Schlank, schick und intuitiv: Moderne Bedienkonzepte reduzieren Komplexität und machen flexibel

Smarte Apps erobern die Fertigung

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In gerade mal zehn Jahren haben Smartphone und Tablet die Art, wie wir Technologie anwenden, grundlegend verändert. Die Frage, ob Touch-Bedienung und Apps auch im industriellen Umfeld Sinn machen, ist längst beantwortet: Wer heute über eine Metallbearbeitungsmesse geht, begegnet überall entsprechenden Lösungen. Das Erfolgsrezept der Apps: Sie machen die wachsende Komplexität der dahinterliegenden Systeme beherrschbar, sind intuitiv bedienbar und individuell konfigurierbar. Dr. Frank-Michael Kieß

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Über Jahrzehnte galt für die Bedienung industrieller Anlagen der Leitsatz „Form follows function“. Man begnügte sich damit, mit Maschinen über alphanumerische Eingabetastaturen mehr schlecht als recht kommunizieren zu können. Anwendungs-Profis hielten etwas darauf, dass ihnen diese Form der Bedienung durch langjährige Praxis in Fleisch und Blut übergegangen war.

Doch in Zeiten von Industrie 4.0 wächst die Komplexität derart, dass sich die Funktionen so immer schwerer abbilden und beherrschen lassen. Es mangelt zudem an Fachkräften, die den Job an der Maschine noch zur Ausführung bringen können. Und die nachwachsende Generation bringt ein gänzlich anderes Verständnis von Usability beim Umgang mit technischem Equipment mit.

So bestimmen heute zunehmend Touch-Displays das Bild, die über Gestensteuerung bedient werden und die sowohl vom Maschinenhersteller als auch vom Nutzer individuell angepasst werden können. Der Abruf der Einzelfunktionen wird auf Apps heruntergebrochen, die auf bestimmte Aufgaben fokussiert sind und deren Sinn und Arbeitsweise sich intuitiv erschließt. Diese Apps sind nicht nur auf der Maschinensteuerung oder auf einem Leitrechner installiert, sondern via Cloud-Services von überall und auf jedem Zugangsgerät abrufbar.

Eine Vorreiterrolle hat DMG Mori eingenommen: Unter dem Namen Celos hat der Werkzeugmaschinen-Riese 2013 das Zukunftskonzept einer Bedienoberfläche vorgestellt, das quasi darauf wartete, durch die Orchestrierung mit entsprechenden Diensten zum Leben erweckt zu werden. Dass es dazu der Unterstützung von Industriepartnern und Softwarespezialisten bedurfte, zeigte sich bald. So hat man mit Dürr, Zeiss, ASM PT und der Darmstädter Software AG eine Allianz geschmiedet. Über das Joint-venture Adamos wollen die Partner eine Cloud-Plattform für existierende und zukünftige Apps im Markt etablieren.

Zu den Unternehmen, die sich stark mit Nutzungskonzepten der Zukunft auseinandersetzen, zählt auch der Traditionshersteller Heller. Zu den Neuerungen, die die Nürtinger unter dem Oberbegriff Heller 4 Industry lanciert haben, zählt unter anderem eine bedienerorientierte Benutzeroberfläche, die in Zusammenarbeit mit dem Systemelektronik-Spezialisten Schubert entstanden ist, sowie die Integration in die Mindsphere-Cloud von Siemens, die von SAPs In-Memory-Datenbank Hana befeuert wird. Die entsprechenden Module liefert Echtzeit-Informationen über den Zustand von Maschinenkomponenten, die transparent abrufbar sind, sie schaffen die Basis für Auswertungen, die die Ausfallzeiten minimieren und die Performance optimieren.

Ein weiteres Spielfeld für Cloud-basierte Apps ist die Werkzeugverwaltung. Nicht ganz zufällig hat ein US-Unternehmen hier Pionierarbeit geleistet: Die Idee hinter Kennametals Novo-Plattform war, nicht nur Werkzeugdaten online zur Verfügung zu stellen, sondern auch Zug um Zug Bearbeitungswissen in der Cloud zu aggregieren. Ein Beispiel, das Schule macht: So hat die Sandvik-Tochter TDM Systems zur vergangenen EMO mit Cloud Line eine Tool-Management-Lösung aus der Cloud lanciert. Das Ziel: Einstiegslösungen für die Werkzeugverwaltung wandern in die Cloud. „Der Anwender braucht nur noch einen Computer mit Internetbrowser, um zu starten“, verspricht Vertriebsleiter Eugen Bollinger.

Die entsprechenden Module versprechen ein hohes Maß an Transparenz auf Fertigungsebene. „Jeder Benutzer kann sich seine Fertigungsumgebung mit Apps für seine tägliche Arbeit selbst zusammenstellen“, erklärt TDM-Produktmanager Volker Schwegler. „Arbeitsplätze verwalten wir in Zukunft über Kostenstellen und sorgen so für Kostentransparenz.“

Werkzeugverwaltung 4.0

Auch der Aalener Präzisionswerkzeugehersteller Mapal will die Möglichkeiten der digitalisierten Welt beim Schopfe packen. Die als Online-Verkaufsportal für C-Teile gestartete C-Com-Plattform hat rasch ein Eigenleben entwickelt. Unter dem Schlagwort „Tool Management 4.0“ bietet die mittlerweile ausgegründete Firma Dienstleistungen rund um den Werkzeug-Lebenszyklus, die für Transparenz bezüglich aller Daten- und Warenflüsse sowie Kosten bieten sollen. Ungenauigkeiten bei Lagerbeständen, Maschinenstillstände wegen fehlender Werkzeuge und hoher Aufwand für Datenpflege, Wiederbeschaffung und Ausgabe der Werkzeuge sollen der Vergangenheit angehören.

Die Entwicklung setzt sich im Bereich der Werkzeug-Voreinstellung fort: So hat etwa Zoller Apps im Programm, mit denen sich Werkzeugdaten von überall abrufen lassen. Auch in der Qualitätssicherung läuft nichts mehr ohne Apps. So hat Renishaw auf der EMO Lösungen für die Messtechnik gezeigt, die intuitiv bedienbar und anwenderfreundlich sind. „Die Software ist verstärkt in den Fokus gerückt“, berichtet Deutschland-Geschäftsführer Rainer Lotz. „Sie hat großen Einfluss auf die Leistung und auf die Nutzbarkeit der Geräte.“

Derweil bahnt sich ein Shoot-out der Cloud-Plattformen an, auf denen die Apps für die Werkzeugmaschinen-Bedienung gehostet werden. Die Zahl der Anwendungen, die in Apples-I-Store oder Googles-Play-Store verfügbar sind, steigt stetig. In Konkurrenz dazu treten Industrie-getriebene Plattformen wie Adamos, Mindsphere, C-Com, Axoom, Connyun… die Liste ließe sich fortsetzen. Wer am Ende übrig bleibt, ist offen – doch die Hoffnung auf eine Fertigung, die intuitiver bedienbar und beherrschbar ist, scheint mehr als berechtigt.

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