Dr. Christof Bönsch, Geschäftsführer, Komet Group GmbH „Den Hybridmotor lieben alle Werkzeughersteller“

Dr. Christof Bönsch, Geschäftsführer, Komet Group GmbH

„Den Hybridmotor lieben alle Werkzeughersteller“

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Für viele Automobilexperten ist die Elektromobilität das Antriebskonzept der Zukunft. Für sie ist sicher, die E-Mobilität wird kommen, nur bis wann ist noch unklar. Die mav sprach mit Dr. Christof Bönsch, dem Geschäftsführer der Komet Group, darüber, welche Herausforderungen sich daraus für einen Präzisionswerkzeughersteller ergeben. Das Interview führte: Frederick Rindle

mav: Mit welchen Herausforderungen sieht sich Komet aufgrund des Wandels in der Antriebstechnologie konfrontiert?

Bönsch: Bei Komet liegt der Anteil der Produkte für die Automobilindustrie am Gesamtumsatz im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern unter 50 Prozent. Von daher haben wir noch zusätzliche Standbeine, die den zu erwartenden Rückgang im Automobilgeschäft auffangen können. Denn auch für uns ist klar – im Automobilgeschäft wird es mit der Einführung der E-Mobilität deutlich weniger Zerspanungsteile geben. Wir rechnen mit einem Rückgang im Auftragsvolumen von ungefähr 70 bis 75 Prozent. In den nächsten Jahren werden aber die Hybridfahrzeuge und die konventionellen Antriebe weiterhin die größte Bedeutung haben.

Erleben wir gerade für die Zerspaner den letzten Höhepunkt in der Automobilindustrie?

Bönsch: Wir haben im Automobilbereich momentan sehr erfreuliche Wachstumsraten und sind auch in zahlreichen neuen Projekten involviert. Der Turbolader und das Downsizing spielen uns als Werkzeughersteller natürlich zudem in die Hände. Ebenso sind die Entwicklungen in der Getriebefertigung für uns sehr positiv, wie zum Beispiel die Einführung von 9-Gang-Automatikgetrieben. An diesen neuen Projekten haben die Komet-Werkzeuge einen großen Anteil. Den Hybridmotor lieben alle Werkzeughersteller, mit ihm hat man das Beste aus beiden Welten. Mehr Zerspanung geht nicht!

Spiegelt sich diese positive Entwicklung auch in den Geschäftszahlen wider?

Bönsch: Ganz deutlich sogar. 2017 entwickelt sich wirklich super. Wir erleben momentan allgemeine Wachstumsraten, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe. Komet ist im ersten Halbjahr 2017 zweistellig gewachsen. Das Besondere ist, dass der Zugewinn nicht nur durch die positiven Entwicklungen in der Automobilindustrie getrieben wird. Wir haben zudem über alle Branchen hinweg im Bereich des Projektgeschäfts sehr starke Zuwächse.

Wie wollen Sie den in Zukunft wegfallenden Umsatz mit dem Verbrennungsmotor ersetzen?

Bönsch: Wir gehen fest davon aus, dass die Automobilindustrie auch im Elektro-Zeitalter weiterhin Werkzeuge benötigen wird. Für uns sind zum Beispiel die Bremsen ein Anwendungsfeld, in dem wir sehr stark sind. Generell fokussieren wir uns schon jetzt auf die Bauteile, die auch weiterhin Bestand haben werden. Aber wir haben selbstverständlich auch andere Märkte im Blick. Die Luftfahrt ist hier ein besonderer Wachstumsmarkt, der zwar niemals die Größe des Automobilgeschäfts einnehmen wird, aber dennoch gibt es dort zahlreiche, sehr interessante Anwendungen für uns. Weiterhin sind wir auch im Energiebereich sehr gut aufgestellt. Der wachsende Markt für Pumpen- und Turbinenbauteile ist eine sehr große Chance für Komet. Irgendwo muss ja der Strom für die E-Mobilität herkommen. Noch größere Wachstumschancen sehen wir aber im gesamten Bereich der Digitalisierung. Denn dort entstehen gerade ganz neue Märkte. In unseren strategischen Planungen gehen wir davon aus, dass wir in zehn Jahren rund ein Drittel unseres Umsatzes in der Digitalisierung machen werden.

Wie das?

Bönsch: Wir haben uns mit Toolscope aus dem Bereich der reinen Prozessüberwachung schon längst emanzipiert. Was wir nun bereitstellen, ist ein umfangreiches Assistenzsystem mit MDE- und BDE-Funktionalitäten, und das wollen wir noch weitertreiben. Wir wollen Toolscope zu der Technologiedatenbasis im Zerspanungsbereich ausbauen, das dann auch eine Anbindung an das ERP-System hat. Wir sind gerade unser erster Testkunde. Hierzu haben wir das System über alle Bereiche im Unternehmen ausgerollt und haben so ein System geschaffen, das in alle Steuerungs- und Planungstools integriert wird.

Welche Vorteile haben Sie dadurch?

Bönsch: Wir haben erstmals einen echten Gesamtüberblick bekommen, da unsere gesamten Prozesse viel transparenter geworden sind. Das erleichtert uns die Kapazitäts- und Werkzeugplanung ungemein. Wir nutzen das System auch für die Maschinendatenerfassung. So werden dort alle Werkzeugwechsel erfasst und das Maschinenlogbuch geführt. Das sind alles keine neuen Themen. Aber jetzt liegen diese Daten erstmals einheitlich digitalisiert vor, was vieles einfacher, schneller und sicherer macht. Und die Entwicklung ist dabei noch lange nicht am Ende.

Was ist bei der Digitalisierung aus Ihrer Sicht noch alles möglich?

Bönsch: Wir haben in den letzten Jahren unheimlich viel Energie und Aufwand in die Digitalisierung und das Produktdatenmanagement gesteckt. Das ist ein riesiges Projekt. Dadurch haben wir jetzt erstmalig ein übergeordnetes System für unsere Produktdaten. Dadurch können wir zum Beispiel unseren Webshop direkt mit allen notwendigen Daten versorgen. Ebenso hat sich der Produktdatenaustausch mit dem Kunden stark vereinfacht. Generell wollen wir mit unseren neuen digitalen Lösungen die Beziehungen zu unseren Kunden verbessern. So arbeiten wir gerade an einem Projektmanagement-Tool, in das wir unsere Kunden mit einbeziehen können. Dort sollen dann alle Projektinformationen zum Beispiel Blog-Funktionen und Fotos ausgetauscht werden können.

Wie verändert die Digitalisierung die Beziehung zu den Kunden?

Bönsch: Die Digitalisierung ist und bleibt Innovations- und Technologietreiber Nummer eins und das hat klare Auswirkungen auf unsere Produkte. Das Grundgefüge bleibt aber immer das gleiche. Mit „total productivity solutions“ legen wir den Fokus ganz klar auf die Produktivität unserer Kunden. Dies kann ein reines Katalogprodukt oder aber ein Sonderwerkzeug sein. Bei den Sonderwerkzeugen arbeiten wir an einem Konfigurator, der es unserem Außendienst einfacher machen soll, mit dem Kunden das notwendige Werkzeug zu erstellen. Wir möchten dahin kommen, dass nach dem Kundengespräch das Werkzeug schon zu 90 Prozent fertig ist und der Kunde sofort ein Angebot und eine Werkzeugzeichnung bekommt. Zudem hätte unsere Fertigung sofort alle notwendigen CNC-Programme und Stücklisten vorliegen. Dies würde unsere Lieferzeiten noch einmal deutlich verkürzen.

Zu den reinen Werkzeugen bieten wir zudem noch, wie wir es in Folge unserer neu aufgestellten Geschäftsbereiche nennen, „digital productivity solutions“ an. Damit sind wir in der Lage, die gesamte Fertigung eines Kunden zu optimieren, um letztendlich die Werkstückkosten zu reduzieren. Das funktioniert nur noch mit digitalen Methoden. Denn neben den richtigen Werkzeugen muss man sich dabei auch das Fertigungskonzept anschauen. So kommen wir immer mehr in die Produktionssteuerung mit rein.

Wird sich dieser Digitalisierungs-Trend auch auf dem EMO-Messestand bemerkbar machen?

Bönsch: Auf jeden Fall. Wir werden mit Toolscope etwas ganz Neues wagen. Wir werden zur EMO eine Version vorstellen, die das System für viele Kunden noch interessanter machen wird. Im Speziellen wollen wir damit die vielen kleinen Unternehmen ansprechen, für die die bisherigen Systeme vielleicht zu umfangreich sind.

Zudem werden wir selbstverständlich auch bei den Werkzeugen eine ganze Reihe von Neuheiten präsentieren. So wird zum Beispiel bei den Reibwerkzeugen eine Lösung mit Wendeschneidplatten vorgestellt werden, die in der Handhabung stark vereinfacht sein wird. Das Werkzeug muss dann nach der Montage nicht mehr überschliffen werden. Weiterhin werden wir eine komplette Reihe an CBN-Wendeschneidplatten mit einem optimierten Substrat vorstellen. Ebenso werden wir bei den additiv gefertigten Werkzeugen ganz neue Lösungen präsentieren. Das alles macht mich sehr zuversichtlich, dass die EMO sehr gut werden wird.

Komet Group GmbH
www.kometgroup.com

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