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Markus Horn (ECTA Präsident): Auswirkungen der Coronakrise in Europa

Markus Horn, ECTA Präsident
„Die Corona Pandemie traf 2020 alle“

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Markus Horn, ECTA Präsident und Geschäftsführer der Paul Horn GmbH. Bild: Horn
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Die mav sprach mit Markus Horn dem Präsident der European Cutting Tools Association (ECTA) über die Auswirkungen der Coronakrise in Europa und über die aktuellen Chancen und Möglichkeiten im europäischen Binnenmarkt.

mav: Wie stark ist das europäische Ausland von der Coronakrise betroffen?

Horn: Für die Zerspanwerkzeughersteller in Europa ist das Kundenspektrum und die wirtschaftliche Situation insgesamt nicht grundlegend anders als für die deutschen Anbieter. Die Corona Pandemie traf 2020 alle. Insgesamt verzeichneten die EU-27 Länder einen Rückgang ihrer Lieferungen um 20 Prozent. Die Exportgrafik der EU-27 Staaten von Januar bis Oktober 2020 zeigt eine ähnlich negative Entwicklung auf, wie die deutsche. Auch die europäischen Unternehmen konnten ausschließlich im Chinageschäft relativ stabile Umsätze verzeichnen.

Welche Bedeutung hat der europäische Binnenmarkt für die deutschen Werkzeughersteller?

Horn: Europa ist für die Hersteller von Präzisionswerkzeugen ein sehr wichtiger Markt. Immerhin 60 Prozent der Zerspanwerkzeug-Exporte der 27 EU-Mitgliedsländer verlassen Europa nicht. Weitere 13 Prozent der gesamten Lieferungen gehen in die anderen europäischen Länder. Somit ist unser Heimatkontinent der Absatzmarkt für fast Dreiviertel unserer europäischen Werkzeuge.

Wie hat sich der Brexit auf die Exportzahlen ausgewirkt?

Horn: Die Werkzeugexporte der EU in das Vereinigte Königreich gingen nach dem Brexit stark zurück. Hier lag der Rückgang bei 28 Prozent. Die entgegengesetzten Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich sanken ebenfalls stärker, nämlich um 29 Prozent. Wie von uns erwartet und befürchtet entpuppt sich der Brexit zusehends als eine Lose-Lose-Situation. Ich bin froh, dass unsere britischen Werkzeugkollegen immerhin weiterhin Teil der ECTA sind. Aber dies ersetzt leider nicht den gemeinsamen Binnenmarkt. Hinter dem jetzt eilig gefundenen Handelsabkommen stehen trotz Zollfreiheit neue bürokratische Aufwände. Beispielsweise können britische Produkte seit dem 1. Januar nur noch mit einer Flut von Zollpapieren ausgeführt werden.

Italien war in der ersten Welle mit am stärksten von der Coronapandemie betroffen. Hat sich der italienische Markt davon schon wieder erholt?

Horn: Unsere Kollegen aus Italien vermeldeten insbesondere aufgrund der verordneten Unternehmensschließungen auch sehr starke Auftragsrückgänge – in den ersten neun Monaten 2020 von rund einem Viertel. Aber zum Jahresende zog in Italien die Produktion der Automobilindustrie wieder stark an und lässt hoffen.

Frankreich und Spanien sind die beiden anderen wesentlichen Märkte in Südeuropa. Wie sieht die Situation dort aus?

Horn: Die Kollegen aus Frankreich verzeichneten eine ebenfalls leider sehr negative Entwicklung. Hier waren die Auswirkungen der Pandemie besonders drastisch und es zeichnen sich im französischen Markt für die Zerspanwerkzeuge Rückgänge um 35 Prozent und für die Spannzeuge sogar von 50 Prozent ab.

In Spanien war der Rückgang ebenfalls besonders heftig. Der spanische Markt ist stark von der Automobilindustrie abhängig und die Produktion war auch dort eingeschränkt. Hier hat inzwischen die Erholung eingesetzt, wenn auch noch etwas verhalten. Aber die Produktionsprognosen für 2021 sind positiv und die geplanten Investitionsprogramme der Regierung dürften diese noch ankurbeln.

Welche Prognose können Sie für den europäischen Markt abgeben?

Horn: Ich bin einigermaßen zuversichtlich, dass es im Laufe dieses Jahres gelingt, die Pandemie rund um den Globus so weit einzudämmen, dass sich auch der Großteil unserer Märkte wieder stabilisiert und auf den Wachstumskurs zurückkehrt. Dazu sind auch internationale Reisen wieder notwendig. Wenn die Entwicklung der Pandemie es dieses Jahr zulässt, wollen wir als Verband im Juni in Bordeaux ein Treffen veranstalten. Dort wollen wir uns im Kreise der ECTA-Mitglieder auch mit der detaillierten Analyse des vergangenen Jahres und den Prognosen für dieses Jahr eingehend befassen.

ECTA – European Cutting Tools Association
c/o VDMA Precision Tools
Lyoner Strasse 18
60528 Frankfurt/Main
Tel.: +49 69 6603 1467
www.ecta-tools.org

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