Zukunftsperspektiven in Serie: Der Vorstand des Vereins für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. im Interview „Die Trends im Visier“

Zukunftsperspektiven in Serie: Der Vorstand des Vereins für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. im Interview

„Die Trends im Visier“

Der Vorstand des Vereins für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. (v.li.): Andree Fees, Dr.-Ing. Michael Schaal, Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Mathias Liewald und Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Schulze
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Der Verein für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. (ZoZ) beschäftigt sich seit seiner Gründung vor vier Jahren mit zukünftigen Produktions- und Zerspanungsprozessen. Dabei wurden innovative Wege beschritten und neue Denkansätze kreiert. Die mav sprach mit dem Vereinsvorstand über abgeschlossene und noch zu realisierende Projekte.

Autor: Frederick Rindle
mav: Wie kommt es, dass führende Unternehmen aus dem Zerspanungsumfeld gemeinsam mit Universitätsinstituten einen Verein gründen?

Fees: Unsere Vereinsmitglieder haben sich in der Vergangenheit regelmäßig auf den einschlägigen Branchen-Veranstaltungen, wie dem Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium oder der Werkzeugtagung in Schmalkalden getroffen. Dort ist man sich einig geworden, dass man in Süddeutschland ein Netzwerk, also einen Verein braucht, der vor Ort die Interessen der Zerspanungsbranche vertritt. So ist es ein Ziel des Vereins, mit eigenen Veranstaltungen einen Schwerpunkt im Zentrum der Zerspanung, im Süden Deutschlands zu schaffen. Ebenso hat der Verein die Aufgabe, sich mit der Zerspanung in einer zukunftsgerichteten und prozessübergreifenden Sichtweise zu beschäftigen. Es gilt also, Trends aufzunehmen, über den Tellerrand zu schauen und so neues Wissen den Mitgliedern des Netzwerkes zur Verfügung stellen.
mav: In Ihrer Mitgliederliste finden sich Anwender wie die Daimler AG und Hersteller von Werkzeugmaschinen und deren Ausrüstung. Wie passt das zusammen?
Schulze: Das Ziel, einen Wissenstransfer stattfinden zu lassen, soll über die gesamte Prozesskette umgesetzt werden. Das heißt, vom Werkzeug über die Komponenten und die Werkzeugmaschine bis eben hin zum Anwender. Es soll der gesamte Prozess beleuchtet werden. Damit ist der Verein offen für kleine Lohnfertiger sowie OEMs.
Fees: Bei einer effektiven Prozessbetrachtung ist jeder Baustein innerhalb der Kette mit einer bestimmten Wertigkeit versehen. Wenn ein Teil fehlerhaft ist, funktioniert der ganze Prozess nicht. Unser Ziel ist es daher, alle Beteiligten der Prozesskette in dem Verein zu vereinen.
mav: Welche Motivation hatten ihre Mitglieder, dem Verein beizutreten?
Fees: Bei der Fülle der Themen, die im Bereich der spanenden Fertigung auf die Firmen zukommen, ist den meisten Unternehmen bewusst, dass sie dies nicht alleine bewerkstelligen können. Ein eigenfokussiertes Herangehen an die Probleme der Kunden führt dazu, dass man den Gesamtüberblick verliert und so keine umfassenden Lösungen anbieten kann. Der Verein arbeitet in einem vorwettbewerblichen Bereich, um sich grundlegende Aspekte neu anzuschauen.
Schulze: Das Problem, dass man nicht über den Tellerrand schaut, gibt es zweifelsohne nicht nur in der Wirtschaft. Gerade in der Forschung ist es für uns ein Ansporn, in Kooperationen mit anderen Disziplinen grenzüberschreitende Lösungen und Ergebnisse zu erarbeiten. Es gilt, durch Anregungen von außen immer wieder weiter zu denken – und ein so großes Netzwerk bringt dort jede Menge Dynamik.
mav: Welche Trendthemen werden momentan in dem Verein bearbeitet?
Schulze: Im Bereich der Minimalmengenschmierung sind wir mit einem breiten Spektrum an Themen unterwegs. Auch der Bereich schwerbearbeitbare Werkstoffe ist im Fokus der Untersuchungen. Ebenso beschäftigen wir uns mit dem vornormativen Bereich, etwa mit Zertifizierungsthemen. Wir werden auch vermehrt das innovative Knowhow unserer Mitglieder einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Und so wird es ab der Ausgabe 01/02 2016 der mav jeden Monat eine innovative Entwicklung eines unserer Mitglieder zu lesen geben.
mav: Gibt es denn schon konkrete Ergebnisse?
Fees: Im Bereich der MMS sind bislang Vorstudien entstanden, bei denen wir Messergebnisse präsentieren können, die allen Beteiligten einen völlig neuen Blickwinkel auf die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse eröffnet. In diesem Projekt haben wir unsere interdisziplinären Ansprüche umgesetzt.
Schulze: Hier kam dem Verein zu Gute, dass man an den Hochschulen auf ein sehr breites Spektrum an Messtechnik zugreifen kann – auch außerhalb der Produktionstechnik.
Schaal: Um etwas konkreter zu werden: Wir haben mit den Kollegen aus der Strömungslehre zusammen, erstmals das Verhalten der Aerosole in den Kühlkanälen bestimmt. Zuvor kamen hier nur einfachere Methoden wie Sprühbilder oder Masse-Messungen zum Einsatz. Das so gewonnene Bild war allerdings bekanntermaßen fehlerhaft und spiegelte das reale Strömungsverhalten des Fluids nicht wider. In dem nun umgesetzten Projekt kam erstmals die Laser-Doppler-Anemometrie (LDA) zum Einsatz. Damit ist jetzt bekannt, wie sich die Partikel in Bezug auf Größe, Geschwindigkeit und Dichte in dem eingesetzten Medium verhalten. Das war so vorher niemandem klar.
mav: Haben Sie schon weitere Projekte im Köcher?
Fees: Technologisch wollen wir uns weiter mit der Kühlung beschäftigen und uns Themen wie die kryogene Kühlung oder die Trockenbearbeitung näher anschauen. Darüber hinaus wollen wir die Möglichkeiten bei den schwerzerspanbaren Werkstoffen weiter ausloten. Vereinspolitisch geht es natürlich auch darum, neue Mitglieder zu gewinnen, um das Netzwerk weiter zu vergrößern.
Schulze: Dabei sind wir uns sicher, dass der Wissenstransfer zwischen den Universitäten und den Mitgliedsfirmen in Zukunft noch reibungsloser stattfinden wird, da auch sicherlich der ein oder andere Instituts-Mitarbeiter in die Industrie wechseln wird.
Verein für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. www.zukunftsorientierte-zerspanung.de

Die Gesprächspartner
Andree Fees, Vorsitzender des Vereins für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V. (ZoZ) und Leiter Forschung und Entwicklung bei der Firma HPM Technologie GmbH.
Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Schulze, stellvertretender Vorsitzender und Institutsleiter Fertigungs- und Werkstofftechnik des wbk Institut für Produktionstechnik sowie Institutsleiter des Instituts für Angewandte Materialien – Werkstoffkunde, beide am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Dr.-Ing. Michael Schaal, Geschäftsführer und Akademischer Mitarbeiter Zerspanungstechnologie am Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) an der Universität Stuttgart.

Verein für Zukunftsorientierte Zerspanung e.V.

Am 4. Oktober 2011 wurde der Verein „Zukunftsorientierte Zerspanung e.V.“ (ZoZ) in Stuttgart gegründet. Vorrangiges Ziel des Kompetenznetzwerkes ist die ganzheitliche Betrachtung zukünftiger Produktions- und Zerspanungsprozesse unter den Gesichtspunkten Energieeffizienz, Ressourcennutzung und Wechselwirkungen zwischen Prozess und Maschine. Gemeinschaftliche Produktentwicklungen und die Durchführung von Forschungsprojekten, das Erarbeiten von Grundlagenwissen, der Knowhow- und Informationstransfer, der Aufbau von neuen Geschäftsfeldern sowie der Zugang zu neuen Märkten und Dienstleistungen sind weitere Mehrwerte für die Vereinsmitglieder.
Die Mitglieder:
Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG, Daimler AG, Ernst Graf GmbH, Gühring KG, Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH, HPM Technologie GmbH & Co. KG, Komet Group GmbH, Kristen + Görmann oHG, MAG Europe GmbH, Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH, SKF Lubrication Systems Germany AG, W. Mauch Consulting & Engineering, Walter AG.
Forschungseinrichtungen:
Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) Universität Stuttgart, Institut für Produktionstechnik (wbk) Karlsruher Institut für Technologie KIT, Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, Industrial Technologies (ITE) Hochschule Furtwangen.
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