Peripherie

Alexander Zoller, Geschäftsführer, E. Zoller GmbH & Co. KG

In dritter Generation leitet Alexander Zoller gemeinsam mit Bruder Christoph die Geschäfte des Familienunternehmens
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Werkzeugdaten aus der Cloud sind ein Topthema der Branche. Zu den Herstellern, die auf der EMO in Hannover entsprechende Produkte präsentierten, zählt auch Zoller. Wie der Einstell- und Messtechnikspezialist seine Tool-Management-Lösungen in die Datenwolke integriert und welche Chancen die Zusammenführung aller fertigungsrelevanten Daten in einer Datenbank eröffnet, erläutert Geschäftsführer Alexander Zoller.

Das Interview führte Dr. Frank-Michael Kieß

mav: Auf der EMO haben Sie sich mit einem beeindruckend großen Stand präsentiert. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Zoller: Die EMO ist sehr gut für uns verlaufen – unser Stand hatte einen enormen Zulauf, die Besucher waren sehr beeindruckt von der Vielfalt der Produkte und vor allem von der Verbindung aller Lösungen durch die eine zentrale Datenbank. Dies konnte jeder auch live am Stand sehen und testen – vom Einlesen der Werkzeugdaten aus der Cloud bis hin zu vollautomatischen Lösungen für Werkzeug-Messtechnik.
mav: Was waren die Highlights?
Zoller: Als erster Anbieter von Tool Management-Software konnten wir den Import von Werkzeugdaten aus der Machining Cloud präsentieren (siehe Kasten). Großes Interesse fanden auch unsere Automationslösungen für die Werkzeugreinigung, -inspektion und -messung sowie unsere automatische Schrumpflösung. Mit unseren Lösungen haben wir den Nerv getroffen, speziell die Verknüpfung der unterschiedlichen Systeme in der Fertigung ist elementar wichtig. Wir haben entsprechend viele Kundenanfragen und auch Ideen bekommen, deren Umsetzung uns die nächste Zeit beschäftigen wird.
mav: Das Thema Werkzeugverwaltung in der Cloud wurde in Hannover stark diskutiert. Werkzeughersteller wie Kennametal sind dort aktiv geworden, und auch Zoller hat eine Lösung gezeigt. Welchen Vorteil bietet die Tool-Cloud für den Anwender?
Zoller: Nahezu alle Werkzeughersteller arbeiten daran, ihre Werkzeugdaten gemäß DIN 4000 oder ISO 13399 bereitzustellen. Damit diese Daten auch für den Fertigungsprozess verwendet werden können, bereitet Zoller die DIN/ISO-Informationen im jeweils für das CAM-System passenden Format auf. Das bedeutet für den Anwender, dass er alle Werkzeugdaten aus der Zoller-Datenbank beziehen und für die Programmierung und Simulation verwenden kann – und diese nicht erst eingeben muss.
mav: Wer wird bei der durchgängigen Verwaltung von Werkzeugdaten letztendlich den Ton angeben? Werkzeughersteller, reine Softwarehäuser oder Hersteller wie Zoller, die Hard- und Software vereinen?
Zoller: Das kann ich natürlich nicht vorhersagen. Wir entwickeln seit jeher nah am Kunden und arbeiten mit den Werkzeugdaten auf der Fertigungsebene. Überall dort, wo Werkzeugdaten benötigt werden, stellen wir diese im passenden Format bereit beziehungsweise arbeiten mit diesen –über den gesamten Fertigungsprozess hinweg.
Werkzeuge müssen bestellt, nachgeschliffen oder ausgetauscht werden; wir wissen, wann ein Werkzeug seinen ,Lebenzyklus‘ beendet und herausfällt. In dieser Transparenz, vor allem Kostentransparenz, wie auch der Rückverfolgung, wann sich wo welches Werkzeug befindet, sehen wir die Zukunft.
mav: Sehen Sie Ihre Tool-Management-Software eher als Ergänzung oder als direkte Konkurrenz zu Produkten à la TDM et cetera?
Zoller: TDM ist eindeutig Wettbewerber im Bereich Tool Management-Software. Wir haben in jedem unserer Produktbereiche Wettbewerber. Was jedoch niemand weltweit außer Zoller anbieten kann, ist die gesamte Produktpalette aus einem Haus, verbunden über eine zentrale Datenbank.
mav: Wird die Bereitstellung von Werkzeugdaten ein kostenloser Service für die Kunden?
Zoller: Das kann ich nicht mit Bestimmtheit vorhersagen – wir zum Beispiel stellen in unseren Tool Management Solutions-Paketen für Werkzeuglieferanten Daten-Einlesefilter bereit. Diese sind in unseren TMS-Paketen enthalten, hierfür entstehen keine zusätzlichen Kosten.
mav: Zoller hat in den vergangenen Monaten viele ‚prozessorientierte‘ Lösungen beziehungsweise Produkte für Sonderanwendungen entwickelt. Für die Schneidkantenmessung bei Werkzeugen etwa, oder für Verzahnungen. Sind das die Anwendungsfelder, die aktuell besonders nachgefragt sind? Gibt es weitere Felder, wo Sie Potenzial sehen?
Zoller: Ja, einige – Zoller bietet ja mittlerweile ein enormes Produktspektrum im Inspektionsbereich. Stichwort Wareneingangskontrolle: Werkzeuge werden teurer, nicht nur deshalb werden Werkzeuge genauer dahingehend geprüft, ob das einzelne Werkzeug hält was es verspricht – dafür zum Beispiel werden unsere Geräte eingesetzt. Ein zweites Stichwort ist sicher die Dokumentation. Die Dokumentation der Messergebnisse sowie eine hundertprozentige Rückführbarkeit und Protokollierung bedeuten für den Werkzeughersteller Sicherheit.
Dann ist 3D ja in aller Munde – über verschiedenste Produktbereiche hinweg, von Druckern über TV bis hin zu Werkzeugvermessung. In Bezug auf Werkzeuge arbeiten wir seit Jahren mit der 3D-Visualisierung von Schneidkanten, um deren Form (Schneidkantenpräparation) flächenhaft zu berechnen. Zwischenzeitlich erfasst Zoller komplett 3D-Modelle von Zerspanungswerkzeugen, um die Werkzeuge über einen Soll-Ist-Vergleich einer Komplettkontrolle zu unterziehen.
mav: Maschinendesign und Bedienbarkeit werden aktuell stark diskutiert. Zoller hat in seinem Bereich eine Vorreiterrolle gespielt. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Bedienung von Werkzeug-Einstell- und Messgeräten weiter zu vereinfachen? Ist der ‚Elephant‘, mit dem sich Standardwerkzeuge auf Knopfdruck vermessen lassen, schon das Ende der Fahnenstange?
Zoller: Die Vereinfachung, die Reduzierung auf das Wesentliche, eine klare Bedienstruktur und durchdachte Ergonomie zeichnen ja alle Zoller-Lösungen aus. Mit unseren Einstell-, Mess- und Prüfgeräten setzen wir damit schon seit Bestehen Maßstäbe – sowohl mit der Software wie auch der Hardware. Es läuft möglichst viel automatisch ab, Schnittstellen zu anderen Systeme sichern Datendurchgängigkeit und vermeiden so Bedienfehler. Der ‚Elephant‘ ist hierfür ein gutes Beispiel, auch der Einhandbedienknopf, den wir 1988 auf den Markt gebracht haben: Eine Revolution zum damaligen Zeitpunkt in der Bedienung von Einstell- und Messgeräten und heute Stand der Technik.
mav: Was macht die Bedienbarkeit Ihrer Software aus?
Zoller: Unser User Interface ist über alle Anwendungsbereiche hinweg sehr leicht zu bedienen, auch für an- oder eingelernte Mitarbeiter. Der Anwender hat im gesamten Fertigungsbereich mit der gleichen Bedienoberfläche zu tun. So findet beispielsweise selbst der CAM-Bediener in der Zoller Software-Oberfläche seine gewohnte CAM-Werkzeugstruktur wieder. Bei unseren Automationslösungen muss der Anwender nur noch einen Startknopf drücken.
Nicht zuletzt wegen der Einfachheit der Bedienung sind unsere Geräte weltweit gefragt, auch in Ländern und Regionen, in denen keine Facharbeiter zur Verfügung stehen. Das bestätigen auch unsere Kunden immer wieder: Egal welches Alter, welche Nationalität oder welche Ausbildung: Jede und jeder kann die Geräte bedienen, und auf das Ergebnis kann man sich verlassen. Dieses Prinzip der Einfachheit und Anwenderfreundlichkeit werden wir auch in allen zukünftigen Produkten umsetzen – in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden.
mav: Der Bedarf nach Softwareentwicklern, die zugleich Ingenieurswissen mitbringen, beschäftigt die Branche im Zusammenhang mit dem Thema Industrie 4.0. Wie ist das Verhältnis von Maschinenbau-Entwicklern zu Softwareentwicklern bei Zoller, und wo bekommen Sie Letztere überhaupt her?
Zoller: Vor der Herausforderung Fachkräfte zu finden, stehen alle in unserer Branche. Was uns interessant macht, ist in einem Familienunternehmen mit kurzen Kommunikations- und Entscheidungswegen technologisch an vorderster Front arbeiten zu können und dabei sehr eigenverantwortlich Aufgaben wahrzunehmen. Gerade weil wir kein reines Softwarehaus sind, sind wir attraktiv. Aktuell suchen wir Verstärkung für die Softwareentwicklung, als Partner der DHBW bilden wir unseren Nachwuchs auch selbst aus.
mav: Wird Zoller seine Einstell- und Messgeräte weiter komplett in Pleidelsheim fertigen? Oder geht man mit der Fertigung auch dahin, wo die internationalen Kunden sind?
Zoller: Ja, ‚we are global to be local‘. Wir sind mit dem Standort Baden-Württemberg seit der Unternehmensgründung fest verbunden. Auch wenn wir mit Vertrieb und Service in 48 Ländern vor Ort präsent sind und vor allem die Märkte in den USA und Asien natürlich sehr wichtig sind – der Hauptsitz und die Fertigung bleiben wo sie sind.
„Zoller begleitet die Werkzeuge über ihren Lebenszyklus“

Cloud-basierte Datenbank für alle fertigungsrelevanten Informationen

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Der Einstell- und Messtechnikspezialist Zoller hat eine Kooperation mit der Machining Cloud GmbH gestartet. Die Schweizer bieten mit ihrer gleichnamigen Lösung eine Plattform für alle fertigungsrelevanten Daten an. Werkzeugdaten, Vorrichtungen oder Informationen zu Maschinen und speziellen Fertigungsmethoden für beliebige Bearbeitungsprozesse werden in einer zentralen, Cloud-basierten Datenbank vorgehalten. Durch die Schnittstelle zur Zoller-Datenbank stehen alle Informationen in den TMS Tool Management Solutions der Pleidelsheimer zur Verfügung. Werkzeugdaten, die für die Programmierung benötigt werden, kann der Anwender direkt in sein System herunterladen. „So können mit diesen Daten zum Beispiel direkt 3D-Modelle erzeugt und CAM-Systeme mit den kompletten Werkzeugdaten in 2D und 3D sowie Sachmerkmalen versorgt werden“, erklärt Michael Taesch, Produktmanager für die Machining Cloud. Die Machining Cloud verbindet Fertigungsbetriebe mit einer großen Vielfalt produktionsrelevanter Informationen auf einer einzigen, einfach zu bedienenden Plattform. Darüber haben Anwender über die reinen Daten hinaus Zugang zu zahlreichen Analyse-Tools, um spezifische, spanabhebende Prozesse zu verwalten und zu optimieren. Wie bei allen Cloud-basierten Anwendungen verwendet Machining Cloud ein Netzwerk von Remote-Servern im Internet zur Speicherung, Verwaltung und Verarbeitung von Daten. So stehen dem Anwender die Informationen immer dort zur Verfügung, wo er sie benötigt.
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