Fertigung

Wissmann: „Zulieferer erbringen 75 % der Wertschöpfung eines Automobils!“

Moderne Pkw bestehen aus über 4000 Einzelteilen, die überwiegend bei spezialisierten Zulieferbetrieben gefertigt werden Bild: Audi
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„Die Bedeutung mittelständischer Unternehmen für Deutschland kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) am 3. Mai 2012, auf dem 12. VDA-Mittelstandstag. „Der Mittelstand umfasst rund 80 Prozent der Arbeitsplätze im Inland und bildet damit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Zulieferer erbringen 75 % der Wertschöpfung eines Automobils. Viele sind auf ihrem Technologiefeld Welt-marktführer und tragen erheblich zur Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie bei. 2011 war auch für die Automobilzulieferer wirtschaftlich sehr erfolgreich: Ihr Gesamtumsatz überstieg mit 69 Mrd. Euro sogar das Vorkrisenniveau von 2007.“

Die gesamte deutsche Automobilindustrie erzielte 2011 einen Umsatz von 351 Mrd. Euro, davon entfielen 63 Prozent auf das Ausland. Bei den Zulieferern hingegen ist weiterhin noch der Inlandsumsatz dominant. Wissmann betonte: „Auch bei den Zulieferern wird das Geschäft immer internationaler, der Auslandsumsatz wird in den kommenden Jahren mehr und mehr Gewicht erhalten. Die mittelständischen Unternehmen haben in den letzten Jahren bereits große Globalisierungsanstrengungen unternommen. Die BRIC-Staaten stehen dabei weiterhin im Vordergrund“, sagte Wissmann.

„Von diesen internationalen Aktivitäten der Mittelständler profitieren auch die deutschen Standorte unserer Unternehmen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des VDA zeigt, dass Investitionen, Umsatz, Produktion und Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weiter steigen werden. Das hat positive Effekte auch für die Beschäftigung“, betonte der VDA-Präsident.
Die deutsche Automobilindustrie repräsentiere stärker denn je den Erfolg der Industrie- und Exportnation Deutschland, so Wissmann. Dies sei vor allem auf die globale Präsenz deutscher Hersteller und Zulieferer zurückzuführen. „Die internationale Wertschätzung unserer Automobile zeigt sich besonders in den Exportzahlen. Im vergangenen Jahr wurden 5,9 Mio. Pkw in Deutschland produziert. Davon gingen 4,5 Mio. Einheiten – ein Rekordanteil von 77 Prozent – in den Export. Auch die starke Auslandsproduktion stützt das internationale Geschäft: Deutsche Automobilhersteller fertigen mit 7,1 Mio. Pkw inzwischen mehr Neuwagen an ihren internationalen Standorten als im Inland. Das kommt auch den heimischen Standorten zugute: Nach wie vor gilt die Regel, dass drei neue Jobs im Ausland einen Arbeitsplatz im Inland sichern oder schaffen. Von weltweit 65 Mio. verkauften Pkw trugen im vergangenen Jahr 20 Prozent ein deutsches Konzern-markenzeichen“, unterstrich Wissmann.
Hohe Wachstumsraten lassen sich nicht einfach fortschreiben
Für 2012 werde jedoch deutlich mehr Gegenwind erwartet. Die hohen Wachstumsraten aus 2011 ließen sich aufgrund des schwierigeren westeuropäischen Marktes nicht einfach fortschreiben. Bedingt durch die Staatsschuldenkrise in einigen EU-Ländern könnte der Pkw-Markt in Westeuropa aller Voraussicht nach um bis zu 5 Prozent auf 12,1 Mio. Einheiten zurückgehen. „Andererseits legt der US-Markt deutlich zu, auch Russland, China, Indien, der Mercosur und Japan werden 2012 wachsen. Insgesamt erwarten wir, dass der Welt-Pkw-Markt in diesem Jahr um 4 Prozent steigen wird. Das sind – trotz der Schwierigkeiten in Westeuropa – insgesamt gute Perspektiven für die deutsche Automobilindustrie“, unterstrich Wissmann.
Unternehmen sind gegenüber vielen Wettbewerbern global breiter aufgestellt
„Unsere Unternehmen sind gegenüber vielen Wettbewerbern global breiter aufgestellt und gewinnen Marktanteile. Potenzielle Nachfragerückgänge in einzelnen Regionen können so durch andere Wachstumsmärkte aufgefangen werden. Zudem schützt der hohe Anteil an Premiumfahrzeugen die deutschen Hersteller gegen mögliche Schwankungen im Volumenmarkt. Weltweit beträgt der Marktanteil deutscher Premiumfahrzeuge 80 Prozent. Bei Fahrzeugen der Oberklasse und der oberen Mittelklasse haben wir allein im Inland einen Marktanteil von rund 95 Prozent. Von den 730 000 Arbeitsplätzen – 25 000 kamen in den vergangenen zwölf Monaten hinzu – der deutschen Automobilindustrie hier im Inland hängen mehr als die Hälfte von Premiumfahrzeugen ab; allein bei unseren Automobilherstellern sind das über 200 000 Beschäftigte“, betonte Wissmann.
Der positive Blick in die Zukunft sei – neben der globalen Präsenz – besonders der hohen Qualität und Zuverlässigkeit, dem herausragenden Design und dem exzellenten Sicherheitsniveau deutscher Fahrzeuge zu verdanken. Die deutsche Automobilindustrie sei weltweit Vorreiter bei sauberen und effizienten Antrieben. Es seien die technischen Innovationen, die die Spitzenposition der deutschen Automobilindustrie auf dem Weltmarkt begründeten, unterstrich der VDA-Präsident. „In ihrer Innovationskraft stehen die mittelständischen Zulieferer den Global Playern nicht nach. Mit Entwicklungen wie Spurhalte- oder Notbremsassistent tragen sie erheblich zur Leistung der deutschen Automobilindustrie bei, auch bei der Optimierung konventioneller und der Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien sind ihre Kompetenzen unverzichtbar.“
Diese Innovationskraft sei nötig, um die Anforderungen der Zukunft zu meistern und die internationale Führungsposition zu halten und weiter auszubauen. Faktoren wie Klimawandel, begrenzte Ölreserven, Urbanisierung und wachsendes Verkehrs-aufkommen forderten effektive Lösungsansätze. Im ersten Schritt setze die Automobilbranche auf eine weitere Optimierung des Verbrennungsmotors durch Direkteinspritzung, Hochaufladung und kleineren Hubraum. Bis zu 25 Prozent Kraftstoffeinsparung sei so bis zum Ende dieses Jahrzehnts möglich. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Ergänzung herkömmlicher Kraftstoffarten durch Biokraftstoffe. Die deutsche Automobilindustrie investiere in den kommenden drei bis vier Jahren 10 bis 12 Mrd. Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe. Das umfasse auch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs – vom Range-Extender über Plug-in-Hybride und rein batteriebetriebene Fahrzeuge bis hin zu Brennstoffzellen-Autos.
Wissmann wies allerdings auch auf neue Herausforderungen gerade im Energiebereich hin. Deutschland arbeite bereits am Umbau seiner Energieversorgung. Die Abschaltung von acht Kernkraft-Meilern im vergangenen Jahr werde die Energienetze allerdings stark beanspruchen: „Zum Umbau der Energieversorgung gehört daher nicht nur, mehr ‚grünen Strom‘ einzuspeisen, sondern die Stromnetze auszubauen und neue Speichermöglichkeiten zu schaffen. Das muss nicht nur schnell erfolgen, sondern auch gut geplant sein“, so Wissmann. Kosten und Kriterien der Neugestaltung der Energieversorgung müssten schon heute festgelegt werden, nur so sei ein Monitoring überhaupt möglich.
Verteuerung der Stromkosten wäre für mittelständische Unternehmen eine Bürde
Es müsse alles getan werden, dass die Energiewende gelinge, sagte Wissmann: „Insbesondere müssen die Stromkosten für die Unternehmen in einem vernünftigen Rahmen gehalten werden. Eine starke Verteuerung der Stromkosten wäre vor allem für mittelständische Unternehmen eine schwere Bürde.“ Politische Unterstützung erhoffe sich die Automobilindustrie auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Handelspolitik. Besorgniserregend seien hier vor allem die Handelsbeschränkungen von Schwellenländern, deren Maßnahmen die Geschäfte weltweit belasten.
Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des VDA-Mittelstandskreises und Mitglied des VDA-Vorstands, wies auf dem Mittelstandstag insbesondere auf den Fachkräftemangel hin, der die Industrie bereits heute beschäftigt. „Die Qualifikation unserer Mitarbeiter ist unsere wichtigste Ressource im internationalen Wettbewerb.“ Das Kümmern um Fachkräfte und den Nachwuchs in den Unternehmen sei Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensführung.
Gelingt der deutschen Automobilindustrie der Wandel?
Renate Künast MdB, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, war der Einladung des VDA-Präsidenten gefolgt und sprach vor den rund 300 Gästen über „Grüne Politik für den Mittelstand“. „Der deutschen Automobilindustrie gelingt offensichtlich der Wandel. Sie denkt nicht nur über das Auto von morgen nach, sondern über neue Mobilitätskonzepte“, sagte Renate Künast und verwies auf die Carsharing-Modelle deutscher Hersteller wie „DriveNow“ (BMW), „car2go“ (smart) oder „quicar“ (VW), die Antworten auf ein sich veränderndes Nutzerverhalten geben. „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben, das ist unser Ziel“, unterstrich die Fraktionschefin. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien damit große Chancen verknüpft. Künast sprach sich für eine steuerliche Forschungsförderung der KMU aus: „Da sind die Tüftler, auf deren Kreativität wir angewiesen sind und die wir deshalb unterstützen sollten.“ Quelle: VDA
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