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Dr. Achim Feinauer, Geschäftsführer Stama

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Dr. Achim Feinauer, Geschäftsführer Stama

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„Performance Efficiency Per Square Meter“ (PEPS), seit der Fräs-Dreh-Zentren-Spezialist Stama vor gut einem Jahr mit dieser umfassenden Losung antrat, die eigenen Maschinen zu optimieren, hat die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen weltweit wieder zugenommen. Im Gespräch mit mav erläutert der Stama Geschäftsführer Dr. Feinauer, warum PEPS erfolgreich ist und wie es auch die eigene Maschinenproduktion bei Stama verändert hat.

Das Interview führte Holger Röhr

mav: Seit Ende 2009 geht es wieder bergauf in den spanenden Betrieben. Wie hat sich das Geschäft seither für Stama entwickelt?
Feinauer: Bei uns hat es bis Januar, Februar 2010 gedauert. Seitdem läuft es wieder rund, und seit etwa einem Jahr haben wir einen starken Anstieg bei den Auftragseingängen.
mav: Welche Branche treibt das Wachstum am stärksten?
Feinauer: Die Automobilindustrie ist aktuell mit Abstand unser wichtigster Abnehmer. Noch vor wenigen Jahren war unsere Kundenverteilung 40 Prozent Automotive, 40 Prozent Werkzeughersteller und 20 Prozent Hydraulik, Medizintechnik und allgemeiner Maschinenbau. Aktuell liegen wir bei 75 Prozent Automotive.
mav: Wie sieht es mit der regionalen Verteilung der Auftragseingänge aus?
Feinauer: Besonders auffallend ist, dass ein Drittel aller Aufträge aus China kommen. 90 Prozent dieser Aufträge sind Turn-Key-Projekte für die Automobilindustrie.
In Europa sieht es bei weitem nicht so gut aus. Deutschland ist das einzige europäische Land mit starker Maschinennachfrage. Knapp die Hälfte aller Aufträge kommen aus unserem Heimatmarkt.
mav: Auch wenn die Aufträge an sich erfreulich sind, letztlich hat damit die Abhängigkeit von der Automobilindustrie wieder zugenommen?
Feinauer: Es ist nach wie vor unser Ziel, auf drei Beinen zu stehen. Automotive, Werkzeughersteller und alle sonstigen Branchen. Die Werkzeughersteller hatten ihre Kapazitäten bereits vor der Krise stark ausgebaut. Daher war hier der Bedarf bislang noch nicht so ausgeprägt. Aber die ersten Hersteller haben schon wieder Maschinen bei uns bestellt. Ich gehe davon aus, dass dieser Anteil an den Aufträgen bald wieder zunehmen wird.
mav: Wie erklären Sie die starke Nachfrage der Automobilhersteller und Zulieferer?
Feinauer: Der Automotive-Bereich ist aus zwei Gründen auf neue Maschinen angewiesen. In Europa treiben technische Neuerungen die Investitionen, der Zwang zur CO²-Reduktion, Entwicklungen bei den Turboladern und noch einige weitere Dinge. In China ist es nach wie vor der Ausbau der Fertigungskapazität, um den wachsenden Bedarf der Bevölkerung zu decken, der für starke Maschinennachfrage sorgt.
mav: Seit etwa einem Jahr spricht man bei Stama von „PEPS“. Wofür genau steht dieses Akronym?
Feinauer: PEPS steht für „Performance Efficiency Per Square Meter“. Im Wortsinn betrachtet es zwar vordergründig die Baugröße, hat aber in gleichem Maße die Verfügbarkeit, Umrüstflexibilität, Bedienbarkeit und Servicefreundlichkeit der Zentren im Fokus. Hinter „PEPS“ steckt also die ganzheitliche Betrachtung eines Fertigungsprozesses mit besonderem Fokus auf erbrachte Leistungseffizienz pro Quadratmeter Fertigungsfläche. PEPS berücksichtigt dabei alle wichtigen Komponenten, die in der Entscheidungsfindung für eine Fertigungslösung einfließen. Das sind: Ergonomie, Haupt- und Nebenzeiten, Energie- und Flächenbedarf, Service- und Wartungszeiten, Investition sowie die Anzahl Spindeln und die Anzahl Werkstücke im Arbeitsraum.
mav: Können Sie den Kundennutzen noch konkreter veranschaulichen?
Feinauer: Ich nenne einmal zwei Beispiele: Wir erreichen bei den bisher nach den PEPS-Leitlinien konstruierten Maschinen eine Platzeinsparung von 30 bis 40 Prozent.
Der Quadratmeter Produktionsfläche kostet in Europa circa 800 Euro, in China immerhin 650 Dollar, Tendenz steigend. Diese Platzeinsparung ist für den Kunden also selbst dann bares Geld wert, wenn er eine neue Fertigung auf der grünen Wiese plant.
PEPS heißt aber zum Beispiel auch, dass wir im konkreten Fall bei einer Maschine mit zwei Fahrständern statt einer ungeregelten Kühlmittelpumpe jetzt je Fahrständer eine geregelte einsetzen. Damit spart der Anwender etwa 70 Prozent der Kühlmittelenergie.
mav: Auf der letzten AMB hat Stama mit dem doppelspindligen Fräs-Dreh-Zentrum MC-726/MT2C die erste Maschine vorgestellt, die nach den von Ihnen geschilderten Kriterien optimiert wurde. Wie war die Resonanz der Kunden seither?
Feinauer: Wir haben bereits einige Maschinen dieses Typs an unsere Kunden, im In- und Ausland im Auftrag. Einige einzelne Maschinen wurden an kleinere Unternehmen verkauft. Damit sind wir sehr zufrieden. Auch in Zukunft sehen wir noch viel Potenzial für diese Maschine.
mav: Wie geht es weiter, werden in Zukunft alle neuen Maschinen entsprechend optimiert?
Feinauer: Die PEPS-Kriterien sind Konstruktions- und Entwicklungsleitlinien, die in jede neue Entwicklung einfließen.
Zur EMO werden wir die größere Schwester der MC-726/MT2C vorstellen. Eine zweispindlige Maschine für die Bearbeitung von Futterteilen bis 400 Millimeter Durchmesser, die nach genau diesen Kriterien konstruiert wurde.
mav: Welche weiteren Neuheiten wird Stama auf der EMO vorstellen?
Feinauer: Neben der genannten Maschine werden wir einen Vierspindler vorstellen, der mit unseren eigenen neuen Motorspindeln ausgerüstet ist. Wir stellen fest, dass viele unserer Kunden, die mit dem Doppelspindler einen Produktivitätsvorteil von 30 Prozent realisieren, sich in Zukunft auch einen Vierspindler zutrauen.
mav: Sie sprachen von neuen eigenen Motorspindeln, heißt das, dass Stama die eigene Fertigungstiefe erhöht hat?
Feinauer: Wir haben schon lange eine eigene Spindelfertigung. Die relative Ruhe der Krise haben wir aber genutzt, uns in allen Bereichen unserer Fertigung und Montage neu aufzustellen. Dabei galten die gleichen Leitlinien, die wir mit dem PEPS-Konzept auf unseren Maschinen verfolgen. Allein in der Spindelfertigung konnten wir die Durchlaufzeit um 50 Prozent verringern und unsere Produktion verdoppeln. Torque-Antriebe und Motorspindeln, die wir früher zugekauft haben, fertigen wir jetzt selber.
In der Maschinenmontage konnten wir die Durchlaufzeit um über 20 Prozent verkürzen und benötigen dabei 20 Prozent weniger Fläche als vorher. Dies sind alles Aspekte, die uns helfen, schnell auf den starken Auftragseingang zu reagieren.
Wenn uns etwas bremst, dann sind es Verzögerungen bei der Beschaffung einzelner Bauteile aufgrund steigender Lieferzeiten.
mav: Welche Rolle spielen alternative Antriebskonzepte bei Ihren strategischen Überlegungen? Würde e-Mobility stark zunehmen, so fielen eine Menge zerspanter Teile im Bereich Motor und Antriebsstrang weg?
Feinauer: Das Thema ist für uns noch relativ weit weg. Aktuell nimmt der Bedarf an Zerspanung zu, weil der weltweite Automobilabsatz steigt und weil neue Modelle kommen. Zudem wird die zerspanungstechnisch anspruchsvolle Turboladertechnik in großer Breite umgesetzt. Selbst wenn e-Mobility wichtiger wird, gehe ich davon aus, dass zunächst der Anteil an Hybridfahrzeugen zunimmt. Außerdem ist abzusehen, dass es beim Elektroauto neue Herausforderungen für die Zerspaner geben wird, zum Beispiel beim Fahrwerk.
mav: Planen Sie in Zukunft neben dem Drehen und Fräsen weitere Technologien wie Laserhärten oder Schleifen in Stama-Maschinen zu integrieren?
Feinauer: Nein, derartige Überlegungen gibt es bei uns nicht.
mav: Sie arbeiten an Konzepten, um die Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe zu verbessern. Wird es dazu auf der EMO eine Neuvorstellung geben?
Feinauer: Wir arbeiten an einer entsprechenden Technologie und machen momentan Versuche mit einem Prototypen. Wir werden aber zur EMO noch kein daraus abgeleitetes Produkt vorstellen. Aufgrund der hohen Nachfrage nach unseren Maschinen müssen wir uns im Moment stärker darauf konzentrieren, den aktuellen hohen Maschinenbedarf unserer Kunden zu decken.
„Ein Drittel unserer Aufträge kommen aus China. 90 % davon sind Turn-Key-Projekte in der Automobilindustrie!“
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