Jan Rodig, Freelance Consultant Digital Transformation, Innovation & IoT

„Think big, start small“

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Für Jan Rodig ist es ein weit verbreitete Missverständnis, dass sich IoT-Investitionen rechnen müssen wie eine neue Werkzeugmaschine. „Wenn man da schon vor dem Beginn eines Innovationsprojektes einen detaillierten Business Case verlangt oder eine Mindestamortisationsdauer von drei Jahren vorgibt, funktioniert das einfach nicht.“ Bild: Tresmo
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Der Maschinenbau steckt beim Thema IoT (Internet of Things) noch in einer frühen Phase: Über Stolpersteine und Best Practices spricht Jan Rodig, Berater für digitale Transformation. Armin Barnitzke

Das Interview führte:

mav: Wo steht das Thema IoT im Maschinenbau?

Rodig: Viele Teilbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus spüren eine stark gestiegene Nachfrage ihrer Kunden nach vernetzten Produkten und digitalen Lösungen. Die Maschinenbauer sind allerdings in der Zwickmühle: Einerseits wissen die meisten, dass es an einsatzfähigen IoT-Technologien nicht mangelt. Andererseits herrscht jedoch große Unsicherheit, wie man mit IoT Geld verdienen kann, wie man überhaupt an solche Vorhaben herangeht und wie man das technisch am sinnvollsten aufzieht.

Ist diese Unsicherheit verbreitet?

Rodig: Ja. Natürlich gibt es auch eine Reihe visionärer Maschinenbauer aller Größenordnungen, die sehr zielgerichtet und konsequent in smarte Produkte, digitale Services und innovative Geschäftsmodelle investieren. Doch die Mehrheit experimentiert nach meiner Erfahrung noch in frühen Phasen oder hat aufgrund des seit langem brummenden Geschäfts noch nicht ausreichend Zeit gefunden, diese großen Zukunftsthemen systematisch anzugehen.

Was bremst Unternehmen aus dem Maschinenbau bei der Nutzung von IoT-Technologien?

Rodig: Nach meiner Erfahrung gibt es drei große Bremsklötze. Der erste ist der Erfolg der Vergangenheit. Wenn es lange Zeit nur aufwärts geht, fällt es oft nicht leicht, bewährtes in Frage zu stellen und sich grundlegend neu zu erfinden. Der zweite Bremsklotz ist der Mangel an dringend notwendiger Digitalkompetenz auf allen Ebenen: vom strategischen Verständnis digitaler Marktmechanismen und Geschäftsmodelle über agile Managementansätze und kundenzentrierte Innovationsmethoden bis hin zu handfester Technologiekompetenz, Verständnis für User Experience und künstliche Intelligenz. Der dritte Bremsklotz ist das weit verbreitete Missverständnis, dass sich IoT-Investitionen rechnen müssen wie eine neue Lagerhalle oder Werkzeugmaschine.

IoT muss sich nicht rechnen?

Rodig: Es geht bei IoT um die Zukunftsfähigkeit des Kerngeschäfts, also um die Frage, ob ich in ein paar Jahren meine Maschinen ohne digitale Lösungen überhaupt noch zu vernünftigen Preisen verkaufen kann. Wenn man da schon vor dem Beginn eines Innovationsprojektes einen detaillierten Business Case verlangt oder eine Mindestamortisationsdauer von drei Jahren vorgibt, funktioniert das in der Regel nicht.

Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die Stolpersteine in IoT-Projekten?

Rodig: Zum einen fehlt es in der Regel an einer klaren Projektvision, die konsequent die zukünftigen Nutzergruppen der IoT-Lösung und deren konkrete Mehrwerte ins Zentrum aller Aktivitäten stellt. Stattdessen wird viel zu oft das gemacht, was technologisch interessant ist. Solche Projekte führen selten zum Erfolg. Zum anderen sind IoT-Projekte komplexe technologische Vorhaben mit mehreren Ebenen, von denen die meisten Unternehmen nur wenig verstehen. Da wird schnell die falsche IoT-Plattform ausgewählt, mit ungeeigneten Technologien losgelegt, die IT-Architektur nicht zu Ende gedacht oder die Datenstandardisierung vergessen. Wie sagt man so schön: Wenn man nicht genug Zeit hat etwas einmal richtig zu machen, macht man es eben zweimal.

Was raten Sie?

Rodig: Think big, start small – ich empfehle zunächst eine Vision als Nordstern zu definieren und eine grobe strategische Roadmap zu entwickeln. Dann sollte man sich fragen, was die zentralen erfolgskritischen Hypothesen auf diesem Weg sind, die es zu validieren gilt. Basierend auf explorativen Interviews mit den Zielgruppen und unaufwändigen Prototypen kann man dann sehr effizient konkrete erste Schritte machen. Dabei lernt man in wenigen Tagen garantiert um ein Vielfaches mehr, als wenn man das Ganze noch monatelang auf Powerpoint-Basis konzipieren würde.

Und wie lässt sich IoT dann monetarisieren? Wo sind IoT-Geschäfts- und Erlösmodelle?

Rodig: Neben dem Verkauf ergänzender digitaler Services wie Predictive Maintenance ist insbesondere die nutzungsbasierte Abrechnung, also pay-per-use interessant, wenn man statt dem Verkauf der Verpackungsmaschine zukünftig den Kunden nur noch einen variablen Betrag pro verpackter Einheit bezahlen lässt. Weiterhin sind auch Marktplatzszenarien interessant, wo dritte Anbieter beispielsweise über einen App-Store digitale Services anbieten können. Was im Einzelfall funktioniert, hängt jedoch von vielen individuellen Faktoren ab, ebenso das konkrete Pricing solcher Innovationen.


Kurz-Profil Jan Rodig

Jan Rodig ist Buchautor, Keynote-Speaker und Mitglied der Arbeitsgruppe „Digitale Geschäftsmodelle“ der Initiative Plattform Industrie 4.0. Er war Gründer und langjähriger CEO des IoT-Dienstleisters tresmo, der smarte Produkte, digitale Services und innovative Geschäftsmodelle für Kunden wie Vorwerk, Trumpf und Viessmann entwickelt. Vorher war er u. a. bei der Desertec Industrieinitiative und als Strategieberater bei Roland Berger tätig. Rodig unterrichtet an zwei Hochschulen und ist Jurymitglied im bayerischen Businessplanwettbewerb.

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