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Interview: Dr. Dieter Kress, Mapal Dr. Kress KG

Dr. Dieter Kress, ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter, Mapal Dr. Kress KG
„Man muss die eigenen Werte leben“

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Beinahe fünf Jahrzehnte lenkte Dr. Dieter Kress die Geschicke des Werkzeugherstellers Mapal aus Aalen. Im Frühjahr hat er seinem Sohn, Dr. Jochen Kress, das Ruder überlassen. Damit gelang ihm, woran schon viele erfolgreiche Unternehmer gescheitert sind – er hat sein Unternehmen erfolgreich in die dritte Familiengeneration überführt. Das Interview führte: Frederick Rindle

mav: Gewinnt oder verliert ein Familienunternehmen durch einen Generationswechsel?

Kress: Die Firma gewinnt mit Sicherheit dazu. Denn jede Generation steht vor ihren eigenen Herausforderungen. Als ich die Firma von meinem Vater übernommen habe, ging es ausschließlich um Werkzeuge, heute dominiert die Software das Geschehen. Die Entwicklungen gehen immer weiter. Da kann ein einzelner Mensch irgendwann nicht mehr mithalten. Gut, wenn er dann rechtzeitig den Stab weitergeben kann.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie sich sicher waren, dass Ihr Sohn Jochen die Firma übernehmen wird?

Kress: Nein, wir hatten nie ein festes Datum vor Augen, an dem klar sein musste, jetzt übernimmt er die Firma. Aber es stand auch nie in Frage, dass mein Sohn Jochen die Firma übernehmen möchte. Ich bin zudem in der überaus glücklichen Situation, zwei Kinder zu haben. Beide Söhne haben sich schon immer für die Firma interessiert, und beide haben später auch Maschinenbau studiert.

Wie haben Sie an Ihre Söhne Ihre eigenen Unternehmerwerte weitergeben?

Kress: Man kann seine Werte nicht einfach nur kommunizieren. So machen das zwar viele, indem sie ständig erzählen, was ihnen wichtig ist, aber das reicht nicht. Man muss die eigenen Werte leben. Ich habe 49 Jahre lang die Firma Mapal geführt, und ich habe immer versucht, alle Mitarbeiter korrekt zu behandeln. Meine Söhne waren schon als Kinder und Jugendliche oft in der Firma und haben so die Unternehmenskultur kennen und schätzen gelernt. Das Unternehmen wird so über die Jahrzehnte auch zu einem Teil der Familie.

Ihr Sohn Jochen ist seit 2008 offiziell bei Mapal. Wie haben Sie beide in den letzten 10 Jahren auf die Übergabe hingearbeitet?

Kress: Es ist immer wichtig, nicht direkt als Chef einzusteigen. Man muss zunächst das Unternehmen auch verstehen lernen. Wie ticken die Mitarbeiter? Wie funktioniert die Kommunikation? Und wie kann man sich in die Firma sinnvoll einbringen? Jochen war dann auch zuerst in den Bereichen Entwicklung und Marketing tätig. In die Geschäftsführung ist er erst eingestiegen, nachdem er das Unternehmen von Grund auf kennengelernt hatte.

War es für Sie einfach, Verantwortung abzugeben?

Kress: Mein Sohn war zunächst ein Mitarbeiter wie jeder andere auch. Die Verantwortung hat er sich Stück für Stück erarbeitet. Natürlich ist der eigene Sohn aber auch jemand, mit dem man ausführlicher über wichtige Angelegenheiten spricht. Wichtig ist, dass man seinem potenziellen Nachfolger die Chance gibt, sich zu profilieren.

Haben Sie für andere Familienunternehmen Tipps für einen erfolgreichen Generationswechsel?

Kress: Zunächst gibt es meiner Ansicht nach keine allgemeingültigen Regeln, wie die Familie in das Unternehmen einzubinden ist. Jede Unternehmerfamilie hat hier ihre eigenen Vorstellungen. Nach meiner persönlichen Meinung ist es sehr zielführend, wenn nur ein Familienmitglied das Unternehmen führt. Dann ist die Verantwortung für die Firma klar geregelt und es kommt zu keinen Kompetenzstreitigkeiten, sollte sich das Unternehmen nicht wie gewünscht entwickeln.

Mapal ist in den letzten Jahrzehnten auch durch den Anschluss einiger ehemaliger Familienunternehmen gewachsen. Warum tun sich gerade kleine Firmen so schwer, den Betrieb innerhalb der Familie fortzuführen?

Kress: Für die kleinen Firmen ist die Globalisierung die größte Herausforderung. Stellen Sie sich doch mal einen kleinen inhabergeführten Werkzeughersteller vor. Dort ist der Chef meist Einkäufer, Verkäufer, Entwicklungs- und Produktionsleiter in einer Person. Solange sich sein Geschäft in Deutschland abspielt, kann er gleichzeitig beim Kunden sein und die heimische Produktion im Blick behalten. Durch die Globalisierung möchte der Kunde aber das Werkzeug, zum gleichen Preis, in der gleichen Qualität und mit dem identischen Service auch in China bekommen. Was macht der Inhaber nun? Diesen Auftrag wird er so nicht mehr bedienen können. Das ist das Problem, warum so viele kleine Firmen verschwinden.

Warum sind der PKD-Werkzeughersteller WWS oder der Vollhartmetallspezialist Miller so rasant gewachsen, nachdem sie zu Mapal gekommen sind?

Kress: Es war immer mein Prinzip, mein Grundsatz: Ich lasse den Firmen ihre Kultur. Ebenso bin ich der Meinung, dass der Chef solange im Unternehmen bleiben soll, wie er möchte. Das hat immer hervorragend funktioniert. WWS zum Beispiel war 1995, als wir es gekauft haben, ein kleiner Betrieb mit 50 Mitarbeitern. Die Diamantexperten haben damals in Pforzheim begonnen, PKD-Werkzeuge zu entwickeln. Diese Werkzeuge waren ein ganz klares Konkurrenzprodukt zu unserer im Markt etablierten Reibahle. Hätte ich damals versucht, die WWS-Entwicklungsmannschaft hier in Aalen bei den Reibahlenexperten zu integrieren, wäre deren Produkt ganz sicher gescheitert. Aber unter dem Firmenchef Werner Stief entstand in Pforzheim ein unglaublich erfolgreiches Produkt. Heute arbeiten im PKD-Bereich bei Mapal rund 600 Mitarbeiter, die an 13 Standorten weltweit PKD-Werkzeuge fertigen. Von Mapal kommt dann die Vertriebsstruktur hinzu, und nach wenigen Jahren kann sich der Umsatz verdoppeln. So war es übrigens auch beim Hydrodehnspannfutter-Hersteller WTE und bei den Vollhartmetallexperten von Miller.

Wie oft werden Ihnen Firmen zur Übernahme angeboten?

Kress: Sehr oft, meines Erachtens zu oft. Ich denke, das kommt beinahe täglich vor. Ich bedaure diese Entwicklung zunehmend. Denn gerade aus den Betrieben mit wenigen Mitarbeiten kommen oft technologisch sehr interessante Entwicklungen.

Was sind in Zukunft die größten Herausforderungen für Mapal?

Kress: Ohne Zweifel wird die Digitalisierung das beherrschende Thema sein. Sie wird die gesamte Unternehmensstruktur völlig umkrempeln, Entscheidungen werden immer schneller getroffen werden und die Mitarbeiter werden sich hierzu laufend weiterbilden müssen. Zu letzterem haben wir mit der Mapal-Academy bereits einiges geleistet. Bei der Werkzeugtechnologie gewinnen schon jetzt die Themen Beschichtung, Schneidstoff und Schneidkantenpräparation gegenüber neuen Werkzeugen mehr und mehr an Bedeutung. Zudem werden die additiven Fertigungsmethoden immer wichtiger. Wie rasant das geht, sieht man schon daran, dass wir vor vier Jahren den ersten Metall-3D-Drucker gekauft haben und heute schon mit fünf Anlagen rund um die Uhr generative Werkzeuge fertigen.

Was wünschen Sie ihrem Sohn Jochen für die nächsten Jahrzehnte?

Kress: Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass er seine Sache sehr gut machen wird. Dafür wünsche ich ihm ein gutes Gespür für die wichtigen Trends, die richtigen Mitarbeiter an seiner Seite und einen lebendigen Kontakt mit unseren Kunden. Denn der Kunde sagt dir alles, man muss nur zuhören. Und wer zuhört, weiß, was er machen muss.

Mapal Dr. Kress KG
www.mapal.com

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