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Matthias Knoll, Geschäftsführer Knoll Maschinenbau

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1970 legte Firmengründer Walter Knoll den Grundstein für ein erfolgreiches Maschinenbauunternehmen. Mit 450 Mitarbeitern werden heute im oberschwäbischen Bad Saul-gau auf 30 000 m2 Produktionsfläche Späneförderer, Kühlmittelreinigungsanlagen und Pumpen im Wert von 126 Mio DM für die spanabhebende Metall- und Werkzeugmaschinenindustrie produziert.

mav: Im komplett neu gestalteten und erweiterten Bürogebäude legen Bauarbeiter die letzte Hand an, eine erst im Frühjahr 2000 zugekaufte Halle in der Nachbarschaft wurde als zusätzliches Lager umfunktioniert, dicht daneben ist der Neubau einer Montagehalle für Großanlagen in der Endphase. Stehen bei Knoll Maschinenbau die Signale auf weiteres Wachstum?

!Knoll: Wir liegen mit unseren drei Produktlinien Späneförderer, Kühlmittelreinigungsanlagen und Pumpen voll im Trend. Unsere Hauptkunden sind Werkzeugmaschinenhersteller. Da wir vielfach Erstausrüster sind, müssen wir mit deren rasantem Absatzwachstum mithalten, wenn wir im Geschäft bleiben wollen. Also müssen wir unsere Fertigungskapazitäten erhöhen, denn wir können die Hersteller von Werkzeugmaschinen, in die unsere Späneförderer und Kühlmittelanlagen konstruktiv integriert sind, nicht nur teilweise beliefern.
mav: Es kommen im Werkzeugmaschinenbau ja auch wieder schlechtere Zeiten. Warum verlagern Sie nicht Auftragsspitzen nach außen oder Teile der Fertigung in Billiglohnländer?
!Knoll: Wir haben das sehr genau geprüft. Noch letztes Jahr haben wir uns in Tschechien nach zusätzlichen Fertigungsmöglichkeiten umgeschaut. Wir haben dann festgestellt, wenn man alle anfallenden Kosten bei einer Fertigung im östlichen Ausland berücksichtigt, wird es nicht billiger und wenn man weiß, dass wir unsere Anlagen vielfach auf den Tag genau just-in-time an die Werkzeugmaschinenenhersteller anliefern müssen, dann wird unsere Entscheidung verständlich, lieber den Standort Bad Saulgau weiter auszubauen.
mav: Als Erstausrüster sind Sie mit Ihren Stückzahlen voll dabei, wenn der Absatz von Werkzeugmaschinen wie in den letzten Jahren steigt. Sie sind dann aber auch dabei, wenn es wieder abwärts geht?
!Knoll: Das stimmt im Wesentlichen. Wir sind mit unseren Hauptkunden wie man so schön sagt, auf Gedeih und Verderb verbunden. Aber in dem Maße, wie diese zunehmend als Global Player auf den Weltmärkten auftreten, mindert sich auch für uns das Risiko, von einzelnen nationalen Teilmärkten allzu sehr abhängig zu sein. Wir folgen unseren Kunden mit eigenen Stützpunkten ins Ausland und haben dort unser Service-Netz erweitert. Beispielsweise haben wir letztes Jahr unser Ersatzteillager und den Support in den USA extrem ausgebaut.
mav: Ihr Unternehmen platzt aus allen Nähten und hat letztes Jahr den Umsatz nochmals um 14 auf 126 Mio. DM gesteigert. Haben Sie am Standort Bad Saulgau überhaupt Platz für weiteres Wachstum?
!Knoll: Für unser weiteres Wachstum haben wir uns gerade die dazu erforderlichen Flächen gesichert. Wir planen nämlich eine neue Halle mit einer Produktionsfläche von 4 000 Quadratmetern, in der wir noch dieses Jahr damit beginnen wollen, unsere Serienprodukte auf automatischen Schweißlinien herzustellen. Wir wollen am Standort Deutschland zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren, das heißt, mit modernsten Fertigungsanlagen und hoch motivierten, gut ausgebildeten Mitarbeitern.
mav: Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist leergefegt, wo sollen die zusätzlich erforderlichen Mitarbeiter herkommen?
!Knoll: Wir haben letztes Jahr unser Personal um rund 15 % auf jetzt 450 Mitarbeiter aufgestockt, darunter 51 Auszubildende und wir tun viel, um diese bei der Stange zu halten. Durch Sonderprämien beteiligen wir unsere Mitarbeiter am Erfolg und durch unser Projekt „OK – we do it“ versuchen wir, unsere Unternehmenskultur und damit die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter an die heutigen Anforderungen anzupassen.
mav: Was ist unter dem Slogan „OK – we do it“ eigentlich zu verstehen?
!Knoll: Wir verstehen darunter ein Organisationskonzept, das ab 2001, zunächst im Rahmen eines Pilotteams, in unserem Unternehmen gestartet wird. Eine bessere Kundenberatung, die Entlastung und höhere Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sowie die Reduktion der Durchlaufzeiten sind das Ziel des Projektes. Der Bedarf an kundenspezifischen Varianten unserer Produkte sowie die stetig steigende Nachfrage macht eine Standardisierung und Flexibilisierung der Auftragsabwicklung, Beschaffungslogistik und Produktion zur Unterstützung der Mitarbeiter dringend nötig. Wir wollen das Problem bei den Wurzeln packen und verbesserte Formen der Prozess- und Organisationsgestaltung einführen.
mav: Wie hoch ist der Anteil kundenspezifischer Produkte am Gesamtumsatz?
!Knoll: Mit Sicherheit weit über 60 % – Tendenz steigend. Die Späneförderer werden auf die Drehmaschinen oder Bearbeitungszentren abgestimmt. Bei den Filteranlagen ist es uns gelungen, einen gewissen Standard zu entwickeln. Hier variieren die Aufbauten, z. B. Pumpen und Kühler. Die Produktpalette Pumpen, also Kreisel- und Schraubenspindelpumpen, ist standardisiert und deshalb auch ab Lager lieferbar.
mav: Das bedeutet hohen konstruktiven Aufwand und viele Absprachen mit dem Kunden. Wie gehen Sie da vor?
!Knoll: Bei der Entwicklung von Werkzeugmaschinen werden wir von unseren guten Kunden, was die Integration von Späneabfuhr und Kühlmittelaufbereitung anbelangt, von Anfang an mit eingebunden. Bei kundenspezifischen Lieferungen sind wir oft schon in der Angebotsphase mit dabei. Wir betrachten uns als Partner sowohl der Werkzeugmaschinenhersteller als auch von deren Endkunden, die wir im Übrigen auch direkt beliefern, wenn es um Nachrüstung oder Ersatzteilbeschaffung geht. Hierfür bauen wir unseren Service kontinuierlich aus.
mav: Erweitern Sie Ihre Serviceleistungen wegen der Produktkomplexität oder wegen der zunehmenden Menge im Feld?
!Knoll: Die Menge nimmt kontinuierlich zu und Service-Leistungen sind immer optimierbar. Aus diesem Grund haben wir im Jahr 2000 eine Serviceeinsatz-Rückinfo eingeführt. Damit sind wir in der Lage, Service-Einsätze auszuwerten und Kunden noch konkreter Hilfe zu bieten. Zum Service gehört auch die Erreichbarkeit. Unser Bereitschaftsdienst kann rund um die Uhr unter der Nummer 333 abgefragt werden, alle Monteure sind inzwischen mit Handy und Freisprecheinrichtung im PKW ausgerüstet. Abgerundet haben wir die Servicemaßnahmen letztes Jahr mit Knoll-Wartungsverträgen.
mav: Ist der Trend zur Trockenbearbeitung ein Schreckgespenst für Knoll?
!Knoll: Nein. Wir sind beratend in einem Arbeitskreis tätig, der sich mit Trockenbearbeitung und Minimalmengenschmierung befasst. Wir liefern bereits Späneförderer für die Trockenbearbeitung. Die Trockenbearbeitung verlangt eine besondere Konstruktion der Werkzeugmaschine für einen optimalen Spänefall. Dies würde auch der heutigen Nassbearbeitung zugute kommen, da ca. 80 % der Kühlemulsion zum Spülen der Späne benötigt werden.
mav: Baut Knoll neben den maschinengebundenen auch zentrale Kühlmittelreinigungsanlagen und Spänefördersysteme?
!Knoll: Ja, praktisch seit Gründung des Unternehmens bauen wir auch Kühlmittelreinigungsanlagen für Maschinengruppen oder Transferstraßen und treten als Systemanbieter für Zentralanlagen auf. In dieses Geschäftsfeld wollen wir künftig noch stärker einsteigen. Um solche Anlagen effizient produzieren zu können, wird gerade eine Montagehalle für Großanlagen fertig gestellt.
mav: Neben Späneförderern und Kühlmittelreinigungsanlagen baut Knoll auch Pumpen für seine Anlagen. Kauft man diese nicht besser zu?
!Knoll: Einstufige Kreiselpumpen stellen wir seit über 30 Jahren selbst her. Für Leistungen bis 1 000 l/min und einer Förderhöhe von max. 50 Metern werden unsere Anlagen ausschließlich mit eigenen Pumpen bestückt – und dies aus preislichen Gründen. Die Produktion der Schraubenspindelpumpe wurde aus einem anderen Gesichtspunkt vor 10 Jahren begonnen, weil die Werkzeugmaschinenhersteller durch den Einsatz von Werkzeugen mit innerer Kühlmittelzufuhr Drücke zwischen 20 und 100 bar verlangten. Mit den auf dem Markt befindlichen Pumpen hatten wir erhebliche Verschleißprobleme, zumal die Aluminiumbearbeitung mit hohem Siliziumanteil immer größer wurde. Bei der intensiven Entwicklung der eigenen Schraubenspindelpumpe haben wir uns mit dem Einsatz von hochverschleißfesten Werkstoffen beschäftigt, die zum Erfolg führten. Eine höchst rationelle Hightechfertigung mit beachtlichen Investitionen sichert einen Wettbewerbsvorteil. Jede Pumpengröße kann innerhalb von 24 Stunden geliefert werden.
mav: Haben Sie neue Produkte in derPipeline?
!Knoll: Ein neuer Filter im Low-cost-Bereich ist verkaufsreif. Den „Turbo-Filter“, so nennen wir diese Neuentwicklung, setzen wir für Schleifprozesse, aber auch für das Drehen, Bohren und Fräsen ein. Der Vorteil dieses Filters ist der modulare Aufbau, d. h. je nach Durchlaufleistung können wir die einzelnen Turbos aneinander reihen. Eine weitere Neuentwicklung auf dem Filtersektor steht außerdem an: Für die Feinstfilterung können wir zukünftig anstelle eines Anschwemmfilters einen Filter anbieten, der bis auf 5 µ Restpartikel reinigt. Die Technik der Rückspülung wurde beibehalten, wobei regenerierbare Spezialkerzen die Filtration übernehmen.
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