Klasse schafft Masse

Mehrspindeltechnologie optimal genutzt

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Was zeichnet den deutschen Mittelstand aus? Ein Besuch bei der Firma Richard Moser KG Präzisionsdrehteile im schwäbischen Bubsheim beantwortet diese Frage anschaulicher, als so manche wissenschaftliche Untersuchung. Kein Zufall dabei, dass diese deutsche Erfolgsgeschichte eng mit dem Schweizer Drehmaschinenhersteller Tornos verwoben ist.

„Wenn du auf dem Heuberg, der Hochburg des Drehens, erfolgreich sein willst, musst du besser sein als alle anderen“, diese Einstellung treibt Richard Moser, den Geschäftsführer der Richard Moser KG Präzisionsdrehteile, an. Als er den elterlichen Betrieb im Jahr 1993 übernahm, hatte er vier Mitarbeiter und zehn Maschinen. Heute arbeiten 140 Spezialisten und 100 Drehmaschinen, davon 50 Mehrspindler, für sein Unternehmen.

Dieser sagenhafte Aufstieg hat mehrere Gründe. Zum einen setzt Moser von Anfang an konsequent auf neueste Technologien. Dies scheint ihm in die Wiege gelegt zu sein. Sein Vater und sein Onkel waren mit die ersten, die die Mehrspindeltechnologie auf den Heuberg brachten. Die Erfahrungen damit haben Richard Moser geprägt und auf diesem Gebiet ist er ganz vorne mit dabei. Komplexe Werkstücke aus anspruchsvollen Werkstoffen in höchster Qualität in großen Serien, das sind seine Stärken. Daraufhin ist das Team und der Maschinenpark der Moser Präzisionsdrehteile ausgelegt. Stolz schwingt mit, wenn Enrico Barbagallo, ein junger Projektplaner bei Moser, erklärt, „wir fertigen Teile auf unseren Mehrspindlern, an die sich sonst kaum einer herantraut“.

Die Automobilindustrie, einer der Hauptabnehmer von Moser, ist derzeit auf der Suche nach neuen, hochfesten Materialien, um Teile für das Motormanagementsystem zu optimieren. „Deshalb verarbeiten wir vermehrt hochlegierte Stähle, die teilweise bis zu 18 000 Euro pro Tonne kosten“, führt Enrico Barbagallo weiter aus. Hier ist insbesondere beim Rüsten jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt. Dabei kommen die Erfahrung und Flexibilität des jungen Teams voll zum Tragen. „Wenn es brennt, rüsten wir einen Mehrspindler in zwei bis drei Stunden“ Bei Erstmustern werden die Mehrspindler bei Moser auch für 100 Teile gerüstet, in der Serie lohnen sich bei Moser auf Mehrspindlern auch Stückzahlen von 20 000 Teilen. Diese Schnelligkeit und Flexibilität wissen die Kunden zu schätzen und halten dem Unternehmen über viele Jahre die Treue.

Askmo heißt das Zauberwort

Um kurz auf die Eingangsfrage zurückzukommen, unternehmerischer Mut ist eine der Eigenschaften, die Richard Moser auszeichnen. „Ich habe den Vorteil, dass ich, mit Ausnahme meiner Frau Sandra, die aktiv im Unternehmen mitarbeitet, niemanden um Erlaubnis fragen oder mich mit irgendwelchen Gremien abstimmen muss“, betont Richard Moser. Deshalb werden oft gewaltige Investitionsentscheidungen kurzfristig und unkonventionell getroffen.

So zum Beispiel um die Jahrtausendwende. Industrie 4.0 war damals noch nicht geboren, als Sandra und Richard Moser entschieden, wir brauchen ein neues ERP-System. Anstatt auf bereits vorhandene Lösungen großer Softwareanbieter zu setzen, ließen sie sich ein eigenes System programmieren, stellten IT-Fachleute ein und profitieren heute von einem einzigartigen System. Da jede Maschine mit dem System verknüpft ist, hat Moser stets alle Fertigungsaufträge aktuell im Blick.

Allein die Hardwareausrüstung aller Maschinen kostete rund eine halbe Million Euro. Dafür liefert Askmo aktuelle Informationen zu den Fertigungszeiten, Maschinenauslastungen und Fertigungsmengen. Im Warenfluss ist der Fertigungsstatus der Ware jederzeit ersichtlich, so dass jeder Mitarbeiter dem Kunden sofort über den Status seiner Bestellung Auskunft geben kann. Alle Dokumente und die jeweils aktuelle Fertigungszeichnung sind im System hinterlegt, die Erstmuster, 8-D-Reporte, APQP und Prozessabläufe ebenfalls integriert.

„Ich konnte schon 2004 beim Schilaufen auf dem Handy nachsehen, ob alle Maschinen laufen“, freut sich Richard Moser. Ein weiterer Vorteil von Askmo ist, dass es jederzeit mit dem Wachstum des Unternehmens Schritt hält. Da die Programmierung firmenintern erfolgt, sind zusätzliche Fea-tures und Veränderungen jederzeit möglich.

Eine dauerhafte Verbindung

Seit sein Vater und sein Onkel im Jahr 1968 die erste Tornos-Mehrspindeldrehmaschine, eine AS 14, gekauft haben, besteht eine enge, partnerschaftliche Beziehung zwischen Moser und dem Schweizer Drehmaschinenhersteller. Von der SAS 16, dem Nachfolgermodell, ist Richard Moser heute noch begeistert und bedauert, dass diese Maschinen nicht mehr gebaut werden. „Diese Qualität, Produktivität und Zuverlässigkeit sind heute nur noch selten zu finden.“

Es freut ihn aber, dass Tornos mit der MultiDeco und der neuen MultiSwiss an die Tradition anknüpfen konnte. Diese Maschinen sind nahezu so produktiv wie die SAS, aber natürlich wesentlich flexibler. Insbesondere die MultiSwiss hat es Richard Moser angetan. Er hat sie 2011 zum ersten Mal auf der EMO gesehen und spontan als erster Kunde gekauft.

Vor wenigen Wochen wurde die 300ste Maschine, die Tornos von diesem Typ gebaut hat, an ihn ausgeliefert und hat seinen Bestand auf derzeit 15 MultiSwiss ergänzt. Die nächsten drei hat Richard Moser bereits bestellt und trägt damit weiter zum Siegeszug dieses Modells bei.

Dem Markt dem Stempel aufgedrückt

Die MultiSwiss ist eine echte Revolution im Mehrspindler-Segment und hat dem Markt ihren Stempel aufgedrückt. Sie ging im Jahr 2011 an den Start, als die Mehrspindeltechnologie noch als sehr komplex galt, und ist heute für ihre erstklassige Ergonomie und Bearbeitungsleistung bekannt. Konzipiert als Lösung, die die Lücke zwischen Mehrspindel- und Einspindeldrehmaschinen schließen soll, verfügt die MultiSwiss 6×16 über sechs Spindeln. Die Spindeltrommel wird dabei mittels Torquemotortechnologie positioniert. Die Taktzeiten dieser schnellen Lösung reichen an die von kurvengesteuerten Mehrspindel-Drehautomaten heran.

Dank der hydrostatischen Lagerung erreicht die MultiSwiss hervorragende Oberflächengüten (Ra 0,15) und eine extreme Laufruhe selbst bei schwierig zu bearbeitenden Werkstoffen. Zudem zeichnet sie sich durch eine beachtliche Werkzeugausstattung aus. Im Gegensatz zu manchen anderen Anwendern findet Richard Moser auch die Kompaktheit der Maschine mit ihren 1,5-m-Stangen perfekt.

Doch vor allem braucht man kein Experte für Mehrspindeldrehmaschinen zu sein, um die MultiSwiss 6×16 zu programmieren. Sie lässt sich kinderleicht einrichten und in Betrieb setzen und wird einfach wie sechs Maschinen mit zwei linearen Achsen programmiert. Diese Bedienerfreundlichkeit und perfekte Ergonomie sind es, die Enrico Barbagallo begeistern, in denen Sandra Moser aber einen kleinen Wermutstropfen sieht: „Wer einmal auf der MultiSwiss gearbeitet hat, möchte am liebsten auf keiner anderen Maschine mehr arbeiten.“

Keine Angst vor der Zukunft

Die Drehteileindustrie steht derzeit vor großen Herausforderungen. Die geopolitischen Verwerfungen, der Umbruch in der Automobilindustrie, neue Technologien und der konjunkturelle Rückgang werden auch in dieser Branche ihre Spuren hinterlassen. Doch anstatt ins Lamentieren zu verfallen, packt Richard Moser weitere Tugenden des deutschen Mittelstands aus der Tasche. Hohes technisches Verständnis, Weitsicht und Optimismus.

In einer Zeit, in der einige Wettbewerber ihre Ausgaben zurückfahren, investiert Moser konsequent in die Verbesserung seiner Prozesse und Abläufe. Durch ein spezielles Energieeffizienzprogramm erwartet er über die nächsten Jahre beachtliche Einsparungen. Damit wurde beispielsweise die Kühlung der Maschinen an ihre Auslastung gekoppelt, der Wärme-/Kühlkreislauf geschlossen und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert.

Eine weitere Maßnahme ist die Integration vor- und nachgelagerter Prozesse wie Härten, Beschichten etc. in die eigene Wertschöpfungskette. Zudem wurde in ein Restschmutzlabor sowie in mehrere Sauberräume investiert. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, die spezifischen Kundenanforderungen zu erfüllen.

Diese Stärken werden auch von Kunden außerhalb Deutschlands wahrgenommen und Moser liefert mittlerweile auch an zahlreiche Kunden in Europa und Übersee. Sogar ein chinesischer Kunde befindet sich unter den Abnehmern von Werkstücken aus Bubsheim. Er hatte zwar vor einigen Monaten versucht, die Fertigung in China zu realisieren, ist aber letztendlich doch bei Moser geblieben. Dies bestärkt Richard Moser in seiner Strategie. Er wird seinen Weg als Hightech-Unternehmen mit flachen Hierarchien und mutigen Entscheidungen weiter gehen. Tornos wird dabei mit Sicherheit ein Partner an seiner Seite sein.

Zur Website der Richard Moser KG

Zur Website von Tornos Technologies Deutschland GmbH

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