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Highlights der AMB 2022: Die Prozesskette im Blick

Highlights der AMB 2022
Die Prozesskette im Blick

Vom 13. bis 17. September 2022 war die AMB in Stuttgart wieder „der“ Marktplatz der metallverarbeitenden Industrie. Der Blick auf die Aussteller und ihre Top-Themen zeigt, dass mechanische und elektrische Lösungen immer häufiger durch intelligente, digitale Konzepte ergänzt werden. Um Effizienz, höhere Verfügbarkeit und gesteigerte Produktivität zu erreichen, richten viele Unternehmen den Blick zudem immer stärker auf die gesamte Prozesskette.

Autor: Holger Röhr

So präsentierte der Spann- und Greifmittelspezialist Röhm auf der AMB in Stuttgart seine Weltneuheit iJaw, eine Spannbacke, die mit Sensorik und kabelloser Datenübertragung ausgestattet ist. Auf diese Weise lässt sich die Spannkraft während der spanenden Bearbeitung in Echtzeit messen. Die Datenübertragung an ein Gateway erfolgt über den Industriestandard IO-Link Wireless.

Röhm mit AMB-Premiere
für die smarte Spannbacke

Werkzeugmaschinenhersteller können die neue Spannbacke ab sofort über die sogenannte HMI-Anbindung komplett in die Steuerung der Erstausstattung (OEM) ihrer Werkzeugmaschinen integrieren. Über die „On-Premises“-Variante können bestehende Werkzeugmaschinen auch zu einem späteren Zeitpunkt problemlos ein Upgrade ins smarte Spannbackenzeitalter erhalten.

„Mit der iJaw revolutionieren wir den Fertigungsprozess in der Metallbearbeitung nachhaltig. Denn die Echtzeitmessung der Spannkraft während des Bearbeitungsprozesses bringt dem Anwender eine ganze Reihe von Vorteilen. Das fängt bei einer höheren Maschinenverfügbarkeit an, weil sich die Rüstzeiten reduzieren und die Bearbeitungsprozesse beschleunigen lassen. Dadurch sinken auf der einen Seite die Teilekosten, während auf der anderen Seite die Teilequalität steigt. Das ist Prozessoptimierung pur und ein echter Meilenstein in der Digitalisierung der Fertigung. Insgesamt läuft die sensorgesteuerte Werkstückbearbeitung natürlich viel sicherer ab als eine, bei der manuell nach Gefühl aufgespannt wurde“, sagt Gerhard Glanz, CEO der Röhm GmbH.

Sicherheit auch bei dünnen Werkstücken dank Echtzeitmessung

Vorbei sind also die Zeiten, in denen die Spannkraft teils höher als nötig eingestellt wurde, um „auf Nummer sicher“ zu gehen. „Gerade bei dünnwandigen Bauteilen oder empfindlichen Oberflächen ist das bekanntlich kontraproduktiv, denn hier führt eine zu hohe Spannkraft schnell zum Verformen oder gar zum Verdrücken des Werkstücks. Mit der exakten, sensorgesteuerten Bearbeitung kann man den Ausschuss deutlich reduzieren“, so Glanz.

So funktioniert die iJaw: Die über einen Spanneinsatz eingeleiteten Kräfte werden von einem integrierten Sensor erfasst und die Daten entsprechend verarbeitet. Die iJaw misst dabei nicht nur die tatsächlich anliegenden Kräfte der Innen- und Außenspannung, sondern auch die eigene Temperatur. Auch der Ladestatus des Akkus wird stets angezeigt. Sofern Daten der Druckanzeige verfügbar sind, können über die iJaw auch der Zustand und der Wirkungsgrad des Kraftspannfutters überwacht werden. Die iJaw misst in Echtzeit während der Bearbeitung. Dazu ist sie entsprechend robust aus gehärtetem Stahl und wasserdicht (IP 68) ausgeführt. Zum Schutz gegen glühende Späne hat die Sendeantenne eine Abdeckung aus Hochtemperaturkunststoff.

Emco setzt auf weitere
Vernetzung des Produktionsumfeldes

Dass die Digitalisierung nicht an der Spannbacke haltmacht, zeigte der österreichische Werkzeugmaschinenhersteller Emco. Mit Emconnect stellte das Unternehmen eine Lösung für die Konnektivität und Vernetzung des Produktionsumfelds vor. Emconnect ist ein digitaler Prozess-Assistent für die umfassende Integration von kunden- und systemspezifischen Applikationen rund um die Maschinensteuerung und den Produktionsablauf. Der Anwender und seine Anforderungen stehen im Mittelpunkt der Bedienabläufe. Die Arbeitsabläufe können so noch effizienter gestaltet werden.

Mit dem System hat der Anwender unmittelbar und zentral an der Maschine Zugriff auf alle wichtigen Informationen, Anwendungen und Systeme. Damit liegen alle für die Fertigung erforderlichen Dokumente wie Zeichnungen, Rüstanleitungen usw. direkt am Bedienpult vor.

Neben Anwendungen und Informationen im Intranet ist bei Bedarf auch der sichere Zugriff auf dedizierte Seiten im Internet möglich, um so zum Beispiel direkt Werkzeugkataloge und -daten der Hersteller abzurufen. Mit unterstützenden Apps wie Schnittdatenrechner, Notizbuchfunktion, u. v. m. stehen dem Bediener weitere vielfältige Assistenzfunktionen zur Verfügung. Besonders umfangreiche Möglichkeiten eröffnet die Fernverbindung mit Arbeitsplatzrechnern, um an der Maschine beispielsweise auf den digitalen Zwilling oder auch auf E-Mails zugreifen zu können. Mit dem modularen System von Emco lassen sich auch projekt- und kundenspezifische Applikationen besonders flexibel umsetzen.

Anca mit echtem Highlight, wenn es um
allerhöchste Genauigkeit geht

Im Maschinenbau ist gern die Rede vom My, dem Tausendstel Millimeter als Maßstab in der Präzisionsfertigung, der in etwa 50 mal dünner als ein menschliches Haar ist. Nimmt man davon wiederum ein Tausendstel, ist man beim Nanometer. In diese Dimension stößt Anca mit der neuen MX7 Ultra vor, deren Steuerung nun eine Achsauflösung von einem Nanometer bietet. Im Zusammenspiel mit weiteren Neuerungen in Software und Konstruktion sowie integrierten Qualitätssicherungsfunktionen erzielt das neue Modell signifikante Optimierungen bei Oberflächengüte, Formtoleranzen und Rundlaufgenauigkeit. Das MX Ultra-Paket umfasst verschiedene aufeinander abgestimmte Komponenten und Prozessverbesserungen. Das Zusammenwirken der Maßnahmen soll die erreichbare höhere Präzision und Qualität ab dem ersten Teil in der Serienproduktion auch für komplexere Geometrien dauerhaft gewährleisten. 

Dazu Thomson Mathew, Anca-Produktmanager: „Wir wollten eine Technologie entwickeln, mit der sich hochwertige Zerspanungswerkzeuge herstellen lassen, die sowohl in Bezug auf die Genauigkeit als auch hinsichtlich der Standzeit über dem derzeitigen Marktstandard liegen.“

Kunzmann Weiler führt die
Metallausbildung ins digitale Zeitalter

Mit der Lernplattform Education 4.0 wollen Weiler und Kunzmann die Metallausbildung ins digitale Zeitalter führen. Der Gamification-Ansatz mit Inhalten und Mechanismen von Onlinespielen und Animationssoftware ermöglicht einen spielerischen Zugang zu den interaktiven Fachinhalten in der Zerspanung. So wollen die Maschinenbauer internetaffine Jugendliche für die Metallausbildung interessieren und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Außerdem können Auszubildende Lerninhalte selbstbestimmt, jederzeit und an jedem Ort lernen.

Lernmedium zum Ausprobieren
und Mitmachen

Auf der AMB präsentierten die beiden Partnerunternehmen die neue Education 4.0 als Lernmedium zum Ausprobieren und Mitmachen. Den Besuchern stand die digitale Lernplattform mit digitalem Maschinenzwilling, vielen Inhalten und Tutorials ebenso zur Verfügung wie speziell für die Plattform konfigurierte Dreh- und Fräsmaschinen.

Röhm GmbH
www.roehm.biz

EMCO
www.emco-world.com

Anca
machines.anca.com

Weiler Werkzeugmaschinen GmbH
www.weiler.de


Jürgen Hauger, Geschäftsführer Vollmer: „Ich bin überzeugt: Digitalisierung und Komplettlösungen prägen die Zukunft.“ Bild: Vollmer

Jürgen Hauger, Geschäftsführer Vollmer: „Digitalisierung und Komplettlösungen!“

Wie sehen Ihre Prognosen mit Blick auf die AMB 2022 und die Zukunft der Metallindustrie aus?

Hauger: Wir sind froh, dass wir auf der AMB wieder den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden aus der Metallindustrie pflegen können. Die Zukunft der Branche sehe ich zwiespältig: Einerseits kennen wir noch nicht die Folgen dieses schrecklichen Ukraine-Kriegs, andererseits erleben wir durch diesen Konflikt eine ungeahnte Dynamik bei der Energiewende. Auch wie sich der Umbruch im Automobilbau und wie sich das Ende des Verbrennungsmotors auf die Metallindustrie auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Eine zentrale Frage wird sein, woher die Energie für Mobilität, Heizen oder energieintensive Industrien kommen wird. Keine Frage: Wärmepumpen oder Elektroautos benötigen Strom, der sich mit Wind und Sonne erzeugen lässt. Ich denke jedoch, dass wir in Zukunft auf einen Mix aus verschiedenen Technologien setzen sollten, um die Energiewende zu meistern. Hier sehe ich große Potenziale für Energieträger wie Wasserstoff oder auch synthetische Kraftstoffe. Die Zukunft der Metallindustrie wird davon abhängen, wie schnell und flexibel sie sich auf diese Entwicklungen einstellen kann.

Wie hat sich die Pandemie auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?

Hauger: Bei Vollmer hat die Pandemie der Digitalisierung einen gewaltigen Schub verliehen, da wir Servicetechniker nicht nach China, Australien oder in andere Länder schicken konnten.

Wie bei vielen Unternehmen fand deshalb die interne und externe Kommunikation vor allem virtuell statt. Glücklicherweise hatten wir bereits Anfang 2019 unsere Initiative V@dison ins Leben gerufen und entsprechende Instrumente parat. Die V@dison-Plattform ist die zentrale Schnittstelle zwischen unseren ERP-Systemen und Maschinen, die die wichtigsten Protokollsprachen wie UMATI, MT Connect oder OPC UA unterstützt.

Abgesehen von der Digitalisierung – worauf kommt es bei Vollmer in Zukunft an, um Kunden optimal zu unterstützen?

Hauger: Ein zentraler Bereich, auf den wir uns konzentrieren, ist das Thema „Komplettlösungen“. Wenn ein Kunde ein bestimmtes Werkzeug herstellen möchte, müssen wir in der Lage sein, einen ganzheitlichen Prozess anzubieten. Dieses umfangreiche Angebot an Dienstleistungen kann dazu beitragen, dass der Kunde den Prozess nicht mehr selbst in die Hand nehmen muss, sondern wir diesen für ihn verantworten. Dies ist für viele Kunden ein entscheidender Aspekt, um beispielsweise auf den Fachkräftemangel zu reagieren. Ich bin überzeugt: Digitalisierung und Komplettlösungen prägen die Zukunft.

Welche Ziele hat sich Vollmer für das kommende Jahrzehnt vorgenommen, um diese Zukunft erfolgreich zu gestalten?

Hauger: Außer den genannten Punkten wie Digitalisierung und Komplettlösungen wollen wir eine neue Hauptzentrale bauen. Auch wenn das Projekt wegen der Pandemie aktuell auf Eis liegt, werden wir die Pläne weiterverfolgen. Zudem bauen wir unsere Internationalisierung weiter aus. Wir werden bald unsere 15. Niederlassung weltweit eröffnen, die sich in Bangkok in Thailand befindet und mit der wir den südostasiatischen Markt stärken. Und wir gehen neue Wege: Im Juli 2022 hat die Vollmer Gruppe die ultraTEC innovation GmbH übernommen. Das Start-up kommt nicht aus dem Schärfumfeld, sondern entwickelt und fertigt Ultraschall-Entgratanlagen. Mit ultraTEC wagen wir den Schritt in eine neue Technologie, die gerade in der Metallverarbeitung von zentraler Bedeutung ist.



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