Lothar Horn, Geschäftsführer Paul Horn GmbH

Werkzeuge

Lothar Horn, Geschäftsführer Paul Horn GmbH

Lothar Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH: „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr klar über 200 Millionen Euro Umsatz machen werden!“
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1969 gegründet, hat sich die Paul Horn GmbH als Spezialist für die Bearbeitung zwischen zwei Flanken eine herausragende Position erarbeitet. Heute sieht Geschäftsführer Lothar Horn das Unternehmen ganz generell als Lösungsanbieter für anspruchsvolle Zerspanungsoperationen. Für 2011 peilt er einen neuen Rekordumsatz an.

Das Interview führte Holger Röhr

mav: Die EMO liegt nun einige Wochen zurück. Wie fällt Ihr Resumee der Messe aus?
Horn: Aus meiner Sicht war die EMO eine fantastische Messe. Es gab vielleicht keinen neuen Besucherrekord, aber die Bestelltätigkeit hat mit 4,52 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht. Die EMO hat für mich bestätigt, dass sie die Weltleitmesse für Metallbearbeitung ist. Eine EMO alle zwei Jahre in Hannover würde deutlich positive Impulse geben. Auch unsere eigene Bilanz der Messe ist hervorragend.
mav: Horn ist bekannt als Spezialist für die Bearbeitung zwischen zwei Flanken. Auf der EMO haben Sie nun eine Fülle von Werkzeugen vorgestellt, die mit der Bearbeitung zwischen Flanken nichts mehr zu tun haben. Welche Strategie verfolgen Sie?
Horn: Die Bearbeitung zwischen Flanken ist die Königsdisziplin, und hier ist Horn nach wie vor sehr, sehr stark. Darüber hinaus entwickeln wir aber schon seit Jahren Werkzeuge für andere Anwendungen. Wir haben unser Programm neben Reibwerkzeugen und Hochvorschubfräsen um ein Wechselkopfsystem für das Bohren und um CVD-Diamantwerkzeuge ergänzt. Wir bieten inzwischen auch ein nahezu komplettes Werkzeugsystem für den Werkzeug und Formenbau an, und diese Entwicklung wird weiter gehen.
Wir sehen uns überall dort gefordert, wo beim Kunden Problemlösungen im Hochtechnologiebereich gefragt sind.
mav: Wie reagieren Ihre Kunden auf die neuen Horn-Produktfelder?
Horn: Der Kunde sucht eine Lösung für eine Bearbeitungsproblematik, die bei ihm vorhanden ist. Wenn wir ihm hier nicht nur ein Werkzeug, sondern einen Prozess anbieten können, der sein Problem löst, dann erzielen wir sehr gute Resonanz beim Kunden.
Unser Versuchszentrum ist Tag für Tag damit beschäftigt, neue Werkzeuge für Kunden zu testen und einzusetzen.
mav: Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Entwicklung neuer Produkte?
Horn: Das langfristige Ziel ist es, den Bereich Werkzeuge für anspruchsvolle Anwendungen in allen Bereichen auszubauen.
Zusätzlich beschäftigen wir uns mit produktspezifischen Themen, wie zum Beispiel Felgenbearbeitung oder Rohr- und Muffenbearbeitung in der Öl- und Gasindustrie.
Wenn wir unsere Kernkompetenz, die Bearbeitung zwischen zwei Flanken, mit anderen innovativen Werkzeugsystemen verbinden können – warum nicht?
mav: Worauf führen Sie die hohe Innova- tionskraft des Unternehmens zurück?
Horn: Wir versuchen das, was aus unserem Bereich F und E kommt, mit den eigenen Mitarbeitern zu multiplizieren. Die Bereitschaft auf Veränderungen zu reagieren, ist bei Horn Teil der Unternehmenskultur.
Ganz entscheidend ist auch der enge Kontakt unserer Außendienstmitarbeiter zu den Kunden und ihr tiefes technisches Verständnis. Denn häufig sind sie es, die die konkreten Anforderungen der Kunden mitbringen und so die Entwicklung neuer Produkte vorantreiben. Unsere Kunden sind es gewohnt, dass wir ihnen eine passende Lösung liefern.
mav: Wie groß ist der Automotive-Anteil inklusive der Zulieferer?
Horn: Automotive ist für uns der mit Abstand wichtigste Bereich, der auch aktuell ein dynamisches Wachstum aufweist und etwa Zweidrittel unseres Werkzeugumsatzes ausmacht. Natürlich profitieren wir auch von der Entwicklung neuer Technologien im Automotive-Bereich. Aktuell entsteht ja durch Themen wie Downsizing, durch hochaufgeladene Motoren, durch die Bearbeitung anspruchsvoller Werkstoffe, zum Beispiel für Turbolader, ein erhöhter Bedarf an Zerspanungswerkzeugen.
mav: Langfristig müsste der Bedarf an Zerspanung durch elektrische Antriebe aber eher zurückgehen, oder?
Horn: Aktuelle Studien gehen zwar von einem deutlichen Anstieg der Elektromobilität aus, sagen aber gleichzeitig, dass das Volumen an Elektrofahrzeugen im Vergleich zum Gesamtmarkt in den nächsten zehn oder auch zwanzig Jahren gering sein wird. Für Deutschland beispielsweise gibt es die Zielsetzung zwei Millionen Elektrofahrzeuge in 2020.
Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren die Herausforderungen aus den Hybridmotoren kommen werden.
Außerdem bedeutet neue Technologien auch nicht automatisch weniger Umsatz. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Ich habe vor ein paar Jahren auch gedacht, die elektrische Lenkung würde dazu führen, dass wir Bearbeitungsoperationen und damit Umsatz verlieren. Wir haben dann den Bereich Elektrolenkung mit dem Herzstück, der Schnecke, analysiert, haben ein Fertigungsverfahren mit Sonderwerkzeugen dafür entwickelt. Dieses Werkzeugsystem war dann am Markt so erfolgreich, dass wir damit einen höheren Umsatz erzielen, als es bei der Zahnstangenlenkung der Fall war.
mav: Wie ist denn die wirtschaftliche Entwicklung aktuell?
Horn: Wir haben in 2010 um 63 Prozent auf 170 Millionen Euro zugelegt. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr noch einmal um etwa 27 Prozent wachsen und dann klar über 200 Millionen Euro Umsatz liegen werden.
mav: Wo könnte Horn in fünf Jahren aus Ihrer Sicht mit dem Umsatz liegen?
Horn: Gemessen an unseren Investitionen sollten es bis dahin noch einmal 50 bis 80 Prozent mehr Umsatz sein als heute.
Wir investieren momentan 30 Millionen Euro in neue Fertigungsausrüstung und neue Gebäude. Wir haben auch bereits eine weitere zusätzliche Fläche hinzugekauft. Da könnten noch einmal 20 000 Quadratmeter Produktionsfläche hinzukommen. Mein Ziel wäre, dies bis 2015 zu realisieren. Dafür müsste die Wirtschaft so weiter laufen wie im Moment. Ich gehe auch für nächstes Jahr von einer positiven Entwicklung im zweistelligen Prozentbereich aus. Das wäre für Horn auch eine normale Entwicklung, wie wir sie über die letzten Jahrzehnte eigentlich immer gesehen haben.
mav: Soll auch der Bereich Service in Zukunft mehr zum Umsatz beitragen?
Horn: Wir machen ja bereits seit einigen Jahren auch komplette Toolings, komplette Auslegungen. Horn hat diesen Service in der Vergangenheit nicht in Rechnung gestellt, und wir werden dies auch in Zukunft nicht tun. Wir möchten ein möglichst gutes Verhältnis zu unseren Kunden pflegen. Und da gehört der Service einfach dazu.
Das Ganze ist ja auch keine Einbahnstraße. Durch den intensiven Austausch mit dem Kunden bekommt unser technischer Außendienst viele Informationen. Die wiederum sind eine wichtige Grundlage für unsere Produktentwicklung. Ich sehe genau in dieser Konstellation auch einen Grund für die hohe Innovationskraft bei Horn.
mav: Wird ausschließlich hier vor Ort investiert, oder soll in Zukunft auch verstärkt im Ausland produziert werden?
Horn: Wir eröffnen nächstes Jahr eine Produktion in Tschechien und eine in Brasilien. Die bestehenden Produktionen in den USA und in Großbritannien werden erweitert. Natürlich bleibt unser Hauptproduktionsstandort hier. Die Struktur mit dezentralen Standorten ermöglicht es, sowohl Kapazitätsspitzen besser abzudecken als auch unsere Kunden regional optimal zu bedienen.
mav: Sie haben Asien gar nicht erwähnt? Haben Sie Angst, dass ihr Knowhow dort kopiert werden könnte?
Horn: Es gibt Prognosen, die besagen, dassAsien schon bald über 30 Prozent des Weltmarktes für Werkzeuge ausmachen wird. Vor diesem Hintergrund sind wir gerade dabei, unsere Aktivitäten in Asien zu verstärken.
mav: Was heißt das konkret? Wird es eine Produktion in Asien geben? Und wo wird diese sein?
Horn: Nein, wir werden auch in Zukunft nicht in Asien produzieren. Aber durch ihre hohe Dynamik und die starken Zuwächse rücken die asiatischen Märkte auch für uns immer mehr in den Vordergrund.
mav: Wäre es mit einer Produktion dort nicht einfacher, den asiatischen Markt reaktionsschnell mit Sonderwerkzeugen zu versorgen?
Horn: Letztlich muss man sagen, dass wir durch die enorm guten Reaktionszeiten, die wir hier bei uns am Hauptstandort realisieren, gar nicht mehr so einen großen Zeitvorteil durch dezentrale Produktionen realisieren können. Und was Technik und Geschwindigkeit angeht, ist der Standort Tübingen führend. Im Bereich unserer 15 000 Standardartikel haben wir eine Lieferfähigkeit von über 97 Prozent. China können wir innerhalb einer Woche von hier aus beliefern.
Wenn wir an einem ausländischen Standort Werkzeuge zum Beschichten rausgeben müssten, würde das allein eine Woche dauern.
mav: Zum Abschluss noch eine Technologiefrage: Seit Kurzem werden speziell für die Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe auch innen gekühlte Wendeschneidplatten angeboten. Sind innen gekühlte Platten auch für Horn ein Thema?
Horn: Ja, ich bin sicher, dass die Bedeutung solcher Platten zunehmen wird. Durch unser Strangpressverfahren haben wir schon sehr lange innengekühlte Werkzeuge im Programm.
Aus meiner Sicht sind aber bislang noch keine Technologien vorhanden, um das Gleiche in einer wirtschaftlichen Massenfertigung bei Wendeschneidplatten zu erreichen. Wir investieren aktuell in neue Axial- und Hydro- statpressen. Nicht zuletzt dadurch werden wir in etwa einem Jahr in der Lage sein, mit entsprechenden Platten an den Markt zu gehen.
„Wir sehen uns immer dann gefordert, wenn beim Kunden Problemlösungen im Hochtechnologiebereich gefragt sind!“
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