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Andreas Kordwig: Alles zwischen Spindel und Maschinentisch

Andreas Kordwig, Leiter Produktmanagement, WNT Deutschland GmbH
„Alles zwischen Spindel und Maschinentisch“

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WNT ist vielen als die Werkzeug-Vertriebstochter der Ceratizit-Gruppe bekannt. Allerdings haben die Allgäuer bedeutend mehr im Angebot. Wie den universellen Tauchfräser Monster-Mill PCR Uni, den Wechselkopfbohrer WTX-Change Feed oder die Werkzeugbeschaffungslösung Tool-Supply-24/7. Wie diese und andere Lösungen in Kempten entstehen, erklärt Andreas Kordwig, Leiter Produktmanagement bei WNT. Das Interview führte: Frederick Rindle

mav: Herr Kordwig, Sie sind 2014 von der Konzernmutter Ceratizit in Reutte nach Kempten gewechselt und haben hier bei WNT die Verantwortung über das Produktmanagement und die technischen Trainings übernommen. Wie beeinflusst Ceratizit die Produktentwicklungen bei seiner Vertriebstochter?

Kordwig: Seit 1988 gehört WNT jetzt schon zur Ceratizit-Gruppe, die rund 6000 Mitarbeiter beschäftigt. Ceratizit ist damit der viert größte Hartmetallhersteller der Welt. Durch diese Beziehung ist WNT das einzige Kataloghaus für Zerspanungswerkzeuge, das einen direkten Zugriff auf die gesamte Prozesskette in der Herstellung von Zerspanungswerkzeugen hat. Besonders ist dabei vor allem der direkte Kontakt zur F&E-Abteilung in der Metallurgie.

Liegt dann hier in Kempten der Schwerpunkt in der Werkzeugentwicklung beim Substrat?

Kordwig: Nein, das kann man so sicher nicht sagen. Bei unseren Werkzeugen sind Substrat, Beschichtung und Geometrie optimal auf einander abgestimmt und nicht voneinander zu trennen. Unter diesen drei Faktoren haben wir keinen echten Schwerpunkt. Allerdings ist bei uns das Substrat-Wissen sicherlich weit höher als bei anderen Kataloghäusern.

Der WNT-Katalog enthält rund 50 000 Produkte aus den Bereichen Fräsen, Drehen, Bohren, Gewinden und Spanntechnik. Hat man als Vollsortimenter noch einen Fokus auf eine bestimmte Bearbeitungsart?

Kordwig: Rund 40 Prozent unserer Produkte sind Fräswerkzeuge. Von daher sind wir sowohl bei den Mono- als auch bei den Wendeplattenwerkzeugen ein eher fräslastiges Unternehmen. Im Grunde genommen bieten wir aber alles zwischen Spindel und Maschinentisch und haben mit über 50 000 Produkten für die Zerspanung das wohl umfangreichste Portfolio auf dem Markt, das zudem zu 99 Prozent sofort verfügbar ist.

Hat sich WNT auf eine bestimmte Branche fokussiert?

Kordwig: WNT kümmert sich traditionell um die Bedürfnisse der klein- und mittelständischen Betriebe und hat sich somit bei dieser Kundenklientel einen Namen gemacht. Durch die Zusammenlegung der Business Units von Ceratizit und WNT ist es uns nun möglich, auch große OEM-Projekte zu betreuen. Hierzu werden wir unsere Anwendungstechnik neu aufstellen, um auch die im Projektgeschäft notwendigen Bauteillösungen nicht nur in Reutte, sondern auch hier im Haus oder beim Kunden erarbeiten zu können. Zudem wollen wir uns auch maschinenseitig für die notwendigen Tests an den Kundenbauteilen verstärken. Selbstverständlich werden wir uns somit auch mit dem Thema Sonderwerkzeuge verstärkt beschäftigen.

Gibt es bei den Lohnfertigern eine Branche, die besonders beratungsintensiv ist?

Kordwig: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Bei vielen unserer Kunden ist der Firmeninhaber morgens Produktionsleiter, tagsüber Vertriebsleiter und abends Beschaffungsleiter, und darauf haben wir unser Vertriebs- und Servicepaket perfekt abgestimmt. Alle unsere Vertriebsmitarbeiter haben Maschinenerfahrung und können den Kunden mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite stehen. Die Kunden nutzen unser Knowhow unter anderem, wenn sie Bauteile aus Materialien fertigen müssen, mit denen sie eher selten konfrontiert werden oder wenn generell Optimierungsbedarf bei ihren Anwendungen besteht.

Wie viele der im Katalog angebotenen Werkzeuge sind eigentlich WNT-eigene Produkte?

Kordwig: Ich bin stolz darauf sagen zu können, dass rund 50 Prozent der Katalog-Werkzeuge der letzten drei Jahre unter maßgeblicher Mitarbeit des Produktmanagements von WNT entwickelt worden sind. Die meisten Werkzeuge kommen als grundsätzliche Idee zu uns ins Haus. Diese werden dann mit dem Produktmanagement zusammen hier getestet, und in fast allen Fällen führen die daraus resultierenden Verbesserungsvorschläge schließlich zu einem besseren Werkzeug und schlussendlich zu einem Werkzeugprogramm.

Womit beschäftigen sich Ihre Kollegen momentan beim Thema Fräsen?

Kordwig: Es sind vor allem die neuen Werkstoffe, die uns beim Fräsen immer mehr herausfordern. Zwar wird der Anteil der Bauteile aus Stahl auch in Zukunft der bedeutendste bleiben, allerdings steigt die Anzahl der Werkstücke zum Beispiel aus Leichtbauwerkstoffen permanent. Gerade bei den Aluminiumlegierungen oder den Faserverbundwerkstoffen sind die Beschichtungen besonders gefordert. Ebenso werden dort besondere Anforderungen an die Werkzeugsubstrate gestellt.

WNT hat vor rund eineinhalb Jahren auch eine Werkzeuggeneration zum trochoidalen Fräsen vorgestellt. Wie wurden die Fräser bislang von Ihren Kunden nachgefragt?

Kordwig: Das trochoidale Fräsen gewinnt auch bei uns immer mehr an Bedeutung. Bei großen Zeitspanvolumen und Eingriffstiefen von mindestens 2xD sind wir mit unseren CCR-Schaftfräsern sehr erfolgreich unterwegs. Zur EMO werden wir hierzu auch ein neues Werkzeug mit einem kleinen Spanbrecher auf den Markt bringen. Prinzipiell ist das trochoidale Fräsen für uns zu einer Standardanwendung geworden.

Sie beschäftigen sich in letzter Zeit aber auch noch mit einem anderen Thema – dem Langdrehen, oder?

Kordwig: Das ist richtig. Erstmals in der Unternehmensgeschichte haben wir uns vorgenommen, einen eigenen Unterkatalog extra für das Langdrehen auf den Markt zu bringen. Diesen können sich interessierte Kunden auf der EMO kostenlos vorbestellen. Der Erscheinungstermin ist für November angesetzt.

Gibt es denn so viele Unternehmen, die sich mit dem Langdrehen beschäftigen, dass sich das lohnt?

Kordwig: Das Langdrehen ist ein sehr spezifischer Markt. Für diese Experten ist ein Standard-Katalog mit 50 000 Artikeln einfach uninteressant. Wir wollen aber unsere Kunden auch in diesem Segment optimal unterstützen und haben von daher einen eigenen Katalog mit rund 600 Seiten nur zum Thema Langdrehen aufgesetzt. Zusätzlich sind wir hier mit einem führenden Maschinenhersteller eine Partnerschaft eingegangen, um unsere eigenen Werkzeuglösungen auch in Zukunft weiter verbessern zu können.

Zur EMO wird WNT zudem mit dem Tauchfräser Monster-Mill PCR Uni, dem Hochvorschubfrässystem HFC 19, der neuen Dragonskin-Sorte DPX2245, der Werkzeugbeschaffungslösung Tool-Supply-24/7, dem Hochleistungsbohrer WTX-Ti, dem Wechselkopfbohrer WTX-Change Feed und der Werkzeugaufnahme mit Plananlage BT-FC noch viele innovative Produkte aus den unterschiedlichsten Bereichen vorstellen. Was sind Ihre persönlichen Highlights?

Kordwig: Schwierig, aber für mich sticht der WTX-Change Feed bei unseren Neuheiten etwas heraus. Es ist das erste dreischneidige Wechselkopfsystem am Markt und allen zweischneidigen Wechselkopfsystemen deutlich überlegen. Im Vergleich zu den zweischneidigen Varianten konnten wir im Test mit über 30 Prozent höheren Vorschubwerten (vf=876 mm/min) fahren und damit Bearbeitungszeiten extrem reduzieren. Auch im Vergleich zu dreischneidigen Monowerkzeugen ist der WTX-Change Feed wirtschaftlicher, denn durch seinen austauschbaren Wechselkopf werden Anschaffungskosten reduziert.

Was die Werkzeugbeschaffung angeht, ist die Tool-Supply-24/7-Lösung das WNT-rundum-sorglos-Paket. Ich glaube, dort sind wir der Benchmark. Wir sind zwar nicht der größte Werkzeugschrankanbieter, aber unser Paket ist einmalig. Unser Werkzeugschrank mit der Tool-Supply-24/7-Lösung stellt für den Kunden ein 100 Prozent disponiertes Konsignations-Lager dar, das heißt, die Ware bleibt Eigentum von WNT, bis sie entnommen wurde. Dadurch entstehen dem Kunden keine Beschaffungs- beziehungsweise Lagerkosten und er muss sich auch keine Gedanken um eine etwaig anfallende Werkzeugbestellung machen. Mit dem Werkzeugausgabesystem hat der Anwender stets alle Werkzeuge in der richtigen Menge zur Verfügung. Mehr Vorteile kann man dem Kunden nicht bieten

WNT Deutschland GmbH
www.wnt.com
EMO
Halle 5 Stand B70

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