Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Gruppe

„Wir haben viel Werkzeugbau-Knowhow aufgebaut“

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Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Gruppe. Bild: Mapal
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Der Werkzeughersteller Mapal hat sich mit den Akquisitionen der Firmen Voha-Tosec und Radtke neues Werkzeug- und Formenbau-Knowhow in die Gruppe geholt. Zur Moulding Expo 2019 präsentieren die Aalener erstmals ihr breites Angebot. mav sprach mit Dr. Jochen Kress, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Mapal Gruppe, darüber, warum seine Lösungen die anspruchsvolle Branche überzeugen können. Das Interview führte: Frederick Rindle

mav: Mapal wird erstmals auf der Moulding Expo 2019 Werkzeuglösungen für den Werkzeug- und Formenbau vorstellen. Was kann Mapal für diese spezielle Branche Neues bieten?

Kress: Es gibt für uns zwei wesentliche Punkte, warum unsere Lösungen gerade für den Werkzeug- und Formenbau interessant sind: Zum einen haben wir mittlerweile ein sehr breites Sortiment, mit dem wir eine Vielzahl an Bearbeitungen abdecken können – und zwar auch im Standardsortiment. Zum anderen ist es eine Stärke von Mapal, mit dem Kunden gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Typisch für uns ist, dass wir zwar für die Werkzeuge bezahlt werden, aber Lösungen liefern. Zudem können unsere Werkzeuge natürlich auch mit ihrer Qualität überzeugen.

Mit welchen Highlights wollen Sie die Messebesucher überzeugen?

Kress: Wir arbeiten schon eine ganze Weile an dem Thema und können einige Highlights zeigen. Wie zum Bespiel unsere bewährten zylindrischen Vollhartmetall-Fräser der Opti-Mill-Baureihe, in deren Entwicklung wir viel investiert haben.

Auch im Bereich Spanntechnik haben wir sehr interessante Lösungen. Das schlanke additiv gefertigte Hydrodehnspannfutter mit seiner 3°-Außenkontur zum Beispiel bietet gerade für die Werkzeug- und Formenbauer große Vorteile. Neben der geringen Störkontur ist das Futter bauartbedingt sehr temperaturresistent und langlebig. Damit können Werkzeuge ab einem Durchmesser von drei Millimeter direkt gespannt werden. Ein weiteres Beispiel ist unser neues Flächenspannfutter für Standard-HB-Schäfte Mill-Chuck. Es bietet für das Hochleistungsfräsen mit VHM-Fräsern eine optimierte Spannlösung. Die Aufnahme kann vor allem mit ihren hohen axialen Haltekräften, für die Bearbeitung mit leistungsstarken Fräsern punkten. Zudem ermöglicht das Flächenspannfutter einen verbesserten Rundlauf. Das wirkt sich positiv auf die Standzeit und Bauteilqualität aus.

Wird Mapal auch Neuentwicklungen auf der Moulding Expo zeigen?

Kress: Wir haben in den letzten Jahren vermehrt an den Themen Beschichtung, Substrat, Kantenpräparation und Beschichtungsnachbearbeitung gearbeitet. Als Ergebnis dieser Arbeit präsentieren wir zur Messe völlig neue Formfräser. Insbesondere bei den Varianten aus Vollhartmetall für die Stahl- und Gussbearbeitung haben wir bei der Werkstofftechnik starke Verbesserungen erzielt.

Für die Kunden zählt neben den Produkten auch das Verständnis für die eigene Branche. Woher hat Mapal das notwendige Branchen-Knowhow?

Kress: Mit dem Zukauf der Firmen Voha-Tosec und Radtke haben wir uns ein enormes Branchenverständnis in die Gruppe geholt. Beide Unternehmen sind seit Jahren auf diesem Gebiet tätig. Voha-Tosec werden wir deshalb auch im Laufe der Zeit zu einem Kompetenzzentrum für den Werkzeug- und Formenbau ausbauen.

Was zeichnet die Firma Voha-Tosec aus?

Kress: Die Experten in Lindlar haben viel Erfahrung bei der Entwicklung und Produktion von Präzisionsfräsern mit kleinen Durchmessern. Deren kleinstes Werkzeug hat einen Durchmesser von gerade einmal 0,05 mm. Um damit Stahl bearbeiten zu können, müssen die Mikrofräser 80 000 bis 100 000 Umdrehungen pro Minute aushalten. Das zeigt sehr beeindruckend, welche Erfahrung die Mitarbeiter bei Voha-Tosec bei der Entwicklung der Werkzeuge haben.

Mapal ist vor allem als Hersteller von Sonderwerkzeugen bekannt. Die typischen Werkzeugbauer arbeiten allerdings mit Standardwerkzeugen. Wie passt das zusammen?

Kress: Sehr gut. Wenn man sich einmal genauer anschaut, welche Werkzeuge nachgefragt werden, sieht man, dass unser Standardprogramm in diesem Bereich sehr umfangreich ist: Wie etwa unser Programm an ISO-Wendeschneidplattenfräsern zur Vorbearbeitung oder unser umfangreiches Programm an Vollhartmetallfräsern zum Schlichten. Neben den schon erwähnten Spanntechniklösungen bieten wir zudem noch Standardwerkzeuge zum Bohren und ganz Mapal-typisch auch zum Reiben an.

Spielt das Thema Werkzeugverwaltung in dieser Branche auch eine Rolle?

Kress: Auch auf den Werkzeug- und Formenbauern lastet ein hoher Kostendruck. Unsere Werkzeugverwaltungslösungen bieten gerade auch für kleinere und mittlere Betriebe, wie im Werkzeug- und Formenbau typisch, große Einsparpotenziale. Angefangen bei den Einstellgeräten über die Ausgabesysteme bis zur Software machen wir hier vieles möglich.

2018 war Ihr erstes Jahr als Geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Gruppe. Was waren die größten Herausforderungen im vergangenen Jahr?

Kress: Wenn man auf das Jahr 2018 insgesamt schaut, war es ein ausgesprochen gutes Jahr. Wir hatten einen unglaublich guten Start, nur das vierte Quartal war etwas schwierig: In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres spürten wir neben dem Rückgang in der Pkw-Produktion zum ersten Mal die lange Zeit schon heraufbeschworenen Auswirkungen einer neuen Handelspolitik. Vor allem in China hat die Diskussion um die Zölle und den Handelskrieg mit den USA ihre Spuren hinterlassen.

2018 war das erste Jahr, an das ich mich erinnern kann, in dem die Automobilproduktion in China rückläufig war. Zwar nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich, aber doch spürbar. Dazu kamen noch die Probleme der Automobilhersteller mit den neuen Abgas- und Verbrauchsmessungen WLTP, aufgrund derer viele Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden konnten.

Es freut mich natürlich sehr, dass Mapal trotz dieser widrigen Bedingungen das Jahr 2018 wie geplant mit einem Plus abgeschlossen hat. Das zeigt, wie gut unsere Werkzeuge sind und wie wichtig es ist, sich breiter aufzustellen.

Gab es auch überraschende positive Entwicklungen?

Kress: Ja, zum Beispiel ist die Lkw-Produktion in China aufgrund der dort eingeführten schärferen Abgaswerte deutlich gestiegen. Ebenso positiv waren die gestiegenen Investitionen im Bereich der Elektromobilität. Dort gibt es besonders in Deutschland eine rege Projektaktivität. Es freut uns natürlich, dass wir bei diesem Thema mit unseren Lösungen überzeugen können und da wird es sicherlich in Zukunft noch viele weitere Projekte geben. Zudem waren unsere Umsatzergebnisse mit den Verbrauchsgütern herausragend gut.

Wie sieht Ihre Prognose für 2019 aus?

Kress: Ich gehe stark davon aus, dass der chinesische Markt in diesem Jahr schwierig bleiben wird. Auch die Entwicklung in Großbritannien wird sicherlich rückläufig sein: Wir sehen dort schon jetzt niedrigere Auftragseingänge. Aber ansonsten erwarten wir ein ordentliches Geschäftsjahr. Wir haben einige Märkte, die positive Signale für 2019 aussenden. Das erste Quartal lief für uns zufriedenstellend und wir arbeiten daran, dass es so bleibt.

Die EMO 2019 wird das Highlight in diesem Jahr. Was wird Mapal in Hannover präsentieren?

Kress: Wir werden dort zunächst ganz neue branchenspezifische Bearbeitungslösungen für die Luftfahrt, den Werkzeug- und Formenbau und für die Automobilbranche, hier für konventionelle Motoren und für Hybrid- wie Elektroantriebe zeigen. Zudem werden wir neue Dienstleistungsangebote wie etwa im Bereich der Werkzeugverwaltung präsentieren können. Werkzeugseitig werden wahrscheinlich unsere neuen Beschichtungen und Geometrien für das meiste Aufsehen sorgen. Zudem zeigen wir neue Anwendungen für unsere Werkzeuge mit ISO-Schneiden. Hier insbesondere für die Grauguss- und Stahlbearbeitung. Die Mapal-Tochter c-Com wird zudem neue Softwarelösungen, bei denen erstmals der Einsatz von künstlicher Intelligenz eine Rolle spielt, mit ganz praktischem Nutzen bei der Prozesskontrolle präsentieren.

Mapal Dr. Kress KG
www.mapal.com



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