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Im Oktober 2005 erwarb der amerikanische Investor Maxcor den bis dahin zu Thyssen Krupp gehörenden Bereich Metal Cutting und formte daraus mit den weiteren Zukäufen Cincinnati, Lamb und Ex-Cell-O die MAG Industrial Automation Systems. Mit ca. 1,2 Mrd. $ Jahresumsatz zählt das Unternehmen zu den größten Werkzeugmaschinenanbietern der Welt.

Herr Goffaux, Sie sind als Geschäftsführer der MAG Powertrain für die Unternehmen Cross Hüller, Ex-Cell-O und Lamb verantwortlich. Welchen Stellenwert haben diese Unternehmen innerhalb der MAG Industrial Automation Systems?

Goffaux: Unsere Aufgabe ist das Systemgeschäft. Kunde ist in erster Linie die Automobilindustrie. Mit einem Jahresumsatz von ca. 600 Millionen Dollar tragen wir etwa 50% zum Gesamtumsatz der Gruppe bei.
Welche Veränderungen ergeben sich durch den Kauf des Thyssen-Krupp Bereiches Metal Cutting durch den amerikanischen Investor Maxcor?
Goffaux: Bislang waren wir zwar ein großer Hersteller von Werkzeugmaschinen, aber nur ein kleiner Randbereich im Thyssen Krupp Konzern. Die Geschäftsführung hatte bereits vor vier Jahren entschieden, den Werkzeugmaschinenbereich zu verkaufen. Als Maxcor das Unternehmen erwarb, hatte er im April 2005 bereits Cincinnati Lamb in den USA gekauft. Im Oktober folgte der Thyssen Krupp Bereich Metal Cutting und im Januar 2006 schließlich Ex-Cell-O. Inzwischen ist die MAG Industrial Automation Systems mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar einer der größten Werkzeugmaschinenhersteller der Welt.
Welche Strategie verfolgt der Eigentümer Maxcor? Es gibt für einen Investor sicherlich interessantere Unternehmen, als die notorisch renditeschwachen Werkzeugmaschinenhersteller?
Goffaux: Das stimmt, aber unsere Strategie ist klar und einfach, wir wollen die Nummer eins in der Welt werden. Das bedeutet in den einzelnen Märkten sehr nah an unseren Kunden zu sein und es bedeutet, agressiv am Markt aufzutreten. Genau das mache ich nun. Ich besuche persönlich alle wichtigen Kunden und kämpfe um Aufträge.
Der Gründer und CEO der Maxcor Gruppe, Mo Meidar, hat bereits etliche Firmen gekauft und wieder abgestossen. Wie langfristig ist das Engagement in die MAG Gruppe?
Goffaux: Die Anstrengungen Mo Meidars gelten zu 100 % dem Geschäft mit Werkzeugmaschinen. Ich bin überzeugt, dass das Engagement sehr sehr langfristig ist, und unser Eigentümer, sich damit einen Lebenstraum erfüllt hat. Als ausgebildeter Ingenieur betätigt er sich auf einem Feld, in dem er zuhause ist. Es ist ganz sicher nicht geplant, das Unternehmen scheibchenweise wieder zu verkaufen.
Etliche traditionsreiche Hersteller sind im Moment kaum in der Lage, Projekte im Automobilbereich profitabel durchzuziehen. Ex-Cell-O beispielsweise galt bei IWKA als größter Verlustbringer. Wie wollen Sie angesichts des dramatischen Margenverfalls profitabel sein?
Goffaux: 2005 war wirklich ein schwieriges Jahr, aber dieses Jahr läuft bereits sehr viel besser. Unser offensives Auftreten am Markt wirkt sich bereits aus. Wir haben ganz aktuell sehr wichtige Aufträge erhalten. Auch wenn ich noch keine Details nennen kann, es gibt hervorragende Nachrichten bei Ex-Cell-O und bei Cross Hüller. Unser Vorteil zum Beispiel bei der Vergabe von großen Automobilprojekten ist, dass wir globaler aufgestellt sind als der Wettbewerb. Dort, wo wir bislang noch nicht so stark sind, gründen wir neue Landesgesellschaften, so wie aktuell in Indien. Unsere Marktposition ist einzigartig. Vom kleinen Horizontal-Bearbeitungszentrum für 20 000 Dollar bis zum TurnKey Automobilprojekt für 100 Millionen decken wir als Gruppe alles ab. Aber es gibt noch einen wichtigen Unterschied. Unsere Wettbewerber haben Schulden. Nicht selten sind Managemententscheidungen durch Banken beeinflusst. Wir haben Kapitalreserven und sind in unseren strategischen Entscheidungen vollkommen frei.
Was bedeuten der Eigentümerwechsel und die damit verbundenen Umstrukturierungen für die Mitarbeiter in Ludwigsburg und Eislingen?
Goffaux: Zunächst einmal bedeutet so ein Schritt eine Menge Unruhe. Auf der anderen Seite machen wir die einzelnen Unternehmen fit für die Zukunft und sichern so die Arbeitsplätze.
Zunächst einmal wurden in Ludwigsburg aber Mitarbeiter entlassen.
Goffaux: Die schwierigste Periode liegt bereits hinter uns. Speziell hier in Ludwigsburg mussten wir in der Tat Stellen abbauen. Wir haben alle Automobil-Aktivitäten in Eislingen konzentriert. Der LKW-Bereich und Kernkomponenten wie Rundtische werden in Ludwigsburg gefertigt.
Wie wollen Sie die Mitarbeiter dazu bringen, Ihnen bei all den Veränderungen auch zu folgen?
Goffaux: Ich habe in den ersten drei Monaten sehr intensiv mit Mitarbeitern und Betriebsräten gesprochen. Letztlich haben alle eingesehen, was nötig ist, um die Arbeitsplätze hier zu sichern. Meine Botschaft an alle Mitarbeiter ist: denkt kundenorinentiert, sucht die Chancen und realisiert sie.
Tarifverträge und Gewerkschaften engen Ihren Handlungsspielraum doch stark ein?
Goffaux: Das ist in der Tat ein schwieriges Kapitel, aber wir haben auch hier gute Lösungen gefunden. Wir führen die 38 Stunden Woche ein. Im Gegenzug habe ich versprochen, als erstes die deutschen Standorte auszulasten. Erst wenn hier Volllast erreicht ist, kommen Standorte wie Brasilien an die Reihe. Man kann mit einer 35 Stunden-Woche nicht gegen Länder antreten, in denen 60 Stunden gearbeitet wird. Ich begreife die bisher getroffenen Betriebsvereinbarungen auch nicht als Endpunkt, sondern als Beginn einer Entwicklung in die richtige Richtung.
Ist Deutschland für ein global aufgestelltes Unternehmen nicht dennoch schlicht zu teuer?
Goffaux: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland ist die beste der Welt. Deutschland hat die besten Universitäten und die besten Ingenieure und auch die Infrastruktur ist weltspitze. Wir setzen bewusst auf den Engineeringstandort Deutschland und werden Konstruktion und Entwicklung anderer Gruppenmitglieder nach Deutschland verlagern. Cincinnati und Lamb Maschinen werden in Zukunft in Deutschland konstruiert und gefertigt. Wir haben bereits das Lamb Werk in den USA und einen Standort in Großbritannien geschlossen. Die Maschinen des Powertrain Bereiches werden auch in Zukunft in Eislingen und Ludwigsburg hergestellt. Wenn es uns gelingt, unsere Produktion und die Arbeitsplätze in Deutschland zu halten, wird es auch mit der Wirtschaft bergauf gehen. Wenn es eine Sache gibt, die mir als Brasilianer hier auffällt, dann diese: Wenn die Deutschen weniger jammern und mehr arbeiten würden, dann könnten sie statt der Wirtschaftsmacht Nr. 3 die Nr. 1 in der Welt sein.
Was wird denn an den Standorten im Rest der Welt produziert?
Goffaux: Unsere Werke in den USA, China und Korea sind reine Montagewerke, einzige Ausnahme ist Brasilien. Dort sind wir seit 36 Jahren aktiv und produzieren die ganze Palette von Hüller Hille, Cross Hüller und Hessapp.
Was geschieht mit den Zulieferern?
Goffaux: Wir sprechen gerade mit unseren Zulieferern und suchen auch verstärkt nach neuen leistungsfähigen Lieferanten. In der Vergangenheit hatte man sich zu sehr auf bekannte, aber eben auch teure Zulieferer konzentriert. Wir möchten in Zukunft auch neuen Zulieferern eine Chance geben. Sicherlich werden wir mehr Zulieferteile, wie z.B. Gusskomponenten, aus Ländern mit niedrigeren Lohnkosten beziehen.
Was haben Sie in den Bereichen vor, in denen sich die Produktpaletten der einzelnen Unternehmen überlappen? Wird es dort Bereinigungen geben?
Goffaux: Wir gehen davon aus, dass es nur sehr geringfügige eins zu eins Überschneidungen gibt. Jede Maschine hat ihre Stärken. Je nach Anforderungen ist einmal eine Cross Hüller Maschine besser und beim anderen Mal eine Ex-Cell-O. Ausserdem wollen bestimmte Kunden bestimmte Maschinen. Deshalb führen wir alle Maschinenlinien weiter, zugleich entwickeln wir aber langfristig eine neue gemeinsame Plattform.
Gibt es Bestrebungen, Einkauf und Konstruktion in der gesamten MAG Industrial Automation Systems übergreifend zu organisieren?
Goffaux: Nein, hier agieren wir als Powertrain völlig autonom. Im Wesentlichen tauschen wir Informationen aus. Bei bestimmten Standardkomponenten werden wir in Zukunft sicherlich mehr koordinieren als das bisher der Fall ist. Unsere Anlagen selber sind so kundenindividuell, dass eine weitergehende Zusammenarbeit nicht unbedingt sinnvoll ist.
Sind weitere Zukäufe geplant?
Goffaux: Unsere Strukturen und Zuständigkeiten sind jetzt klar geregelt. Ob weitere Zukäufe geplant sind, dazu kann ich nichts sagen. Wir müssen die Entwicklung einfach abwarten. Ich glaube aber nicht, dass wir erfolgreicher sind, wenn unser Bereich noch größer wird.
Welche Geschäftsentwicklung erwarten Sie im Bereich Powertrain in den nächsten Jahren?
Goffaux: Für uns wird 2006 ein sehr gutes Jahr und 2007 wird fantastisch. Unsere Erwartungen werden bereits dieses Jahr übertroffen, wir gehen von über 600 Millionen Dollar Umsatz aus. Mit unserer nun wirklichen globalen Struktur stellen wir fest, dass sich Türen öffnen lassen, die uns vorher verschlossen waren.
„Unser Ziel ist es, als Anbieter von Werkzeugmaschinen, die Nummer eins in der Welt zu werden!“
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