Erodier-Durchsatz um ein Drittel gesteigert

Robotik, Montageautomation

Erodier-Durchsatz um ein Drittel gesteigert

Derzeit werden über das Robot System Li- near von Erowa die Draht- und Senkerodiermaschine bestückt. Demnächst soll in die Anlage aber auch noch die Messmaschine integriert werden
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Mit der Investition in die neue Senkerodiermaschine Agie Charmilles Form 3000 GP plante das Tuttlinger Unternehmen Türk+Hillinger als Anbindung zunächst ein Robot Multi ERM-Beladesystem von Erowa. Während der Entscheidungsphase wurde aber das Arbeitsaufkommen so groß, dass man die Fertigungsautomationssoftware von Zwicker eingeführt hat und das Teilespektrum nur noch mit dem Robot System Linear von Erowa als Anbindung an die Senk- und Drahterodiermaschine bewältigt.

Die Teile wurden immer größer. Auf der vorhandenen Senkerodiermaschine konnte man deshalb nur tagsüber arbeiten, weil die Teile größer als das Becken waren. Außerdem war die Maschine auch in Sachen Leistung nicht mehr zeitgemäß. Markus Kummerländer, verantwortlich für das Erodieren bei Türk+Hillinger, hatte allerdings bereits Erfahrung mit Automatisierungslösungen, und so kam es, dass man sich in Tuttlingen damit beschäftigte. Aus der anfänglich geplanten größeren Senkerodiermaschine mit integriertem Elektrodenwechsler wurde so ein Robot System Linear mit entsprechendem Rotary Magazin von Erowa, das nun auch die Drahterodiermaschine bestückt.

Die Initialzündung für diese Idee geschah allerdings bereits 2010. Man hatte da schon auf der kleinen Senkerodiermaschine ein UPC-Handlinggerät aufgebaut. Dadurch kam es zu enormen Zeiteinsparungen – die Maschine konnte mehr ausgelastet werden. Auf Grund dieser Erfahrung kamen die Verantwortlichen schnell zu dem Ergebnis: Wenn man automatisiert, dann sollte man es richtig machen und auf die Linearzelle setzen. Dabei wird auch berücksichtigt, dass in Zukunft eventuell noch eine Draht- und Senkerodiermaschine zusätzlich eingebunden werden kann.
Seit Mai 2011 ist die Anlage nun in Betrieb, und Kummerländer sieht sich in der Entscheidung bestätigt: „Was Erowa angeht, bin ich durch die Vielfältigkeit und die einfache Bedienung ein Überzeugungstäter. Das ist echter Maschinenbau, für das Schwenken der Paletten brauche ich keine Extrastation, und beim Lesen der Chips muss man nicht jedes Werkstück, jede Elektrode einzeln anfahren. Bis zu 270 Elektroden oder kleine Werkstücke werden im Rotary Magazin innerhalb von 30 Sekunden identifiziert. Das ist natürlich ein großer Zeitvorteil. Ein anderer Punkt ist, dass ich für die Elektroden keinen Doppelgreifer brauche, weil der Linear Robot durch seine Stabilität Werkstücke mit sehr hohen Geschwindigkeiten bewegt.“
Zusammenfassend war es sicher die Produktivität und Flexibilität, die man sich mit dem Robot System Linear ins Haus holen wollte. Obwohl man sich in der Lernphase befindet und noch ohne integrierte Messmaschine arbeitet, lässt sich die Effizienz bereits in Zahlen ausdrücken: Die Maschinen laufen nachts und am Wochenende. Das bringt bislang 27 Prozent mehr an Serienteilen. Mit der anstehenden Integration der Messmaschine rechnet man dann mit 35 bis 36 Prozent mehr Durchsatz. Weitere Reserven stecken hier allerdings auch noch in der Auslastung der neuen Senkerodiermaschine.
Erleichterung statt Jobkiller
Auf Grund dessen, dass bei Türk+Hillinger im Bereich Erodieren 50 Prozent Teilefertigung und 50 Prozent Werkzeugbau abgearbeitet werden, ist natürlich vor allem für die „Schnellschüsse“ hohe Flexibilität gefragt. Das gelingt deshalb, weil man die Langläufer nachts mannlos bearbeitet. Außerdem hat man ein Automatikprogramm geschrieben, mit dem der Nullpunkt auf der Maschine automatisch vermessen wird. War man früher einen Tag damit beschäftigt, Teile von Hand einzulegen, den Nullpunkt aufzunehmen, zu schneiden und das Teil wieder auszuwechseln, geht das heute innerhalb von zwölf Minuten. Man spannt jeweils sieben Werkstücke auf eine Palette, der Rest geschieht automatisch.
Dieses Beispiel macht deutlich, dass man in Tuttlingen in der Automatisierung keinen Jobkiller, sondern vielmehr eine große Erleichterung sieht. Zumal das Auftragsvolumen enorm gestiegen ist und mit der vorhandenen Manpower gar nicht mehr zu schaffen wäre.
Mit der Beweispflicht kein Problem
Dass die Automatisierung, speziell beim Drahterodieren, noch weitere Vorteile brin-gen kann, zeigt Kummerländer an einem konkreten Beispiel auf: „Durch die Möglichkeit einer Einzelpalettierung können wir jetzt auch die Probleme durch eventuelle Kollisionen bei unterschiedlichen Werk-stückhöhen umgehen. Wir packen mehrere Werkstücke in Erowa PSW Rahmen und setzen sie in das Rotary Magazin. Im Anschluss werden die dann nach der JMS Shop-Liste mit dem Linear Robot in die Maschine gewechselt. Das heißt, bislang lief die Maschine bis zu einem gewissen Zeitpunkt nachts. War das Werkstück fertig, stand die Maschine, weil bei un-terschiedlichen Werkstückhöhen wegen einer Kollision des Kopfes kein Werkstück daneben gespannt werden konnte. Mit dem Roboter dagegen kann ich Teile einbringen, wie ich will – die Maschine läuft die ganze Nacht.“
Nun wird speziell die Mehrmaschinenanbindung mit dem Robot System Linear von Erowa mit Zwicker Systems in Verbindung gebracht. Die Software wird auch demnächst im Hause Türk+Hillinger komplett Einzug halten. Es geht aber auch ohne, denn bislang wird der Roboter in Tuttlingen noch über die Maschinensteuerung angesteuert. Freilich ist man mit Zwicker Systems effizienter. Und das ist auch gut so, denn jetzt sind Kummerländer und sein Kollege gegenüber der Geschäftsleitung in der Beweispflicht, dass sich die Investition wirklich rechnet. Damit aber hat er bereits nach den ersten messbaren Erfolgen überhaupt kein Problem.
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