Eberhard Zoller, Geschäftsführer E. Zoller GmbH + Co. KG Einstell- und Messgeräte

Qualitätssicherung

Eberhard Zoller, Geschäftsführer E. Zoller GmbH + Co. KG Einstell- und Messgeräte

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Den Status des Marktführers unter den Tool-Management-Lösungen verdanken die Einstell- und Messgeräte von Zoller nicht allein ihrer präzisen Messtechnik, sondern auch ihrer überlegenen Software. Firmenchef Eberhard Zoller sieht darin einen entscheidenden Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fertigungsbetriebe für die Zukunft zu sichern.

Das Interview führte Dr. Frank-Michael Kieß

mav: Herr Zoller, in der Geschichte Ihres Unternehmens ist es meist nur bergauf gegangen. Wie haben Sie das Krisenjahr 2009 überstanden?
Zoller: Wir hatten 40 Prozent weniger Umsätze als 2008, das ja ein absolutes Rekordjahr gewesen war. Aber wir konnten die Krise ganz gut meistern, mussten allerdings auch reduzieren.
mav: Wieviel Personal haben Sie abgebaut?
Zoller: Wir haben jetzt 50 Mitarbeiter weniger als im September 2008. Es hat hauptsächlich Mitarbeiter aus der Montage getroffen. Wir haben Wert darauf gelegt, den Bereich Entwicklung nicht zu reduzieren. Seit März 2009 hatten wir Kurzarbeit, jetzt aber nur noch vereinzelt. Ich bin zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht.
mav: Woraus schöpfen Sie Ihre Zuversicht?
Zoller: Im vierten Quartal 2009 hat sich unser Geschäft schon sehr gut angelassen. Das Jahr 2010 begann dann zwar etwas schleppend, aber seit April läuft es wieder recht gut. Wir sehen eine aufstrebende Tendenz.
mav: Wo denn hauptsächlich?
Zoller: Vor allem in Asien, aber auch die USA haben wieder angezogen. Deutschland tut sich noch etwas schwer, Europa sehr schwer.
mav: Wie haben Sie es geschafft, sich so global aufzustellen?
Zoller: Unser großer Vorteil war immer, dass wir ein Familienunternehmen sind. Bei uns funktioniert das deshalb so gut, weil wir es selber machen. Mein Sohn Christoph hat 1997 den Vertrieb und Service in den USA sehr erfolgreich aufgebaut, ebenso wie in Kanada und Mexiko. 2002 hat er das USA-Geschäft an meinen zweiten Sohn Alexander übergeben. Er selbst ging nach China, um auch dort Vertrieb und Service aufzubauen. Inzwischen verfügen wir neben unserem Hauptsitz in Schanghai noch über sieben Vertriebs- und Servicebüros in China. In Indien sind wir in Pune und drei weiteren Stützpunkten unterwegs, und auch in Japan haben wir mittlerweile Büros in Osaka, Nagoya und Tokio.
mav: Welche Bedeutung hat der asiatische Markt für Sie?
Zoller: Unsere Zukunft liegt ganz klar in Asien. Das sehen wir schon sehr lange. Wir verkaufen hochwertige Einstell- und Messgeräte dorthin, oft CNC-gesteuert. Wir leben von den Ideen und Innovationen der Asiaten, die wir in entsprechende Entwicklungen umsetzen, in Deutschland fertigen und nach Asien exportieren. In Deutschland fehlt oft das Verständnis oder die Bereitschaft, in Automatisierung in der Werkzeugorganisation und -vorbereitung zu investieren. Der Chinese kauft Made in Germany, und der Deutsche kauft Made in China, das ist die Crux. Aber wer in Deutschland die Losgröße 1 nicht wirtschaftlich fertigen kann, wird mit der Zeit vom Markt verschwinden. Und um die Losgröße 1 wirtschaftlich fertigen zu können, braucht man nicht nur Maschine, Werkzeug und Werkzeugaufnahme, sondern auch ein Tool Management – und dazu gehören unsere Einstell- und Messgeräte mit der entsprechenden Software und Werkzeugverwaltung.
mav: Sie haben die Chancen der Computertechnik im Maschinenbau früh erkannt. Hatten Sie einen speziellen Bezug zur Informationstechnik?
Zoller: Nein, ich bin Maschinenbauingenieur, und als ich 1968 in die Firma meines Vaters einstieg, hat man noch mit ganz primitiven Rechenmaschinen gearbeitet. Wenn man auf unseren Geräten ein Werkzeug einstellen und messen wollte, dann brauchte man eine Werkzeugliste auf Papier. Mit der Erstellung und Vorbereitung dieser Listen beauftragte man Konstruktionsbüros. Ende der 70er Jahre kamen die Commodore-64-Rechner auf den Markt, und ich wollte darauf eine Werkzeugverwaltung entwickeln. Ich habe mich in meiner Freizeit mit Basic beschäftigt und schließlich einen PC-Freak gefunden, der mir das programmiert hat. So haben wir 1981 auf der Messe außer unseren Einstell- und Messgeräten auch einen Commodore-Computer ausgestellt.
mav: Wie war die Resonanz?
Zoller: Nach der Messe erhielten wir mehr Anfragen nach unserer Computerlösung als nach unseren Einstell-Messgeräten. Da habe ich beschlossen, zwei Leute einzustellen und eine Werkzeugverwaltung für den Commodore-PC zu entwickeln – noch vor TDM, die ja heute der Marktführer für Werkzeugverwaltung sind.
mav: Welcher Anteil Ihrer Innovationen steckt heute in der Software?
Zoller: Das lässt sich natürlich nicht quantifizieren. Aber eines ist sicher: Ohne Software würde es uns nicht geben. Zu einem Einstell-Messgerät brauchen sie heute überlegene Software. Unsere Stärke ist, dass wir diese seit 1999 komplett selbst entwickeln. Wir haben 22 Mitarbeiter, die sich mit ständigen Weiterentwicklungen beschäftigen. Auch aus Kundenaufträgen ergeben sich Ideen, die in spezielle Anpassungen münden. Diese wiederum fließen standardmäßig in unsere Softwareprodukte ein, so dass auch andere Kunden künftig davon profitieren können.
mav: Zum produktiven Einsatz von Software ist die Bedienbarkeit ein wichtiger Faktor. Ein positives Beispiel haben Sie mit Ihrem Produkt Elephant geliefert …
Zoller: Einfache Bedienbarkeit ist mein Steckenpferd. Deshalb habe ich unseren Softwareentwicklern gesagt: Wenn ich Besucher habe, möchte ich ein Gerät auch selber vorführen können. Also erwarte ich eine Software, die einfach zu bedienen ist. Entstanden ist eine Lösung, die dem Benutzer quasi ein Bilderbuch anbietet: Das ist ein Fräser, das ein Bohrer, und so weiter. Er drückt nur noch den entsprechenden Knopf, und das Werkzeug wird vollautomatisch gemessen. Das kommt sagenhaft gut an, auch im Ausland.
mav: Eine vielversprechende Innovation haben Sie auf der Control mit dem prozessorientierten Messen (pom) vorgestellt. Was steckt dahinter?
Zoller: Das ist eine neue Produktlinie, die wir seit Anfang vergangenen Jahres entwickelt haben. Zielkunden sind beispielsweise Werkzeughersteller, Schärf- oder Schleifbetriebe. Hintergrund ist, dass wir mit der Zoller Genius zwar eine Highend-Messmaschine im Programm haben, die Werkzeuge vollautomatisch mit über 50 Parametern messen kann. So ein Universalgerät kostet dann aber auch 100 000 Euro aufwärts. Und nicht jeder will verständlicherweise so viel ausgeben, wenn er vielleicht nur die Schneidkantenverrundung oder Frei- und Spanwinkel messen will. Mit der pom-Serie kann der Anwender gezielte Parameter bestimmen zu einem vergleichsweise günstigen Preis.
mav: Welche Trends im Werkzeugbereich beobachten Sie aktuell, die sich in Ihrer Produktentwicklung niederschlagen?
Zoller: Bei Neumaschinen beobachten wir einen starken Trend zur HSK-Aufnahme, daneben auch Sandvik Capto und Kennametal, während Werkzeugsysteme mit Steilkegel dort fast gar keine Rolle mehr spielen. Auch die HSK-T-Norm für das Drehen ist im Kommen. Unsere Adapter und Vorsatzhalter sind alle schon HSK-T-konform. Wenn unsere Kunden diese Schnittstelle später einführen wollen, funktioniert das alles auf Anhieb.
mav: Bei Schrumpftechnik-Produkten arbeiten Sie mit Haimer zusammen. Gilt das auch fürs Wuchten?
Zoller: Sowohl die Wucht- als auch die Schrumpftechnik beziehen wir von Haimer. Die Zusammenarbeit haben wir 2001 begonnen. Es gibt auf dem Gebiet kaum einen Besseren als Haimer, namentlich beim Wuchten.
mav: Viele Hersteller fokussieren aktuell auf bestimmte Zielmärkte, zum Beispiel Medizintechnik. Sie auch?
Zoller: Die Medizintechnik hat für uns schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. So haben wir an die wichtigsten Medizingeräte-Hersteller in den USA bestimmt schon 30 oder 40 Einstell-Messgeräte verkauft. Aber für uns ist grundsätzlich derjenige der Partner, der Späne macht. Wir nehmen nicht bestimmte Märkte in den Fokus.
mav: Trifft es Sie hart, wenn ein großer Maschinenhersteller beim Kauf einer Maschine das Einstell-Messgerät quasi als Rabatt mitgibt?
Zoller: Diese Vorgehensweise schadet vor allem dem Standort Deutschland. Denn dadurch wird der Eindruck erweckt, ein solches Gerät brauche man nicht unbedingt, man könne es als Nachlass bekommen. Wobei die Technik und Anforderungen leider in den Hintergrund rücken. Und wohin Preisnachlässe führen, sieht man wiederum an Herstellern, die vom Markt verschwinden. Aber wir haben gute Beziehungen mit fast allen Werkzeugmaschinenherstellern. Häufig ist es so, dass deren Kunde in China oder Indien zur Maschine noch ein Zoller-Einstell- und Messgerät haben will. Dann geht die Anfrage an uns, und das Geschäft läuft. Unser Vorteil ist ja, dass wir unsere Geräte nicht nur weltweit verkaufen, sondern auch weltweit Servicetechniker vor Ort haben.
„Wer in Deutschland die Losgröße 1 nicht wirtschaftlich fertigen kann, wird verschwinden!“
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