VDMA untersucht, wie sich die Marktdurchdringung elektrogetriebener Fahrzeuge weltweit bis zum Jahr 2030 vollziehen könnte. Dabei differenziert sie nach den Regionen Europa, USA und China und betrachtet schließlich die Entwicklung für Pkws, Nutzfahrzeuge und mobile Arbeitsmaschinen, wie Landmaschinen, Baumaschinen, Gabelstapler usw.

Hybridtechnologie schafft Bearbeitungsbedarf

Das wichtigste Ergebnis für die Werkzeugmaschinenbranche ist, dass bis 2030 der Anteil rein elektrogetriebener Personenkraftfahrzeuge in den betrachteten Regionen mit etwa einem Fünftel der Neuzulassungen berechnet wurde. Hingegen sollen 60 Prozent der Neuzulassungen Hybridfahrzeuge in unterschiedlichen Kombinationen sein, und das mit steigender Tendenz. Der Anteil von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren geht damit zurück – trotz weiterer Optimierungen. „Der damit ausgelöste Rückgang des Zerspanvolumens wird einerseits überkompensiert durch die weltweite Zunahme der Gesamtzulassungen von Pkws – angetrieben vor allem durch den steigenden Bedarf in China“, so Prokop. Auch die höhere Komplexität optimierter Verbrennungstechnik kombiniert mit elektrischen Antriebskonzepten schaffe vermehrten Bearbeitungsbedarf.

Weiterhin stiegen die Anforderungen an hochpräzise Produktionstechnik. Beispiele sind: die Reduzierung der Geräuschemissionen im Getriebebau; der höhere Verschleiß von Bauteilen, der z. B. beim Umschalten vom Elektro- auf den Verbrennungsmotor bei höheren Geschwindigkeiten entsteht; die stärkere Auslegung von Bremssystemen, die aufgrund des Batteriegewichts notwendig wird; die flächendeckende Ausrüstung mit Turboladern. Hinzu kommen Produktionssysteme für die Fertigung von Komponenten für elektrische Antriebe.

Unterm Strich steht bei (hybriden) Verbrennungsmotoren ein Wertschöpfungs-Zuwachs von 24 Prozent. Laut VDMA wird sich die Kombination aus Hybridantrieben, einer höheren Komplexität beim Verbrennungsmotor sowie steigenden Absatzahlen für Fahrzeuge vor allem in China positiv auf die Wertschöpfung auswirken – was in einer jährlichen globalen Wachstumsrate für Pkw-Antriebe von 1,7 Prozent bis 2030 gipfelt.

Dennoch machen die Autoren der Studie deutlich, dass gerade in China – auch getrieben durch politische Vorgaben – der Absatz rein elektrisch getriebener Neuwagen bis 2030 auf 29 Prozent steigen wird. Das liegt deutlich über dem globalen Wert von 22 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass die Wertschöpfung für die Fertigungsindustrie bei einem (Plug-in-)Hybridantrieb um 24 Prozent steigen, beim rein batterieelektrischen Antrieb hingegen um 69 Prozent sinken wird, sollte klar sein, dass die deutsche Produktionsindustrie auf längere Sicht Exzellenz in neuen Technologien entwickeln muss, um für China der bevorzugte Handelspartner zu bleiben.

„Alarmismus ist fehl am Platze“, unterstreicht VDMA-Präsident Carl-Martin Welcker. Der Antrieb im Wandel könne für die Maschinenbauindustrie ein Wachstumsgeschäft sein. „Noch bleibt den Unternehmen Zeit, um die Transformation zu gestalten, um Geschäftsmodelle und Technologie anzupassen. Gleichzeitig sei klar, dass sich Hybridisierung und Elektrifizierung am Markt durchsetzen werden. „Spätestens jetzt sollte der Transformationsprozess in den betroffenen Unternehmen angegangen werden“, schreibt Welcker den deutschen Herstellern ins Stammbuch.



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