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„Ziel ist die Vollintegration des Roboters in die Maschine“

Ralf Winkelmann, Geschäftsführer Fanuc Deutschland GmbH
„Ziel ist die Vollintegration des Roboters in die Maschine“

Die Corona-Pandemie hat den Automatisierungsdruck in der Fertigungsindustrie weiter erhöht. Wie Fanuc die Einstiegshürde für kleine und mittelständische Unternehmen senken will, welche Rolle dabei die Integration von Werkzeugmaschine und Roboter spielt und welche Bedeutung Cobots zukommt, verrät Deutschland-Geschäftsführer Ralf Winkelmann.

Das Interview führte: Armin Barnitzke

mav: Hat die Corona-Pandemie für Fanuc als Automatisierungsspezialisten neues Geschäft gebracht?

Winkelmann: Natürlich. Corona hat gezeigt: Überall da, wo arbeitsintensive Vorgänge stattfinden und Menschen ein wichtiges Element sind, konnte die Pandemie diese Prozesse unterbrechen. Gerade in der Logistik, wo Menschen oft noch viel und schwer heben müssen, hat das dazu geführt, dass man darüber nachdenkt, wie man die Mitarbeiter entlasten kann und zugleich sicherstellt, dass die Abläufe weiter funktionieren. Die Lösung ist Automation.

Nur in der Logistik?

Winkelmann: Nein. Jeder produzierende Betrieb sollte sich die Frage stellen, wie Abläufe verbessert werden können. Der Einsatz von Industrierobotern in zentralen Bereichen der Produktion ist dabei ein ganz wichtiges Element, auch um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Betriebe dauerhaft zu sichern und nicht von langen Lieferketten abhängig zu sein.

Hat Corona also in klassischen Betrieben wie der Metallverarbeitung, etwa bei Lohnfertigern, der Automation und dem Kollegen Roboter einen Schub gegeben?

Winkelmann: Wir sehen ganz klar den Trend, dass sich kleine Unternehmen wie Lohnfertiger mit Automation beschäftigen und sich Gedanken machen, wie sie mit dem Fachkräftemangel umgehen. Die kleinen Unternehmen profitieren auch davon, dass die Einstiegshürden in die Automation immer niedriger werden. Nehmen Sie zum Beispiel unseren Leichtbau Cobot CRX. Der lässt sich intuitiv bedienen und braucht keine langen Roboterschulungen. Der CRX und die Pandemie haben definitiv dazu geführt, dass sich viele KMU jetzt mit Robotik beschäftigen und prüfen, wie sie Roboter einsetzen können.

Was sind die Hauptpluspunkte des CRX? Die einfache Bedienung? Was ist das Alleinstellungsmerkmal des CRX gegenüber den vielen anderen Cobots am Markt?

Winkelmann: Ein wichtiger Punkt beim CRX ist unsere gewohnte Industriequalität. Der Cobot ist nicht umsonst acht Jahre wartungsfrei einsetzbar. Zudem haben wir unser Know-how aus der industriellen Robotik auf den Cobot übertragen. Er ist also auch für klassische Industrieroboteranwendungen nutzbar, wie etwa das Kleben oder Schweißen. Ein ganz wichtiges Plus ist nicht zuletzt ganz klar die einfache, grafisch orientierte Bedienung via Tablet, bei der man aber auch nahtlos zwischen der einfachen grafischen Bedienung und der gewohnten Industrieroboter-Bedienung hin und herspringen kann. Wer sich mit Fanuc auskennt, findet sich auch beim CRX 1:1 wieder. Wir sprechen also zwei Gruppen an: die Neueinsteiger ebenso wie die Kunden, die sich bereits in der Fanuc-Welt auskennen.

Soll die einfache Bedienung des CRX Stück für Stück auch für die anderen Industrieroboter kommen? Wie sind hier Strategie und Zeitplan?

Winkelmann: Wir schauen uns die Erfahrungen, die wir mit dem CRX sammeln, und das Kunden-Feedback ganz genau an und werden dann in Ruhe entscheiden, was wir vom CRX in der Industrierobotik weiterführen wollen. Einen konkreten Zeitplan gibt es dafür jedoch noch nicht.

Wie soll sich der CRX weiterentwickeln: Weitere Modelle? Mehr Funktionen wie Vision?

Winkelmann: Wenn die Kunden möchten, dass wir die CRX-Palette nach oben und unten ausweiten, dann werden wir das tun. Was die Funktionen angeht: Unsere Funktionen aus dem Industriebereich wie integrierte Vision oder integrierte Kraft-Momenten-Sensorik kann man jetzt bereits 1:1 beim CRX einsetzen. Das ist ja unser großer Vorteil: Wir fangen nicht mit einer zweiten Cobot-Säule bei null an, sondern können dem CRX unsere bewährten Industriefunktionen mitgeben.

Werden Sie trotzdem ihre anderen kollaborativen Roboter, die grünen CR-Roboter, weiter vorantreiben? Oder liegt der strategische Schwerpunkt auf CRX?

Winkelmann: Die grünen CR-Roboter bleiben natürlich weiter im Portfolio. Denn CR-Roboter und CRX-Cobot ergänzen sich prima. Die CR-Roboter haben den Vorteil, dass sie auch höhere Gewichtsklassen für den industriellen Einsatz bis 35 kg tragen können, während der CRX ein expliziter Leichtbauroboter ist.

Bei vielen großen Robotik-Playern wie Kuka oder ABB steht derzeit der Mittelstand besonders im Fokus. Wie wollen Sie KMU adressieren? Gibt es besondere Initiativen?

Winkelmann: Wir haben beispielsweise ein Guide Book erstellt, das Robotik-Einsteigern mit Leitlinien weiterhilft. Entscheidend ist aber, dass auch KMU den gleichen Anspruch an den Service haben wie große Unternehmen. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben: Alle Kunden sollen den gleichen guten Service bekommen, mit den gleichen schnellen Reaktionszeiten und Ersatzteil-Verfügbarkeiten. Das wird von unseren kleinen Kunden sehr geschätzt. Nah beim Kunden – das ist unser Motto.

Einfacher wird der Robotereinsatz an der Werkzeugmaschine ja auch durch die Integration von Robotik und CNC-Steuerung. Wie kommt Fanuc da voran?

Winkelmann: Wir haben uns schon frühzeitig darauf fokussiert, die Nutzung mehrerer Fanuc-Produkte beim Kunden zu vereinfachen und Synergien besser zu nutzen. Für automatisierungswillige Maschinenbetreiber wollen wir die Nutzung des Roboters an der Werkzeugmaschine vereinfachen. Mit QSSR – das steht für Quick & Simple Start-up of Robotization – kann der Bediener den Roboter aus seiner bekannten CNC-Welt heraus bedienen und programmieren. Das reicht von der einfachen Parametrierung bis hin zur Bewegungsprogrammierung mit G-Code. Weitere Funktionen haben wir im Remote Motion Interface zusammengefasst, damit der Maschinenbediener den Roboter aus der Maschine heraus steuern kann, ohne sich auf die Roboter-Ebene bewegen zu müssen.

Gilt das nur für Fanuc-Steuerungen?

Winkelmann: Nein. Wir sind grundsätzlich sehr offen. Über das PLC Motion Interface kann man unseren Roboter beispielsweise auch aus der Beckhoff- oder Siemens-SPS ansteuern. Das werden wir weiter ausbauen.

Wollen Sie dann künftig ganz auf die Robotersteuerung verzichten? Wird der Roboter dann direkt aus der CNC heraus gesteuert?

Winkelmann: Man muss das differenziert sehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Robotersteuerung nicht verschwinden wird. Es geht ja auch um die Modularität und Funktionalität des Gesamtsystems. Wenn man alle komplexen Funktionen auf ein System reduziert, wird die Komplexität zu groß. Wichtig ist meines Erachtens vor allem, dass der Robotereinsatz keine spezielle Fachkenntnis beim Maschinenbediener voraussetzt. Auch die Flexibilität ist ein Thema, wenn man den Roboter einmal anderswo als an der CNC-Maschine einsetzen will.

Welche Rolle spielt für Maschinenhersteller die Roboterintegration bei der Auswahl ihres Steuerungslieferanten? Können Sie auch mit Ihrer CNC-Steuerung punkten?

Winkelmann: Ja. Gerade angesichts der Erfahrungen mit der Pandemie fällt es Maschinenbauern leichter, eine Maschine zu verkaufen, wenn man das Thema Automation gleich mit abdecken kann. Wenn ein Maschinenbauer eine Fanuc-CNC nutzt, kann er das Thema Robotik sehr gut mit abdecken und die Maschine mittels Plug & Play samt integrierter Automatisierungslösung anbieten.

Wie läuft bei Fanuc aktuell das Geschäft? Zieht es wieder an?

Winkelmann: Ja. Unser Auftragseingang in Deutschland hat sich seit Jahresanfang sehr gut entwickelt – über alle Produktlinien hinweg. Denn durch die Corona-Lockdowns sind viele Projekte liegen geblieben und es gibt aktuell einen großen Nachholbedarf. Daher werden gerade viele Bestellungen getätigt. Die große Frage ist aber: Wie geht es weiter? Das hängt auch davon ab, ob die Industrie Themen wie ihre Logistikketten samt fehlender Produktionskapazitäten sowie den Rohstoffmangel in den Griff bekommt. Wenn ja, werden wir einen nachhaltigen Aufschwung bekommen. Aber wenn nicht, dann besteht die Gefahr, dass sich der gerade abzeichnende Aufschwung wieder umkehrt. Ganz abgesehen davon: Wir befinden uns weiter mitten in einer Pandemie, deren Ende nicht wirklich abzusehen ist.

Fanuc investiert in Neuhausen in ein neues Technikum; kürzlich war Spatenstich. Müssen Sie bei Fanuc in der Krise nicht sparen?

Winkelmann: Wir müssen uns nicht kaputtsparen, sondern effizient sein. Dank unserer finanziellen Stärke können wir auch in Krisenzeiten antizyklisch investieren, um dann gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Das stellen wir mit dem Neubau unter Beweis.

Und warum investiert Fanuc so massiv in Europa?

Winkelmann: Wir sind hier in Neuhausen einfach sehr nah am Puls der Zeit – denn Deutschland ist und bleibt der Innovationsmotor im Herzen Europas. Um diesen Puls der Zeit und die Anforderungen und Wünsche der Kunden noch besser aufzunehmen, bauen wir unsere technische Support-Organisation für Europa und unser europäisches Entwicklungszentrum (EDC) aus. Wir wollen die Wünsche der europäischen Kunden aufnehmen und so schnell wie möglich umsetzen. Und das geht am besten, wenn wir bei Fanuc Europe alle Zentralfunktionen in Sachen Technik in Neuhausen bündeln.

Was genau soll im EDC passieren?

Winkelmann: Der Markt verändert sich immer schneller – und damit auch die Anforderungen der Kunden. Um den Kreislauf aus „den Kunden zuhören und dafür die passenden Lösungen entwickeln“ klein und schnell zu halten, haben wir hier vor Ort bereits 2017 das EDC gegründet. Das EDC ist Teil unserer Hauptentwicklungsabteilung in Japan, wo unsere Kernentwicklungen stattfinden. In Neuhausen arbeiten wir darüber hinaus gemeinsam mit den Kunden an weiteren Anpassungen, um konkrete Lösungen voranzubringen.

Fanuc Deutschland GmbH
www.fanuc.de
EMO Halle 7 Stand E02

Fanuc Deutschland GmbH
Bernhäuser Straße 36
D-73765 Neuhausen a.d.F.
Telefon: +49 (0)7158 1282–0
Email : marketing@fanuc.eu
Internet: www.fanuc.eu/de/de

 



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