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Harry Junger, Geschäftsführer, Gildemeister Drehmaschinen GmbH

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Harry Junger, Geschäftsführer, Gildemeister Drehmaschinen GmbH

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Vor einem Jahr haben DMG und Mori Seiki ihre Vertriebs- und Serviceaktivitäten in Deutschland zusammengelegt. Die deutsch- japanische Zusammenarbeit bringt neue Produkte hervor. Welche Neuentwicklungen dadurch angestoßen wurden und welche Highlights auf der AMB zu erwarten sind, erläutert Harry Junger, Geschäftsführer der Gildemeister Drehmaschinen GmbH, ein Werk des Gildemeister-Konzerns.

Das Interview führte Dr. Frank-Michael Kieß

mav: Ein Jahr ist vergangen seit dem ersten gemeinsamen Messeauftritt von DMG und Mori Seiki auf der EMO 2011. Wie hat die Kooperation die Weiterentwicklung Ihrer Produktlinien seitdem beeinflusst?
Junger: Wir haben Mori Seiki-Produkte auf DMG übertragen – etwa die Großdrehmaschinen NT6600 oder die kleinere, eher auf Medizintechnik fokussierte Dreh-Fräsmaschine NTX1000. Diese Maschinen haben wir mit unseren Eigenheiten wie der Siemens-Steuerung und dem DMG-Design versehen. Auch wurde die horizontale Fräsmaschine NHX4000 in Pfronten etabliert.
mav: Die erwähnten Großdrehmaschinen sind unter den Bezeichnungen CTX delta 4000 TC und CTX delta 6000 TC eingeführt worden. Warum jetzt die Namensänderung?
Junger: Wir haben die Maschinen zunächst als Arrondierung der CTX-Serie nach oben positioniert. Aber dann haben wir uns anders entschieden. Wenn eine Maschine einen klaren Ursprung hat, dann wollen wir den Namen beibehalten. Sie wird von uns mit der Siemens-Steuerung und der DMG-Software im DMG-Design angeboten, aber der Name NT6600 bleibt.
mav: Wie beurteilen Sie den Markt für Großdrehteile?
Junger: Es ist ein Markt, auf dem wir vorher gar nichts anbieten konnten. Wir haben jetzt den Zugang zu vielen europäischen Firmen eröffnet, die eine Siemens-Steuerung verlangen. Ein lokaler Hersteller, der traditionell Siemens einsetzt, war da bisher im Vorteil. Leider sind die Investitionen im Energiebereich – dort werden diese Maschinen bevorzugt eingesetzt – in Europa im Moment nicht so stark wie zum Beispiel in China, wo das Geschäft sehr gut läuft.
mav: Und wie sieht es mit Russland aus?
Junger: Russland ist für Großmaschinen auch ein Markt mit Potenzial. Ähnlich sieht es in den USA aus, wo dieser Maschinentyp im Bereich Ölfeld zum Einsatz kommt.
mav: Welche Produkte hat Mori Seiki im Gegenzug von DMG übernommen?
Junger: Mori Seiki hat Einstiegs-Dreh- und -Fräsmaschinen der Ecoline-Baureihe übernommen und diese mit seiner Mapps-Steuerungsoberfläche und dem Mori Seiki-Design ausgestattet. Sie werden unter der Bezeichnung Dura eco vermarktet. Ansonsten ist nach wie vor ein breites Produktportfolio beider Firmen vorhanden …
mav: … mit entsprechend großen Überlappungen?
Junger: Im Fräsbereich ergänzen wir uns gut, im Drehbereich gibt es ein paar Überlappungen. Im Markt stellt das allerdings gar kein Problem dar, weil wir unterschiedliche Kundenanforderungen bedienen. Mori Seiki etwa bekennt sich zur – in Europa seit vielen Jahren nicht mehr eingesetzten – Flachführung, DMG zur Wälzführung. Mori Seiki setzt steuerungsseitig auf Mitsubishi/Mapps und Fanuc, wir auf Siemens und Heidenhain. Mori Seiki puscht die Direktaufnahme, wir den VDI-Werkzeughalter.
mav: Mit den Synergien in der Produktion ist es dann ja wohl nicht so weit her …
Junger: Etablierte Produkte umzukonstruieren, nur um irgendeine andere Baugruppe zu integrieren, wäre nicht besonders effektiv. Aber natürlich wollen wir künftig auf Baugruppenebene und bei Zukaufteilen Synergien erzielen. Bei Nachfolgemodellen und Neuentwicklungen steht das mit im Fokus, und wir haben auch gemeinsame Arbeitsgruppen, die sich damit beschäftigen. Die Milltap – übrigens die erste gemeinsame Neuentwicklung von Mori Seiki und DMG – wird in Europa, China und Japan gefertigt und erhält Gusskomponenten aus China.
mav: Der Zielmarkt der Milltap dürften große Fertiger von Elektronikkomponenten sein. Gibt es auch Einsatzchancen in Europa?
Junger: Durchaus, auch wenn der Fokus zunächst eher auf Asien liegt. Die Maschine eignet sich für einfachere Werkstücke, die in größeren Serien in Europa produziert werden, auch für kleinere Zulieferbetriebe. Es ist eine sehr schnelle Maschine – von der Werkzeugwechselzeit her die schnellste, die wir im Moment haben.
mav: Haben Sie durch die Kooperation mit Mori Seiki zusätzliches Geschäft generiert?
Junger: Etwa in Amerika, wo Mori Seiki sehr stark ist, hat DMG profitiert. Aber auch in Südostasien und Japan haben wir zusätzliche Geschäfte generieren können.
mav: Und was gewinnt Mori Seiki in Europa?
Junger: In Europa sind wir auf der EMO 2011 mit der Vertriebskooperation gestartet und nutzen zunehmend Synergiepotenziale. Seit dem 1. April 2012 arbeitet die Koopera- tion in allen europäischen Märkten mit Ausnahme von Russland mit gemeinsamen Vertriebs- und Service-Gesellschaften. Durch das engmaschige Vertriebs- und Servicenetz können wir die Kunden von DMG / Mori Seiki in den europäischen Ländern besser und schneller betreuen. Das ist ein gravierender Vorteil.
mav: Japan ist ein schwieriger Markt für deutsche Maschinenhersteller. Hat DMG dort durch die Kooperation mit Mori Seiki punkten können?
Junger: Japan ist in der Tat ein geschlossener Markt, und für erfolgreiche Eintritte europäischer Hersteller gibt es nur wenige Beispiele. DMG profitiert vorrangig im Fräsbereich, da haben wir durch die Kooperation einen viel besseren Zugang.
mav: Sind Finanzierungsservices für Maschinenhersteller künftig ein Muss?
Junger: Ab einer gewissen Größe auf jeden Fall. Sie brauchen auf der einen Seite Absatzförderung, indem sie Finanzierung mit anbieten, auf der anderen Seite ein funktionierendes Gebrauchtmaschinengeschäft, um die Rücknahme zu garantieren und so den Kreislauf zu schließen.
mav: Wie stärkt Gildemeister sein Geschäft im Wachstumsmarkt Automobil?
Junger: Wir haben Key Accounts für Automobilkunden aufgebaut, haben uns auf Produktthemen wie das Vertikaldrehen fokussiert. Unsere Maschinen stehen am Anfang weltweiter Prozessketten. Wir sehen Wachstumschancen auch in der Aerospace- und Medizintechnik.
mav: Was können wir zur AMB von DMG / Mori Seiki erwarten?
Junger: Mit der Neuentwicklung Sprint 50 haben wir in diesem Jahr eine Marke gesetzt im Bereich Automaten-Produktionsdrehen. Die Maschine hat auf der Metav debütiert, auf der Hausausstellung in Bielefeld haben wir die nächste Ausbaustufe mit drei Werkzeugträgern gezeigt, und auf der AMB werden wir die Maschine mit drei Werkzeugträgern und B-Achse präsentieren. Ein weiteres Highlight ist das Horizontal-Bearbeitungszentrum NHX 5000 von Mori Seiki in der Ausführung mit Siemens-Steuerung. Daneben wird es eine Reihe von Ergänzungen in unseren existierenden Produktlinien geben. Außerdem werden wir unsere Technologiezyklen herausstellen.
mav: Welche wirtschaftlichen Signale erwarten Sie von der Messe?
Junger: Gildemeister plant auch in der zweiten Jahreshälfte tendenziell eine Fortsetzung der guten Geschäftsentwicklung. Von der AMB und auch den anderen Herbstmessen – der IMTS in Chicago, der Bimu in Mailand und der Jimtof in Tokio erwarten wir weitere Impulse.
„Von der AMB und den übrigen Herbstmessen erwarten wir weitere Impulse“
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