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Eberhard Zoller, Geschäftsführer

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mav: Herr Zoller, der Bedarf an Werkzeug-Voreinstell- und Messgeräten ist doch völlig unterschiedlich. Wie sieht da das Angebotsspektrum heute aus?

! Man kennt von früher her die Voreinstellgeräte, etwa mit Messuhren. Daraus wurde mittlerweile dieBezeichnung Einstell- undMessgeräte. Darunter versteht man das Einstellen und Messen der Werkzeuge, die man in einer CNC-gesteuerten Fertigung einsetzt. Das bedeutet, wenn zur Bearbeitung CNC-Maschinen eingesetzt werden, dann arbeiten diese wirtschaftlicher, wenn die Werkzeuge außerhalb der Maschinen gemessen oder eingestellt wurden. Bohrstangen oder Ausdrehwerkzeuge muss man einstellen, andere Werkzeuge kann man messen.
mav: Da gibt es aber eine große Spanne, die beginnt mit Geräten für den kleinen Betrieb mit einfachen Ansprüchen, wo vielleicht noch mit Messtastern und Uhren gearbeitet wird . . .
! Sicher, das beginnt bereits mit Einstellgeräten ab etwa 3 000 6 und endet bei etwa 75 000 6. Da muss der Betrieb entscheiden, wie viel er in ein Einstellgerät investieren will. Die Geräte der unteren Preiskategorie bis in die Gegend von 10 000 6 sind in der Regel in Bezug auf Universalität sowie Präzision für heutige Begriffe nicht mehr ausreichend. Die Bedienung dauert viel zu lange und ist von der Genauigkeit her stark vom Bediener abhängig. Zoller liefert bereits ab 9 999 6 Geräte mit Bildverarbeitung. Das heißt, die Schneide wird bereits vollautomatisch vermessen, inklusive Schneidenradius und Schneidenwinkel. Weniger sollte es nach unserer Ansicht nicht sein.
mav: Dennoch gibt es im Markt eine ganze Reihe von Geräten, die diesen Komfort nicht bieten und doch vielfach eingesetzt werden. Ich meine die mit Profilprojektoren, mit Messtastern oder aber gar per Messuhr arbeitenden Einstellgeräte. Wie sind diese einzustufen?
! Natürlich gibt es unterhalb der besagten 10 000 6 eine ganze Reihe von Geräten für die Voreinstellung und Vermessung von Werkzeugen. Bei denen wird, um billiger zu sein, immer etwas weggelassen, was letztlich zur Erzielung heutiger Produktivität in der Fertigung fehlt. Es scheint so, dass heute ein Gerät ohne Bildverarbeitung, ohne automatisches Vermessen der Schneide, ohne gleichzeitiges Messen des Schneidenradius und Schneidenwinkels unabhängig von der Schneidenform, keine Zukunft mehr hat. Der Profilprojektor aus den 60er Jahren hat gegenüber der Bildverarbeitung keine Chance mehr.
mav: Soll ein kleiner Betrieb, der plötzlich Serien zu fertigen hat und sich entsprechende automatische Maschinen beschafft hat, nun für ein geeignetes Einstell- und Messgerät ihrer Meinung nach gleich 10 000 6 ausgeben?
! Man muss hier die Wirtschaftlichkeit sehen. Es ist ganz eindeutig so, dass mit voreingestellten Werkzeugen pro Maschine und Schicht im Jahr mindestens 15 000 6 eingespart werden. Darin sind die eingesparten Ausschussteile durch Probeschnitte noch gar nicht ein-kalkuliert. Nicht voreingestellte Werkzeuge erzeugen zwangsläufig mindestens 12,5 % Stillstandzeiten. Da muss bei der Beschaffung eines Einstellgerätes auch da-ran gedacht werden, dass es möglichst einfach zu bedienen ist und alle Messungen in höchster und vor allem nicht vom Bediener abhängenden Präzision vornimmt.
mav: Bei den Preisen kommt man aber bei diesen Geräten schnell über die 50 000-6-Grenze hinaus – was können diese besser?
! Ein kleiner Betrieb, der ein Einstellgerät kaufen will, um wirtschaftlicher zu fertigen, will zunächst einmal nicht viel Geld ausgeben. Bei Zoller fängt das mit knapp 10 000 6 an. Damit bekommt er ein Gerät, das Werkzeuge bis 320 mm Ø und bis 400 mm Länge vermessen kann. Die Grundversion arbeitet mit manueller Verstellung des Messschlittens. Eine steuerungsgerechte Datenausgabe ist damit noch nicht möglich. Normalerweise wird das Messergebnis auf einem Etikett ausgedruckt, um an der Maschine die Daten eingeben zu können. Für 10 000 6 kann man seitens der Werkzeugaufnahme noch keine Hochgenauigkeitsspindel erwarten. Soll ein Werkzeug innerhalb von 5 µ ohne Probeschnitt auf die Maschine kommen, dann ist das unabdingbar. Außerdem besitzen die teureren Geräte deutlich hochwertigere, leistungsfähigere Rechner, auf denen Software läuft, die sämtliche Abläufe automatisiert und das System netzwerkfähig macht.
mav: Wie sieht das in der Regel aus, wenn ein kleiner Betrieb mit 6 oder 7 CNC-gesteuerten Maschinen so ein Einstellgerät anschaffen will. Nimmt er dann das einfachste aus der Palette?
! Der wird sich nicht für dieses einfachste Gerät entscheiden. Wir erleben häufig, dass die Leute kommen und sagen, sie wollen lediglich 5 000 6 dafür ausgeben. Dann sehen sie im Vorführraum unsere Geräte. Und dann entscheiden sie sich für ein System für 40 000 6 oder mehr. Das kommt aus der Erkenntnis, dass damit sehr viel mehr an Sicherheit sowie Qualität gewonnen wird und außerdem deutlich mehr Zeit einzusparen ist. Derartige Geräte sind dann voll CNC-gesteuert, besitzen eine automatische dritte Achse, also Autofokus. Da können die Werkzeugsolldaten im System gespeichert werden oder als Einrichteblätter. Das wiederum erleichtert dem Programmierer die Arbeit und bedeutet dort er-hebliche Zeiteinsparung. Zudem erleichtern und verkürzen die Einrichteblätter, die ja Werkzeugsätze enthalten, die Einrichtezeit an den Maschinen.
mav: Je komfortabler die Einstellgeräte sind, um so mehr Verwaltungsarbeit können sie übernehmen, etwa die komplette Werkzeugverwaltung mit CAD-Schnittstelle?
! Ein Zoller-Messgerät der 40 000-6-Klasse enthält beispielsweise eine Werkzeugverwaltung, mit welcher die Werkzeuge mit allen Geometrie- und Grafikdaten, Stücklisten, Komponenten und mehr aufgenommen sind. Es enthält einen Grafikgenerator, mit dem Werkzeuge aus einer erstellten Stückliste automatisch zusammengebaut werden.
mav: Das bedeutet also, dass nicht die Betriebsgröße bestimmt, was für ein Gerät geeignet ist. Es kommt eher da-rauf an, wie rationell und wirtschaftlich dieser Betrieb arbeiten will?
! Richtig, das kann schon auf einen kleinen Betrieb mit 3 Maschinen zutreffen. Andererseits gibt es große Betriebe mit Fertigungsstraßen, die besorgen mehrere einfache Geräte für 10 000 6 und stellen diese an die Maschinen, wo der jeweilige Einrichter seine Werkzeuge selbst einstellen und vermessen soll. Ein Einstellgerät ist letztlich für jedes Unternehmen fast schon die eierlegende Wollmilchsau, um es volkstümlich auszudrücken.
mav: Aber es gibt einfache Geräte mit Messuhren, etwa zur Einstellung von Reibahlen?
! Sicher, das ist eine einfache und billige Methode, die sehr genau ist. Aber man braucht dazu Facharbeiter. Ein angelernter Mitarbeiter wird eine Reibahle zwischen den Spitzen nicht einstellen können. Allgemein sind die Einstellgeräte der unteren Preisklasse und Ausstattung mehr oder weniger als Einzweckgeräte zu betrachten, die aber aufwändiger zu bedienen sind. Da ist der wirtschaftliche Wert nach heutigen Maßstäben fraglich. Zurück zur Reibahle, mit einem modernen Einstellgerät kann eine beliebige Hilfskraft nach einstündiger Schulung eine Reibahle µ-genau einstellen. Und das noch dazu berührungslos.
mav: Wo hört das in der Oberklasse auf?
! Die Geräte der Oberklasse sind speziell für Schleif- und Schärfbetriebe ausgestattet, die Werkzeuge nachschleifen oder herstellen. Da gibt es das Genius, das über 100 000 6 kostet, damit können Werkzeuge komplett vermessen werden, etwa Außen- und Innenkontur, Nutentiefe, Frei-, Spanwinkel, Fasenbreite, alles axial wie radial im Auflicht. So ein vollautomatisches Gerät kann auch mit einem Roboter be- und entladen werden.
mav: Es gibt also auch komplexe Sonderlösungen?
! Es gibt Sonderwünsche, etwa ein Gerät speziell zum µ-genauen Einstellen von Messerköpfen, vorwiegend in der Automobilindustrie. Viele Werkzeuge sind heute mit Diamantschneiden ausgestattet. Dann gibtes ein spezielles Gerät zur Vermessung von Wälzfräsern oder für Kurbelwellenfräser bis 700 oder 1 000 mm Durchmesser. Der Bedarf ist groß und wächst durch die wachsenden Anforderungen hinsichtlich Präzision.
mav: Wo geht’s mit den Einstell- und Messgeräten hin?
! Bei den Geräten haben wir nach meiner Meinung einen gewissen Endstand erreicht. Da wird sich nicht mehr viel ändern können. Wo sich noch viel tun lässt, das ist die Software. Die Geräte müssen immer einfacher zu bedienen sein. Wir haben auf der EMO erstmals ein Messgerät vorgestellt, in das man nur noch ein Werkzeug hineinstellen muss. Dann klatschen sie in die Hände, und dann misst das Gerät vollautomatisch das Werkzeug, ohne dass das Messgerät vorher weiß, was für ein Werkzeug darin steckt. Gleichzeitig wird ein komplettes Messprogramm erstellt. Nochmals betont, das alles geschieht ohne eine vorherige Dateneingabe. Es werden zunehmend automatische Abläufe gefordert. So haben wir ein System in Auftrag, das soll die laufende Produktion bei einem Werkzeughersteller überprüfen. Zwischen Schleifmaschine und Messgerät steht ein Roboter, der entnimmt die Werkzeuge, lädt sie in die Messmaschine, wo sie automatisch gemessen werden. Zu korrigierende Werkzeuge werden wieder zurück andie Maschine gegeben, gute Werkzeuge auf Paletten abgelegt. Das ist dann absolut mannlose Arbeit. In Verbindung mit der Schrumpftechnik kommt noch Einiges auf uns zu. Wir garantieren jetzt schon eine Präzision von62 µ. Doch Geräte mit einer Präzision von 4 Stellen nach dem Komma sind schon angefragt.
mav: Herr Zoller, wir bedanken uns für das Gespräch.
Das Interview führte mav-Chefkorrespondent P. Merkel
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