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Winfried Geiger, Vice President Sales & Marketing, MAG IAS GmbH spricht mit der mav über die Herausforderung Elektromobilität

Winfried Geiger, Vice President Sales & Marketing, MAG IAS GmbH
„Wir sehen eine Tendenz zur Normalisierung im 4. Quartal“

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Winfried Geiger, Vice President Sales & Marketing, MAG IAS GmbH.Bild: MAG IAS
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Die zur FFG-Gruppe gehörende MAG IAS GmbH gehört zu den führenden Lösungsanbietern für Aufgaben in der Fräsbearbeitung für Turnkey-Fertigungssysteme. Auch aufgrund seiner Automotive-Affinität steht das Unternehmen aktuell vor gewaltigen Herausforderungen. Winfried Geiger erläutert im Gespräch mit der mav, wie der Weg in die Zukunft aussehen könnte. Das Interview führte: Holger Röhr

mav: Wie groß ist der Automotive-Anteil bei MAG IAS?

Geiger: Wir haben uns in diesem Jahr das Ziel gesetzt, den Anteil der OEM auf 40 % zu reduzieren. Hintergrund sind die Krise bei Verbrennungsmotoren und die unentschlossene Haltung bei der Investition in E-Mobilitäts-Produktion.

Welche Rolle spielt aktuell die Elektromobilität?

Geiger: Da die Hinwendung zur E-Mobilität nicht nur den Antrieb sondern den gesamten Fahrzeugaufbau beeinflusst, wird das für unsere Produktionskonzepte ein entscheidender Wendepunkt. Die Absatzzahlen bei den OEM sowie Zulieferern für bestehende Lösungen liegen weit hinter den Erwartungen. So hat MAG für das Statorgehäuse eine einzigartige Technologie zur EMO präsentiert, bei der das Ausspindeln der äußerst dünnwandigen Werkstücke mittels BAZ und Sonderwerkzeug umgesetzt wird. Der entscheidende Vorteil dieser Lösung ist in der Kompensation der verschiedenen Spannlagen zu sehen, die zu optimalen Ergebnissen der Koaxialität zwischen Lager und Hauptlagerbohrung führt. Erste Projekte für die Zulieferindustrie wurden bereits umgesetzt.

China fährt aktuell die Subventionen für E-Fahrzeuge zurück, um sie in naher Zukunft auslaufen zu lassen. Glaubt die Regierung im Reich der Mitte nicht mehr recht an eine elektromobile Zukunft?

Geiger: Es ist von hier aus schwer zu beantworten, wie sich die chinesische Wirtschaft einstellt. Wir können feststellen, dass derzeit die Anfragenqualität in Bezug auf Verbrennungsmotoren nach dem Covid Shutdown deutlich nach oben geht. Das könnte die Theorie stützen, ist aber zu früh um sich als Trend zu bestätigen.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität weltweit ein?

Geiger: In der Elektromobilität gibt es nach wie vor Defizite im Individualverkehr wie Reichweite und Ladeinfrastruktur, die einen Durchbruch oder eine größere Substitution von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verhindern. Dies wird sich in Europa nach der Krise durch die staatliche Förderung deutlich verbessern, aber einen größeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Die Entwicklung von Serienfahrzeugen liegt daher im Bereich der Hybride. Eine strukturelle Verbesserung der vollelektrischen Fahrzeuge sehen wir potenziell in der Brennstoffzelle.

Welche Entwicklungen treibt MAG IAS im Bereich E-Mobilität voran?

Geiger: Unser Portfolio „Neue Generation“ geht speziell die Herausforderungen in der E-Mobilität an. Mit dem neuen 5-Achs Universal-Bearbeitungszentrum Specht 550 NG mit Linearmotoren und Fanuc-Steuerung sind wir der einzige Anbieter, der die erforderlichen Prozesse auf einem Bearbeitungszentrum mit Kompensation in allen Achsen realisieren kann. Mit unseren Partnern für Werkzeugtechnologie haben wir Lösungen entwickelt, die deutlich bessere Bearbeitungsergebnisse erzielen.

Welche Kunden aus dem Bereich E-Mobiltät können Sie mir nennen?

Geiger: MAG ist als Turn-Key-Lieferant mit allen namhaften OEM und Tier 1 in der Entwicklungsphase beteiligt um für die Herausforderungen der Werkstücke die entsprechenden Technologien zu entwickeln. Dies konnten wir bereits 2019 auf der EMO erfolgreich präsentieren. Die Nachfrage ist derzeit durch den noch schleppenden Absatz in der E-Mobilität auf geringem Niveau. Jedoch können wir flexibel die Produktionen mit unseren Kunden hochfahren oder erweitern.

Sind in diesem Bereich wichtige neue Kunden gewonnen worden?

Geiger: Wir konnten einen der führenden Hersteller für E-Motoren gewinnen und bauen die Zusammenarbeit im Tier 1 und 2 Bereich aus. Gießereien kommen vermehrt mit der Anforderung auf uns zu, Gesamtlösungen vom Guss bis hin zur Montage aus einer Hand zu liefern.

Wie sieht die Situation aktuell bei den Verbrennern aus?

Geiger: Wie erwartet, sind nur noch wenige Produktionsanläufe am Markt vorhanden. Im Bereich der Verbrennungsmotoren sehen wir die Tendenz zu Retooling und Kapazitätserweiterung der vorhandenen Linien. Innerhalb der MAG-Gruppe haben wir die direkte vertriebliche Kundenbetreuung enger mit unseren Servicespezialisten zusammengeführt um den Kundenanforderungen auf den Gebieten der Neumaschinen und des Retoolings umfassend nachkommen zu können.

Werden neue Linien aufgebaut? Wie ist hier die Auftragslage?

Geiger: In der klassischen Kopf-/Block-Anlagenbeschaffung ist es, wie zu erwarten, zu einer Stagnation von Neuanfragen gekommen. Jedoch konnte MAG im vergangenen Jahr erstmals sehr erfolgreich im Antriebsstrang und Getriebebau Lösungen anbieten und umsetzen. Eine deutliche Belebung der Nachfrage konnten wir im Truck-Business feststellen. In der zweiten Jahreshälfte rechnen wir mit ersten Auftragseingängen.

Welche technologischen Entwicklungen treiben das Geschäft bei den Verbrennern?

Geiger: Hier sehen wir technologisch kaum noch Herausforderungen seitens unserer OEM-Kunden. Die bestehenden Anforderungen können wir derzeit vollumfänglich abdecken.

Was bedeutet dies für Ihr Produktportfolio?

Geiger: Den fehlenden Volumina im Systemgeschäft begegnen wir durch neue Baureihen von Universalmaschinen, flexibler Automation und aktuell neuen Maschinen in der Schwerzerspanung.

Die Anforderungen an schnellere, flexiblere Lösungen und Projekte mit kleineren Volumen erfordern eine Restrukturierung des Unternehmens sowie der Produktion unter Berücksichtigung der traditionellen Qualität, die Kunden von uns erwarten.

Gehen Sie davon aus, dass das Geschäft mit Werkzeugmaschinen zur Herstellung von Komponenten für Verbrennungsmotoren weltweit bereits den Zenit überschritten hat?

Geiger: Wenn man die VDW-Zahlen nimmt, müssen wir davon ausgehen. Wir sehen aber auch die Chance, uns in neuen Märkten erfolgreich zu erweitern.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf das Werkzeugmaschinengeschäft bei MAG IAS?

Geiger: Einen sehr hohen, da es die Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen verstärkt. Trotzdem ist es uns bisher gelungen, ohne Schließung der Produktion diese Zeit zu überstehen. Unsere eingeleiteten Maßnahmen, schon bei Beginn der Pandemie, haben gewirkt. Zusammen mit dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung konnten wir alle Herausforderungen, durch Einsatz von Homeoffice-Strategien und Schichtarbeit meistern. Wir gehen zurzeit davon aus, dass der Shutdown bei unseren OEM Kunden zu einer Verschiebung der Entscheidungen von 3–6 Monaten geführt hat.

Ab wann gehen Sie von einer weitgehenden Normalisierung der Lage aus?

Geiger: Derzeit sehen wir eine Tendenz zur Normalisierung im 4. Quartal. Die verlorenen 6 Monate an Auftragseingang werden wir nicht kompensieren können und somit werden die weiteren Auswirkungen uns über die nächsten zwei Jahre beschäftigen. Hier sind wir unserem Inhaber aus Taiwan sehr dankbar. Unser Chairman steht von der ersten Sekunde an zum Unternehmen und unterstützt uns professionell.

MAG IAS GmbH
Salacher Str. 93
73054 Eislingen/Fils

Aktuelle Verteilung der Auftragseingänge nach Branchen Grafik: MAG IAS
Globale PKW-Produktion, Prognose bis 2027 Grafik: IHS Market (Feb. 2020)

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