Großmaschinenbauer beantragt Eigenverwaltung – Betrieb läuft weiter

Schiess stellt sich neu auf

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Die Schiess GmbH fertigt Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen zur Bearbeitung von Großteilen. Das Bild zeigt die XXL-Maschine Vertimaster VMG 6. Bild: Schiess
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Der Werkzeugmaschinenbauer Schiess GmbH mit Sitz in Aschersleben in Sachsen-Anhalt nutzt ein Eigenverwaltungsverfahren, um sich neu aufzustellen. Die Geschäftsführung hat beim Amtsgericht Magdeburg einen entsprechenden Antrag gestellt, dem das Gericht bereits gefolgt ist. Der Geschäftsbetrieb wird in vollem Umfang fortgeführt.

„Das Eigenverwaltungsverfahren hat keine Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb“, sagt Dr. Robert Tobias von der Beratungsgesellschaft „Restrukturierungspartner“, der als Generalbevollmächtigter den Geschäftsführer Dongyan Mei unterstützt. „Wir produzieren in vollem Umfang weiter und erfüllen alle unsere Aufträge weiter pünktlich und in gewohnter Qualität.“ Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis Ende März gesichert. „Das verschafft uns wertvollen finanziellen Spielraum, um in den nächsten zwei Monaten die Restrukturierung voranzutreiben“, so Tobias.

Das Eigenverwaltungsverfahren bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen. Anders als im regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert. Das Insolvenzrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Anstelle eines Insolvenzverwalters setzt das zuständige Amtsgericht einen sog. Sachwalter ein, der die Interessen der Gläubiger vertritt und das Verfahren überwacht. Dessen Rolle ist vergleichbar mit der eines Aufsichtsrats. Als vorläufiger Sachwalter wurde Prof. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther und Wissing bestellt.

In den kommenden Wochen wird die Geschäftsführung in enger Abstimmung mit den Gläubigern ein Restrukturierungskonzept ausarbeiten. Denkbar sind sowohl ein sogenannter Insolvenzplan, d. h. eine Art Vergleich mit den Gläubigern und die weitere Einbindung der bisherigen Finanzierer, als auch eine Investorenlösung. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. „Die Schiess GmbH verfügt über erstklassige und innovative Produkte, eine moderne Fertigung mit hochqualifizierten Mitarbeitern und einen hochkarätigen weltweiten Kundenstamm“, betonen Flöther und Tobias. „Das sind gute Voraussetzungen, um die Restrukturierung erfolgreich abzuschließen.“

Das Unternehmen hatte vor mehreren Monaten eine Neuausrichtung begonnen, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Dies beinhaltet vor allem eine Anpassung des Produktportfolios. Der Schwerpunkt soll künftig auf innovativen Maschinen und dem Retrofit-Geschäft liegen, mit denen eine konstante Auslastung erzielt werden kann. Die weniger rentablen und kapitalintensiven Großprojekte sollen dagegen zurückgefahren werden.

Die Schiess GmbH fertigt Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen zur Bearbeitung von Großteilen wie z. B. Windkrafträder, Turbinen oder Schiffsaggregate. Zu den Kunden gehören Industrieunternehmen weltweit, insbesondere aus Schwerindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Maschinenbau. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 226 Mitarbeiter. Seit 2004 gehört Schiess zur chinesischen SYMG-Unternehmensgruppe, die die Restrukturierung unterstützt.

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