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Gerald Goubau, Managing Director Kennametal Europa

Werkzeuge
Gerald Goubau, Managing Director Kennametal Europa

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Kennametal ist ein weltweit führender Anbieter von Werkzeuglösungen für die spanende Metallbearbeitung. Gerald Goubau, Managing Director Kennametal Europa und Vice President Growth EMEA, erläutert im Gespräch mit der mav, warum das Unternehmen gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgegangen ist.

Das Interview führte Holger Röhr

mav: Herr Goubau, sind Sie besser oder schlechter mit der Krise fertig geworden als Ihre Wettbewerber?
Goubau: Für unsere Wettbewerber kann ich nicht sprechen, ich kann Ihnen nur sagen, was wir getan haben. Wir haben sehr schnell reagiert als 2008 die Verkaufszahlen einbrachen.
mav: Welche Maßnahmen haben Sie denn konkret ergriffen?
Goubau: Wir mussten uns von vielen unserer Leiharbeiter trennen und haben in einigen Bereichen Kurzarbeit eingeführt. Aber, und das ist das wichtigste, wir haben uns gleich zu Beginn des Umsatzrückganges die Frage gestellt, was wir tun müssen, um aus der Krise eine Chance für Kennametal zu machen. Deshalb haben wir in den letzten beiden Jahren wichtige Strukturveränderungen umgesetzt. Dort, wo wir früher nach Produkten strukturiert waren, sind wir heute nach Branchen aufgestellt. Das Ergebnis dieser Veränderung ist, wenn man es auf den Punkt bringt, dass wir heute nicht einfach mit Werkzeugen zum Kunden kommen, sondern in den jeweiligen Branchen passende Lösungen zu bieten haben. Diese Neuorganisation haben wir am 1. Juli 2010 abgeschlossen.
Ein besonders interessanter Effekt, der sich aus der geänderten Herangehensweise ergeben hat, ist folgender: Wir haben unsere Kunden sehr viel besser kennengelernt und versuchen nun, ihre Probleme in allen Bereichen zu lösen, in denen Kennametal Produkte anbietet. Für den Konzern heißt das, wer zum Beispiel im Bereich Straßenbau oder Bergbau Kennametal-Kunde ist, hat ganz sicher auch Bedarf an Zerspanungswerkzeugen. Umgekehrt haben viele Kunden, die bislang nur Zerspanungswerkzeuge bei uns gekauft haben, auch Bedarf an anderen Produkten des Konzerns. So benötigt beispielsweise ein Kunde, der Turbinen herstellt, neben unseren Zerspanungswerkzeugen unter Umständen auch Beschichtungstechnologie von Kennametal, um die Turbinenschaufeln zu behandeln. Solche Synergien nutzen wir nun sehr viel intensiver als das bislang der Fall war.
mav: Welche Rolle spielt Widia?
Goubau: Widia wird von uns gemeinsam mit den Widia-Untermarken seit über einem Jahr als komplett eigenständige Marke positioniert. Während Kennametal für die Branchenlösung steht, liefert Widia erstklassige Produkte für die jeweilige Bearbeitungstechnologie. Während wir bei Kennametal die Kunden direkt ansprechen, wird Widia ausschließlich durch Händler vertrieben, um eine möglichst breite Kundenansprache zu erreichen. Der größte dieser Händler ist in Deutschland die Firma Wollschläger.
Damit Widia in Zukunft alle Bearbeitungstechnologien aus einer Hand anbieten kann, haben wir das Programm stark in Richtung Bohren und Drehen erweitert.
mav: Wie sind Sie in Deutschland personell aufgestellt, um dem Kunden genau die Lösung liefern zu können, die er braucht?
Goubau: Unsere gesamte Mannschaft ist technisch ausgebildet. Aber innerhalb dieser Mannschaft gibt es Teams, die die einzelnen Applikationen ganz spezifisch unterstützen. Dabei geht die gesamte Organisation immer von der Problemstellung des Kunden aus. So wird der Kunde in seinem Segment stets von denselben Leuten betreut. Natürlich werden wir unsere Applikationsingenieure in ihrem jeweiligen Segment immer weiter spezialisieren. Darüber hinaus gibt es die Produktspezialisten, die über unsere eigenen Schneidstoffe perfekt Bescheid wissen, um beim Kunden technologische Unterstützung leisten zu können.
mav: Werden die Problemstellungen beim Kunden in aller Regel mit Standardwerkzeugen gelöst?
Goubau: Gute Frage. Unsere Kunden kennen Kennametal sowohl als Anbieter mit einer sehr breiten Palette von Standardwerkzeugen als auch als Spezialist für Sonderwerkzeuge, wenn die Applikation dies erfordert. Wir versuchen hier die beste Balance zu halten. Das heißt nicht, dass der Anteil der Sonderlösungen steigt, denn unsere hoch leistungsfähigen Standard-Schneidstoffe sind zunehmend geeignet, auch ganz spezifische Problemstellungen beim Kunden optimal zu lösen.
mav: Auf der AMB haben Anbieter, die bislang in ihrer jeweiligen Nische unterwegs waren, ein breiteres Werkzeugangebot präsentiert. Wird der Wettbewerb in Zukunft härter?
Goubau: Natürlich beobachten wir ganz genau, was auf dem Markt passiert. Unsere Strategie richten wir aber nicht am Wettbewerb, sondern an den Bedürfnissen unserer Kunden aus. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
mav: Wie sieht es denn umgekehrt aus, werden Sie sich in Zukunft stärker in bestimmten Nischen wie zum Beispiel bei PKD- und CBN-Werkzeugen engagieren?
Goubau: Ja, auf jeden Fall. Gerade PKD und CBN sind sehr wichtige und zukunftsträchtige Schneidstoffe. Wir haben bereits damit begonnen, unsere Entwicklungskapazität in diesem Bereich zu erhöhen und zusätzliche Entwickler einzusetzen. Aber auch hier gilt, PKD und CBN an sich sind nicht unser Ziel. Unser Ziel ist die beste Lösung beim Kunden, und dafür benötigen wir die angesprochenen Schneidstoffe.
mav: Sehen Sie aktuell eine Verschiebung einzelner Bereiche, Automotive, Luftfahrt, Medizintechnik, allgemeiner Maschinenbau?
Goubau: Auch wenn es gerade in letzter Zeit starke Schwankungen in den einzelnen Segmenten gab, sehe ich langfristig ein Wachstum im Bereich Automotive. Dafür wird allein der zunehmende Bedarf in China sorgen. In den nächsten zehn Jahren werden aus meiner Sicht Elektroantriebe noch keine spürbare Rolle spielen.
mav: Sie haben die Strukturveränderungen angesprochen, wie sah es denn im gleichen Zeitraum mit der Entwicklung neuer Produkte aus?
Goubau: Wir haben bei allem Zwang zu sparen, im Bereich Forschung und Entwicklung mit unverminderter Energie weitergearbeitet. Das zahlt sich bereits aus. Unsere neuen Produkte sind produktiver und erlauben so eine kosteneffizientere Fertigung. Wir sind davon überzeugt, dass jetzt bei anziehender Konjunktur, die Kunden genau diese Produktivitätsgewinne verlangen werden.
mav: Hat sich dies bereits auf der IMTS und der AMB gezeigt?
Goubau: AMB und IMTS waren beide sehr gut. Wir haben auf beiden Messen viele Besucher von hoher Qualität gesehen. Insgesamt ist die IMTS die internationalere Messe.
mav: Die größte Kennametal-Innovation auf der AMB ist ihre neue Wendeschneidplattentechnologie „Beyond Blast“, was ist daran so innovativ?
Goubau: Innovativ ist in diesem Fall noch untertrieben, ich würde die „Beyond Blast“-Technologie als revolutionär bezeichnen. Es ist uns gelungen, direkt in die Wendeschneidplatte Kanäle einzubringen, die das Kühlschmiermittel perfekt in die Schnittzone transportieren.
So konnten wir die Standzeit der Werkzeuge erheblich steigern. Insbesondere bei der Dreh- und Fräsbearbeitung von Titanwerkstoffen kann mit Beyond Blast die Schnittgeschwindigkeit deutlich erhöht und die Standzeit wesentlich verbessert werden.
mav: Wie sieht es mit dem Kühlmitteldruck aus, muss der besonders hoch sein, um die von Ihnen angeführten Verbesserungen zu realisieren?
Goubau: Nein, das ist ein ganz wichtiger Vorteil gegenüber anderen Lösungen bei der Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe, die eine Hochdruckkühlung erfordern, um den Span zu brechen. Unsere Technologie arbeitet bei üblichem Kühlmitteldruck und ist damit wesentlich wirtschaftlicher als eine energieintensive Hochdruckkühlung.
Hinzu kommt, dass durch den sehr gezielten Einsatz des Kühlschmiermittels bei den Beyond-Blast-Platten, der Verbrauch des Kühlmittels insgesamt ebenfalls geringer ist, dadurch wird die Wirtschaftlichkeit und damit auch die Umweltfreundlichkeit weiter erhöht.
mav: Leidet nicht die Stabilität der Platten durch die Einbringung der Kühlkanäle?
Goubau: Alle unsere Tests mit den neuen Platten haben gezeigt, dass die Standzeit dieser Platten sehr viel höher ist und die Prozesssicherheit zunimmt.
mav: Wie weit sind Sie mit der Markteinführung der Beyond-Blast-Platten?
Goubau: Aktuell haben wir einige Pilotkunden, die breite Markteinführung erfolgt ab Frühjahr 2011.
mav: Wie war die Reaktion der Kunden auf dieses Produkt auf der AMB?
Goubau: Begeistert, es gibt geradezu eine Notwendigkeit, die Standzeiten und damit die Wirtschaftlichkeit der Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe zu steigern. Und diese Werkstoffe nehmen zu.
Kennametal unterstreicht mit dieser Entwicklung wieder einmal die Technologieführerschaft des Unternehmens.
mav: Sind in nächster Zeit Zukäufe geplant?
Goubau: Dazu kann ich natürlich nichts Konkretes sagen. Ich gehe aber davon aus, dass wir in den nächsten zwei Jahren Akquisitionen tätigen werden, um unsere Position in einzelnen Weltregionen zu verbessern und um Technologie ins Unternehmen zu holen, die wir für weiteres Wachstum benötigen.
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