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Matthias Knoll

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Das Bad Saulgauer Unternehmen Knoll Maschinenbau GmbH hat in den letzten Jahren in großem Umfang in die Erweiterung der Fertigungskapazitäten und die Entwicklung neuer Produkte zur Pflege, Aufbereitung und Entsorgung von Kühlschmierstoffen investiert und damit Erfolgsgeschichte geschrieben. In der gegenwärtig angespannten wirtschaftlichen Lage setzt das Unternehmen auf das Mitarbeiter Know-how und die Bearbeitung neuer Märkte.

Das Interview führte Gerd Fahry, stellv. Chefredakteur mav

mav: Die Konjunktur im Werkzeugmaschinenbereich verläuft sehr schleppend. Mit welchen Auswirkungen hat das Unternehmen Knoll zu kämpfen und welche Unternehmenskonzepte setzt man dagegen ?
> > > M. Knoll: Unser Unternehmen bedient mit einer großen Palette an Kühlmittelreinigungs- und Spänetransportsystemen sowie Pumpen die spanabhebende Metall- und Werkzeugmaschinenindustrie. Sicher ist, dass dieser Industriebereich im letzen Jahr zweistellig schrumpfte und auch wir diesen Rückgang zu spüren bekamen. Wir haben uns jedoch rechtzeitig darauf eingestellt und durch unser frühzeitig eingeführtes flexibles Arbeitszeitmodell sowie dem Abbau von Leiharbeit darauf reagiert. Daher konnten wir auch das Geschäftsergebnis im letzten Jahr positiv abschließen und nur das zählt für die Unternehmensentwicklung. Die ersten drei Monate in diesem Jahr verliefen umsatzmäßig noch unbefriedigend, seit April spüren wir jedoch eine Belebung im Auftragseingang. Das stimmt uns optimistisch.
mav: Sie sprachen ein flexibles Arbeitszeitmodell an, was verstehen Sie darunter und wie flexibel ist es?
> > > M. Knoll: Soziales Handeln ist in der von meinem Vater geprägten Firmenphilosophie fest verankert. Gerade in unserer Region, fernab von großen Autobahnen, sind wir von einer stabilen, gut qualifizierten Facharbeiterbelegschaft abhängig. Es ist, glaube ich, ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Verlust von Know-how können, wollen und werden wir uns nicht leisten. So gehört zu den von Geschäftsleitung und Belegschaft getragenen Maßnahmen in dieser Situation u.a. das Reduzieren der wöchentlichen Arbeitszeit von 38 auf 37 Stunden ohne Lohnausgleich und die Ausschöpfung des vereinbarten Arbeitszeitkorridores von plus/minus 100 Stunden.
Das Zurückgreifen auf Leiharbeitskräfte, auch eine Form von Flexibilität, hat uns in Zeiten der überdurchschnittlichen Auftragsflut geholfen, Produktionsspitzen zu beherrschen.
Dieses Potenzial benötigen wir derzeit nicht, so dass wir uns von den Leiharbeitskräften getrennt haben.
mav: Wie hat sich diese Flexibilität auf den eigenen Mitarbeiterstamm ausgewirkt?
> > > M. Knoll: Unser Unternehmen bietet heute fast 500 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz und in erster Linie geht es der Geschäftsleitung um die Erhaltung und Sicherung der Arbeitsplätze. Das in unserem Unternehmen praktizierte betriebliche Arbeitsverhältnis funktioniert seit Jahren, vor allem auch wegen eines aufgeschlossenen, produktiv denkenden Betriebsrates.
Im Übrigen setzten wir ganz bewusst auf die Entwicklung eines eigenen Nachwuchses. 60 Auszubildende, eine Quote, die weit höher als die gesetzlich angestrebte liegt, lernen derzeit bei Knoll und haben seit jeher die Möglichkeit, auch nach der Ausbildung im Betrieb zu bleiben.
mav: Wann kommt aus Ihrer Sicht der Aufschwung?
> > > M. Knoll: Wir haben uns nicht auf quantitatives sprich Umsatzwachstum in diesem Jahr eingestellt. Dafür fehlen die Signale aus Politik und Wirschaft. Dennoch wollen wir dieses Jahr unter dem Strich wieder positiv abschließen.
mav: Wenn es um künftiges Wachstum geht, spricht alle Welt vom Zukunftsmarkt China. Teilen Sie diese Auffassung für ihr spezielles Produktsegment?
> > > M. Knoll: Aus meiner Sicht wird in diesem Wirtschaftsraum in den nächsten fünf Jahren die Post abgehen. Davon habe ich mich auf einer Geschäftsreise vor einigen Wochen selbst überzeugen können. Bei meinen Gesprächen wurde deutlich, dass vor allem deutsche Technologie und der deutsche Qualitätsanspruch nachgefragt werden. Dies wissen natürlich nicht nur wir. Jüngst hat beispielsweise ein namhafter deutscher Werkzeugmaschinenhersteller, zu dessen Kunden auch wir mit unseren Produkten zählen, eine eigene Produktionsstätte in China eröffnet. Unsere Aufgabe als OEM-Lieferant ist es in diesem Zusammenhang, den entsprechenden Service für unsere Produkte in diesem Wirtschaftsraum sicherzustellen. Um in diesem Markt jedoch Fuß fassen zu können, benötigt man einen Partner. Den haben wir uns gesucht und wollen im ersten Step mit unseren Hochdruckpumpen ins Rennen gehen. Komplettsysteme aus unserer gesamten Produktpalette sollen folgen.
mav: Der Service spielt eine immer größere Rolle. Wie realisiert Knoll diese Anforderungen auch unter dem Gesichtspunkt der weltweiten Vermarktung von WZM?
> > > M. Knoll: Wie bereits angedeutet ist der Vor-Ort-Service für eine erfolgreiche Marktbearbeitung außerordentlich wichtig. Ich verstehe darunter neben einem reibungslosen Support für die Produkte auch eine entsprechende Lagerhaltung, um schnell reagieren zu können. Gegenwärtig sind wir neben den wichtigsten europäischen Ländern beispielsweise in den USA, Brasilien, Japan, Korea präsent. Außerdem wollen wir verstärkt in Spanien, einem sich entwickelnden Markt, tätig werden. Wir haben auch erkannt, dass unsere Serienkunden heute sofort und in absoluter Qualität bedient werden müssen. Dies setzt eine neue Art von Vorratswirtschaft voraus. Man benötigt dafür Puffervolumen, um Just in Time auch stundengenau reagieren zu können. Die entsprechende Logistiklösung haben wir mittlerweile parat.
Mav: Welche Trends sind aus Ihrer Sicht gegenwärtig im Umgang mit dem Hilfsstoff KSS zu erkennen.
> > > M. Knoll: Wir sind jetzt über 30 Jahre auf dem Gebiet tätig. Unser Know-how liegt auf den Gebieten Fördern, Filtern und Pumpen von Kühlschmierstoffen und Spänen einschließlich der Auslegung komplexer Anlagen. Wir bedienen den OEM-Markt genauso wie den Endkunden. Im gleichen Maß, wie die Entwicklung der Werkzeugmaschinen und der Auslegung der Zerspanprozesse voranschreitet, müssen wir mit unseren Produkten und Anlagen mitgehen. Zu den Trends gehört heute zweifellos, dass die eingesetzten Kühlschmierstoffe einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Stabilität und der Produktivität des Fertigungsprozesses leisten. Dem haben wir Rechnung getragen und in den letzten Jahren erheblich in Forschung und Entwicklung investiert.
Mav: Können Sie einige Beispiele nennen?
> > > M. Knoll: Schleifprozesse stellen beispielsweise besondere Anforderungen. Diesen haben wir mit unserem zur letzten EMO vorgestellten neuen Micro Pur Filter Rechnung getragen, um die geforderten Filterfeinheiten prozesssicher zu gewährleisten. Das Feedback unserer Kunden gab uns recht, wir haben diesen Filter mittlerweile recht gut platzieren können.
Gerade im Bereich Schleifen wird sich in den nächsten Jahren noch einiges bewegen und wir wollen hier unsere Entwicklungen mit einbringen. Der Schleifschlamm muss beispielsweise trocken ausgetragen werden, und wir haben Überlegungen angestellt, diese Aufgabe über eine Einrichtung direkt am Filter zu lösen. Außerdem sehen wir bei bestimmten Prozessen eine gewisse Renaissance der Vliesfilter. Rückspülfilter oder Endlosbänder sind nicht in der Lage, die Filtration von Feinstpartikeln wie Korund oder Silizium zu bewältigen. Für diese Aufgaben muss ein Filter mit organischen Stoffen zum Einsatz kommen.
Bei den Späneförderern hat es in den letzten 20 Jahren hingegen kaum herausragende Innovationen gegeben. Ein Trend hier ist sicherlich, diese ausgereifte Technik noch stärker für den Transport von Schrott oder Metallabfällen zu nutzen. Bei unseren Hochdruckpumpen sehe ich vor allem neue Einsatzmöglichkeiten in anderen Industriebereichen, z.B. im chemischen Bereich oder in der Lebensmittelindustrie, wo es um das prozesssichere Fördern von Flüssigkeiten geht.
mav: Stichwort Trockenbearbeitung bzw. Minimalmengenschmierung, ein rotes Tuch für das Unternehmen Knoll?
> > > M.Knoll: Auf keinen Fall. Wir haben uns in verschiedenen Arbeitsgruppen zu diesem Thema engagiert und unser Know- how eingebracht. Dieses Thema verlangt beispielsweise, den Spanabfluss richtig zu beherrschen und setzt neue konstruktive Lösungen an den Werkzeugmaschinen voraus. Diese können wiederum auch für die Nassbearbeitung genutzt werden, um hier den Kühlschmierstoffeinsatz zu optimieren. Wenn man bedenkt, dass heute fast 70 Prozent einer Emulsion nur zum Spülen der Späne benötigt werden, liegt hier noch ein großes Potenzial.
Mav: Welche Bedeutung hat das komplexe Anlagengeschäft für das Unternehmen Knoll?
> > > M. Knoll: Zur Zeit haben unsere Förderer und Filter den größten Umsatzanteil. Das Anlagen- und Projektgeschäft wird nach meiner Auffassung weiter zunehmen. Hier meine ich Komplettsysteme für die Späneentsorgung unter oder über Flur und Zentrale KSS-Filteranlagen. Für diese Systeme werden Insellösungen bevorzugt, d.h. es werden einzelne Maschinengruppen auf mehrere Systeme aufgeteilt. Wir sind mit entsprechenden Entwicklungs- und Montagekapazitäten darauf eingestellt.
„Der Schleifschlamm muss beispielsweise trocken ausgetragen werden, und wir haben Überlegungen angestellt, diese Aufgabe über eine Einrichtung direkt am Filter zu lösen.“
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