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Interview: Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer, Iscar Germany

Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer, Iscar Germany GmbH
„Wir haben die Zeit für viele Innovationen genutzt“

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Hans-Jürgen Büchner, Geschäftsführer, Iscar Germany GmbH. Bild: Iscar
Iscar gilt in der Zerspanung als einer der Innovationstreiber der Branche. Hans-Jürgen Büchner, der Geschäftsführer der Iscar Germany GmbH, erläutert im Gespräch mit der mav, warum das gerade in Krisenzeiten so wichtig ist. Das Interview führte: Frederick Rindle

mav: Wie hat sich der Umsatz der Iscar Germany 2020 entwickelt?

Büchner: Das Erfreuliche gleich vorweg: Die Ergebnisse aus den Monaten Oktober und November 2020 waren für uns schon wieder in Ordnung. In diesen zwei Monaten haben wir schon wieder das Umsatzniveau von 2019 erreicht und das obwohl die Iscar Germany ausschließlich in Deutschland tätig ist und nicht von dem Aufschwung der asiatischen Märkte profitiert. Für Iscar insgesamt hat sich im vierten Quartal 2020 das Geschäft mit China sehr positiv entwickelt. Wobei diese Entwicklung wahrscheinlich nicht nur rein wirtschaftlich getragen ist.

Bis wann rechnen Sie wieder mit Umsätzen wie in den Jahren 2018 und 2019?

Büchner: 2018 war wahrscheinlich für alle Zerspaner eines der erfolgreichsten Jahre in der gesamten Firmengeschichte. Bis wir dieses Niveau wieder erreichen können, wird es sicherlich noch einige Zeit dauern. In einigen Branchen, wie zum Beispiel der Luft- und Raumfahrt werden wir vermutlich auch in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht die Umsätze aus 2018 erreichen. Von daher wären wir alle sehr froh, wenn wir 2021 die Zahlen aus dem Jahr 2019 wieder erreichen würden.

Gibt es Branchen, die besser als andere durch die Krise gekommen sind?

Büchner: Nein, ich denke, es hat alle Branchen gleich hart getroffen. Wir sehen aber Zeichen, dass die Automotivebranche, als wichtigster Zerspanungsmarkt, schneller als andere wieder aus der Krise kommt.

Hat die Medizintechnik durch Corona keinen Aufwind bekommen?

Büchner: Sicherlich war 2020 für einige Medizintechnik-Unternehmen ein besonders erfolgreiches Jahr. Diese Firmen haben ihre Produktionen auch deutlich erhöht. Aber der Großteil der Branche beschäftigt sich eben mit nicht coronarelevanten Medizintechnik-Produkten, sondern mit den eigentlichen Volumenbauteilen wie Operationsinstrumenten oder Knie- und Hüftprothesen. In diesem Bereich war die Nachfrage 2020 aufgrund von verschobenen Operationsterminen auch rückläufig. Viele Medizintechnik-Unternehmen hatten demnach, wie die Betriebe aus dem allgemeinen Maschinenbau, dem Werkzeug- und Formenbau oder aus der Automotivebranche, auch Kurzarbeit angemeldet. Von der Bedeutung des Gesamtmarktes hätte die Medizintechnik auch niemals die allgemeinen Rückgänge großartig auffangen können.

Was hat ihrer Meinung nach die Automobilkrise ausgelöst?

Büchner: Die politisch motivierte Abkehr vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität hat viele klassische Automobilhersteller tief ins Mark getroffen. Hier macht die Politik meines Erachtens einen großen Fehler: Politische Entscheidungsträger sollen Ziele formulieren und keine Vorgaben hinsichtlich der einzusetzenden Technologie machen. Im Falle des durch den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen erzeugten Klimawandels heißt das für mich, dass die Politik klare Ziele vorgeben muss, bis wann der CO2-Ausstoß in welcher Größenordnung reduziert werden soll, damit wir die Klimaziele noch erreichen können. Aber die Politik hat keinerlei Vorgaben zu machen wie das geschehen muss. Der subventionsgesteuerte Nachfrageboom nach Elektrofahrzeugen führt wahrscheinlich weder zu einer relevanten Klimaverbesserung noch zu einer Stärkung der heimischen Wirtschaft. Die Fixierung auf die batteriegetriebene E-Mobilität und die dadurch entstehende Ausklammerung von technologischen Alternativen macht viele gute Ideen im Ansatz schon zunichte.

Hat Iscar bereits Lösungen für die Fertigung von E-Motoren am Markt etabliert?

Büchner: Ja, sicher. Wir kennen natürlich viele der Bauteile und haben dafür auch schon sehr gute Lösungen entwickelt. Im Bereich der E-Mobilität haben wir es zum Teil auch mit einer völlig neuen Kundenklientel zu tun. Es handelt sich hier oftmals um kleinere, sehr flexible Betriebe mit einem sehr hohen spezialisierten Knowhow. Man muss hier dranbleiben, sonst verliert man schnell den Anschluss.

Wo wurde das Umsatzplus in den Monaten Oktober und November 2020 generiert?

Büchner: Im letzten Quartal 2020 haben sich gleich eine ganze Reihe an Branchen positiv entwickelt. Hauptsächlich ist der Aufschwung aber auf eine Erholung in der Automobilbranche zurückzuführen. Was uns sehr große Freude macht, ist, dass unsere Kunden zum Teil wieder richtig Gas geben.

Haben sich die Anforderungen an die Werkzeuge in den letzten Jahren verändert?

Büchner: Der Trend geht tendenziell zu kleineren Werkzeugen. Denn auch die Bauteile werden in Summe immer kleiner und filigraner. Für uns ist das natürlich eine schöne Entwicklung, denn so können wir unsere gesamte Kompetenz und unser langjähriges Knowhow in der Werkzeugfertigung unter Beweis stellen. Heute fertigen wir problemlos Wendeschneidplatten im Bereich von sechs Millimeter und kleiner. Wir haben auch schon Bohrer mit nur knapp vier bis fünf Millimeter Durchmesser und dennoch drei Schneiden gefertigt. Das sind echte Hightech-Produkte.

Was bietet Iscar im Bereich der Digitalisierung seinen Kunden an?

Büchner: Seit ungefähr drei Jahren hat das Thema Digitalisierung bei Iscar einen sehr hohen Stellenwert und wir haben unser Angebot an digitalen Tools kontinuierlich ausgebaut und verbessert. Um diese unseren Kunden zeitgemäß in gesammelter Form zugänglich zu machen, haben wir eine App namens „Iscar World“ entwickelt. Hier finden unsere Kunden alles – vom digitalen Zwilling über digitale Werkzeugauswahl bis hin zum fertigen Assembly als Download. Zudem haben unsere Kunden mit unserem digitalen Werkzeugkatalog immer die aktuellste Version unseres Angebot zur Hand.

Was hat Iscar aus der Krise gelernt?

Büchner: Wesentlich ist für mich, dass wir die Zeit genutzt haben, uns in allen Bereichen zu verbessern. Dafür haben wir nicht nur die digitalen Angebote ausgebaut, sondern unser Entwicklungsteam in Israel hat auch eine ganz neue Werkzeug-Produktpalette entwickelt. Mit der neuen NEOLOGIQ-Kampagne bieten wir unseren Kunden für eine Vielzahl von Anwendungen verbesserte und erweiterte Werkzeugkonzepte. Bei Iscar herrscht ein ungebrochener Innovationswille, auch in schwierigen Zeiten immer besser werden zu wollen. Die Schwerpunkte der neuen Werkzeuge liegen dabei wieder auf Bearbeitungen mit hohen Vorschüben und Geschwindigkeiten, zudem ist der Trend zu noch kleineren Werkzeugdurchmessern ungebrochen. Hierfür werden auch vermehrt neue Produktionsmethoden wie die additive Fertigung eingesetzt.

Was erwarten Sie für 2021?

Büchner: Das erste Halbjahr 2021 wird nicht weniger herausfordernd sein als das vierte Quartal 2020. Insgesamt gesehen könnten wir aber, wie bereits erwähnt, 2021 das Niveau von 2019 erreichen. Weltweit gesehen sieht die Situation sogar noch freundlicher aus. Das gute Asiengeschäft und die positive Stimmung in den USA werden sicherlich zu einem wieder positiveren Ergebnis für die gesamte IMC-Gruppe, zu der auch Iscar gehört, führen.

Iscar Germany GmbH
www.iscar.de

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