Werkzeuge

Lothar Horn, Geschäftsführer Paul Horn GmbH

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Nach Jahren stetigen Wachstums wurde auch der Werkzeug-Spezialist Horn von der Krise getroffen. Lothar Horn erläutert im Gespräch mit mav, wie das Unternehmen reagiert hat und warum er für 2010 bereits wieder mit einem satten Umsatzplus rechnet.

Das Interview führte Holger Röhr

mav: Welche Auswirkungen hatte die Krise in Ihrem Unternehmen?
Horn: Die Wucht dieser Krise haben wir unmittelbar zu spüren bekommen. Im Herbst 2008 rissen die Bestellorders regelrecht ab.
mav: Wie haben Sie darauf reagiert?
Horn: Zunächst wurden die Überstundenkonten abgebaut. Dann haben wir eine Vereinbarung getroffen, die es erlaubte, die Stunden stark in den Minusbereich auszubauen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Mitarbeiter nur eine begrenzte Anzahl Minusstunden anhäufen wollten. Also haben wir in einigen Bereichen Kurzarbeit eingeführt.
mav: Wurden Mitarbeiter entlassen?
Horn: Nein, wir sind durch natürliche Fluktuation zwar insgesamt etwas weniger geworden, entlassen wurde aber niemand. Auch die Anzahl unserer Auszubildenden haben wir nicht reduziert.
mav: Wie ist die Situation aktuell?
Horn: Bei uns geht es bereits seit Ende Juni 2009 wieder bergauf. Inzwischen hat sich die Lage stark verbessert. Real liegen wir aktuell circa 20 Prozent unter den 2008er Zahlen. Die Kurzarbeit wurde bereits im Februar wieder beendet. Wir planen für 2010 ein Wachstum von über 60 Prozent gegenüber 2009. Das brauchen wir auch, um alle unsere Mitarbeiter weiterhin beschäftigen zu können.
mav: Können Sie der Krise auch irgendwelche positiven Aspekte abgewinnen?
Horn: Ja, durchaus. Nach Jahren stetigen Wachstums war der Konjunktureinbruch für mich auch eine Zeit des Innehaltens. Ich habe einiges dazugelernt, unter anderem die Bedeutung eines Familienunternehmens in der Beziehung zu den Mitarbeitern. Oder wie wichtig es ist, unseren Kunden einfach ein Danke zu sagen für die gute Zusammenarbeit.
mav: Wie entwickeln sich die Märkte momentan im Einzelnen?
Horn: Wir machen etwa 60 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland und 40 Prozent im Rest der Welt. Unsere Produkte werden durchweg für technologisch besonders anspruchsvolle Zerspanungsoperationen eingesetzt. Dieser Bereich ist in Deutschland besonders wichtig, und er wächst aktuell überproportional. Ich gehe für 2010 für die Firma Horn von etwa 70 Prozent Wachstum in Deutschland und 55 Prozent im Rest der Welt aus.
mav: Könnten Sie sich vorstellen, durch Zukäufe entweder eine Technologie ins Unternehmen zu holen oder den Zugang zum amerikanischen oder asiatischen Markt zu verbessern?
Horn: Wir sehen uns als Nischenanbieter für hochtechnologische Produkte. Das Geschäft mit ISO-Platten interessiert uns nicht. Wer sollte da zu uns passen? Wir wachsen lieber durch unsere Eigenentwicklungen als durch Zukäufe. Es gibt noch so viele Möglichkeiten bei uns im Haus, die müssen wir erst mal ausschöpfen.
mav: Horn ist bekannt als Spezialist für die Bearbeitung zwischen zwei Flanken. In letzter Zeit wurde nun das Fräsprogramm um Hochvorschubfräser für den Werkzeug und Formenbau erweitert. Ebenfalls neu im Programm sind die DR-Reibahlen. Wollen Sie aus Ihrer „Nische“ heraus?
Horn: Hochpräzisionswerkzeuge sind unser tägliches Geschäft, da fiel uns der Schritt zu den Reibahlen, die wir übrigens in Lizenz von Urma fertigen, nicht schwer. Von der Kundenansprache passt es ebenfalls gut zusammen. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Bereich sehr gut entwickeln wird.
Etwas anders ist die Situation bei den Hochvorschubfräsern. Hier befinden wir uns in einem Markt, in dem Verdrängungswettbewerb herrscht. Der Weg zum Kunden wird nicht einfach sein. Ich bin aber überzeugt, dass wir uns auch hier langfristig etablieren werden. Wir gehen Schritt für Schritt vor und bauen unser bestehendes Fräser-Programm weiter aus. Zur AMB kommen die nächsten Werkzeuge für diesen Bereich.
mav: Warum sollte ein Kunde die neuen Fräser verwenden, gibt es hier eine technologische Alleinstellung?
Horn: Durch die spezielle Geometrie der neu entwickelten Wendeschneidplatten, insbesondere den großen Schneidenradius, ist es uns gelungen, die bisher üblichen Schnitttiefen zu übertreffen und dies bei einer deutlichen Verringerung der Zerspankräfte, was sich im Vergleich zu Wettbewerbswerkzeugen in bis zu vierfacher Standzeit auswirkt.
mav: Wie wichtig ist die AMB als Messe für Ihr Unternehmen?
Horn: Gemeinsam mit der EMO ist die AMB für mich die europäische Leitmesse rund um die spanende Fertigung. Auch deshalb haben wir unsere Entwicklungszyklen auf diese beiden Messen abgestimmt.
mav: Welche besonderen Stärken sehen Sie für Ihr Unternehmen?
Horn: Durch unsere hohe Fertigungstiefe und unser einzigartiges Fertigungssystem, das es uns ermöglicht, jederzeit bestimmte Aufträge ohne großen Aufwand zu priorisieren, können wir sehr schnell auf individuelle Kundenbedürfnisse eingehen. Ich nenne mal ein Beispiel: Vor Kurzem kam eine Kundenanfrage für ein Sonderwerkzeug. Der Wettbewerber, der auch angefragt wurde, brauchte sechs bis acht Wochen, wir konnten in zwei Wochen liefern. Für den Kunden, einen Automobilzulieferer, war die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit entscheidend. Auch wenn dieser Auftrag nicht groß war, bringt er uns für zukünftige Zusammenarbeit mit dem Kunden in eine gute Position.
Darüber hinaus machen wir alles, um dem Kunden den Einsatz unserer Werkzeuge so einfach und effektiv wie möglich zu machen. Wir stellen sämtliche CAD-Daten zur Verfügung, um damit eine virtuelle Maschine zu bestücken oder Kollisionsbetrachtungen im Vorfeld zu ermöglichen.
mav: Welche Anforderungen kommen darüber hinaus von den Kunden?
Horn: Wir stellen fest, dass die Unternehmen die Pflege der Werkzeugdaten mehr und mehr zu uns verlagern. Eine Anforderung, die nicht neu ist, aber von unverminderter Bedeutung, ist die nach Verkürzung der Zykluszeiten. Das bedeutet in der Regel, es müssen Bearbeitungsschritte zusammengelegt werden. Für diese optimierten Lösungen benötigen die Kunden dann Sonderwerkzeuge.
mav: Wie kommen denn alle Informationen über neue Werkzeuge bis zum Bediener, um zu gewährleisten, dass am Ende auch wirklich mit den optimalen Parametern zerspant wird?
Horn: Unser rein technischer Außendienst umfasst allein 35 Mitarbeiter. Die sorgen in engem Kontakt mit unseren Kunden dafür, dass vor Ort alle Werkzeuge optimal eingerichtet und zum Einsatz gebracht werden.
mav: Darüber hinaus sind Sie in diesem Jahr zusammen mit Partnerunternehmen wie Siemens, Gildemeister, Schunk und Böhlerit auf Roadshow gegangen, um Kunden umfassend über Zerspanungslösungen zu informieren. Welche Bilanz dieser Gemeinschaftsaktion ziehen Sie?
Horn: Dieses Projekt ist noch nicht beendet, wir sind weiterhin bis zum Herbst international unterwegs, kürzlich erst waren wir in der Türkei. Ich bin davon überzeugt, dass das Konzept gut ist. Es hat eine hohe Überzeugungskraft, wenn wir den Kunden zeigen, wie wir gemeinsam ihren gesamten Prozess abdecken können. Deshalb planen wir aktuell, die Zusammenarbeit auszubauen und werden als nächstes ein Thema mit Frässchwerpunkt angehen.
mav: Welchen Anteil am Umsatz machen bei Horn Werkzeuge für die Produktion von Automobilteilen aus?
Horn: Mehr als zwei Drittel aller von uns verkauften Werkzeuge haben letztlich mit der Herstellung von Fahrzeugen zu tun.
mav: Welche Auswirkungen werden neue Antriebskonzepte beim Automobil auf Ihr Unternehmen haben?
Horn: Ich gehe davon aus, dass der Verbrennungsmotor noch nicht ausgereizt ist. Er wird nach meiner Einschätzung in den nächsten zehn Jahren dominant bleiben, auch wenn er vielleicht mit anderen Antriebsformen kombiniert wird. Was danach passiert, ist schwer vorauszusehen.
Die Entwicklungen, die im Moment relevant sind, werden zum Teil auch zusätzliche Zerspanungsoperationen erfordern. Es gibt einen Trend zu mehr Gängen beim Automatikgetriebe. Es kommen verstärkt kleinere Motoren mit höheren Drehzahlen und Turboladern.
mav: Welche Rolle spielt der Service, sehen Sie hier die Möglichkeit, zusätzliche Umsätze zu erzielen?
Horn: In diesem Punkt unterscheide ich mich vielleicht von einigen unserer Wettbewerber. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, Service zu bieten. Und der beste Service ist der Kontakt zum Kunden. Wenn der Kontakt zum Kunden optimal ist, erfahren wir von den aktuellen Aufgaben und können entsprechende Werkzeuge anbieten oder gemeinsam mit dem Kunden neue Lösungen erarbeiten. Das bringt letztlich auch unsere Produktpalette voran.
Es ist nicht mein Bestreben, den Service selber zum Produkt zu machen. Wir sollten in Deutschland lieber stolz sein auf Wertschöpfung, die auf industrieller Fertigung beruht, statt darüber zu philosophieren, wie diese oder jene Dienstleistung verrechnet werden soll.
„Ich gehe 2010 für die Firma Horn von über 60 Prozent Wachstum aus!“
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