Allgemein

Dr. sc. techn. Franz Betschon

Anzeige
„Weitere Zukäufe von geeigneten Unternehmen zur Festigung unserer Marktposition sind durchaus angestrebt.“

mav: Haben sich zwei Jahre nach der Übernahme von Heckert die damals recht hoch gesteckten Erwartungen bislang erfüllt, wie sieht es nach diesen 2 Jahren aus?
! Dr. Betschon: Um es voraus zu sagen, die Erwartungen haben sich übererfüllt. Die beiden Häuser Starrag und Heckert sind schneller zusammengewachsen, als wir uns das damals vorgestellt und gewünscht hatten. Wir haben dem Rechnung getragen, indem die Generalversammlung der Aktionäre am 10. Juni 2000 eine Namensänderung beschlossen und gleichzeitig eine neue Holding-Struktur eingeführt hat. Neu heißt das Gebilde jetzt Starrag-Heckert-Holding AG. Damit finden unsere Kollegen aus Chemnitz ihren Namen in der gemeinsamen Firmenbezeichnung wieder. So haben wir den Erfolgen, zu denen die Chemnitzer beigetragen haben, Anerkennung gezollt. Insbesondere im Bereich der Logistik haben wir sehr große Fortschritte gemacht. Wir haben dadurch Einsparungen in mehrfacher Millionenhöhe erzielt. Überaus intensiv und effektiv wird im Bereich Forschung und Entwicklung zusammengearbeitet. So konnten Sie auf der Metav bereits eine Maschine sehen, die Starrag SX 051. Sie ist eine Symbiose von Starrag- und Heckert-Technologie.
mav: Trotzdem arbeiten Sie mit Zwei-Marken-Strategie?
! Dr. Betschon: Die Produkte werden vordergründig über eine gemeinsame Vertriebsorganisation, die Starrag-Heckert Technology vertrieben, um Synergien zu nutzen. Die flexible Direktanbindung der Kunden an die jeweiligen Standorte bleibt aber erhalten. Die Starrag-Heckert wächst zur Zeit mit knapp 20% im Jahr. Selbst der Export hat sich für Heckert positiv entwickelt. Wir stellen neuerdings fest, das gehört zur mittel- und langfristigen Strategie, daß wir primär von Starrag und Heckert als Marken sprechen und den entsprechenden Märkten zuordnen wollen.
mav: Werden dann die Maschinen gemischt gefertigt?
! Dr. Betschon: Woher die Maschinen am Ende des Prozesses kommen, wird sekundär sein. Starrag werden alle Produkte heißen, die in den Luft- und Raumfahrtbereich und in die Energietechnik gehen. Starrag hat die ausgeprägte Stärke bei der Bearbeitung exotischer Materialien fünfachsig simultan und auch im HSC-Bereich. Heckert hat eine starke Stellung im Automobilzulieferbereich, bei Landmaschinen und in der allgemeinen Produktionstechnik. Dort löst der Name Heckert etwas aus. In ein paar Jahren können dorthin auch Starrag-Maschinen geliefert werden. Nur heißen sie dann Heckert.
mav: Paßt die Mentalität der Mannschaften zueinander?
! Dr. Betschon: Zwischenmenschlich hat sich alles sehr positiv entwickelt. Wir arbeiten mit Chemnitz über verschiedene Steuerungskommitees zusammen, um bestimmte Fragen, etwa die Corporate-Identity, gemeinsam abzuarbeiten. Mittlerweile ist der Vertrieb unter dem Dach der Starrag-Heckert-Technology vereinigt. Ebenso gibt es Gruppen für Systeme, Qualitätssicherung und die bereits erwähnte Logistik. Wir haben ein Videoconferencing-System eingerichtet, da finden wöchentlich mehrere Videokonferenzen zwischen den beiden Standorten statt. Aber es gibt auch einen Treffpunkt ungefähr in der Mitte zwischen beiden Standorten, wo wir uns gelegentlich persönlich treffen. Das funktioniert bestens. Heckert leistet beträchtliche Beiträge zur Performance der Starrag-Heckert-Holding.
mav: Die große Stärke von Heckert waren die kleinen Maschinen CWK 400/500/ 650. Wie steht es derzeit um die größeren Maschinen?
! Dr. Betschon: Jede Maschinengeneration ist irgendwann weiterentwicklungsbedürftig. Mit der mittleren und größeren Baureihe von Heckert sind wir immer noch sehr erfolgreich. Es wurde aber erkannt, daß wir gemeinsam mit Starrag eine größere Maschinenbaureihe konzipieren müssen, die ungefähr zur EMO 2001 der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Sie wird die große, schwere Baureihe von Heckert sowie die ZT-Baureihe der Starrag abdecken. Die vierachsige Variante wird unter dem Namen Heckert und die fünfachsige unter Starrag laufen. Es wird eine etwa 80%ige Teilegleichheit angestrebt.
mav: Starrag ist für seine eigenen, selbstgebauten Präzisions- und Hochleistungsspindeln bekannt. Gehen die auch in die Heckert-Maschinen?
! Dr. Betschon: Sie haben dort bereits sehr erfolgreich Eingang gefunden. Die Starrag stellt im Moment Spindeln mit 10000 und 15000 U/min her. Hier profitieren beide Seiten stark von den Synergien.
mav: Heckert wurde zur Zeit der Übernahme vorwiegend in Deutschland vermarktet. Hat die Übernahme in den Starrag-Vertrieb den erwarteten Exporterfolg gehabt?
!Dr. Betschon: Starrag hat Heckert dort, wo sie stark war, gewisse Türen geöffnet. Es hat sich aber herausgestellt, daß es sinnvoll ist, die Heckert-Maschinen über Händler zu vertreiben. So war es nicht möglich, die Starrag-Vertriebsorganisation 1:1 zu übernehmen. Doch insbesondere in China, Nordamerika oder Frankreich haben wir in Verbindung mit dem Namen Starrag einiges für Heckert tun können. Der Exportanteil von Heckert ist immerhin von ehedem unter 10% auf über 25% angestiegen. Angezielt ist allerdings für die kommenden Jahre, auf mindestens 50% zu kommen.
Es muß aber angemerkt werden, daß die aus dem Ausland kommenden Projektanfragen wesentlich zugenommen haben. Der Name Starrag-Heckert hat zusätzlich das Vertrauen in unsere Produkte verstärkt.
mav: Die CWK 630 D wurde speziell für die Trockenbearbeitung entwickelt. Hat sich dieses System durchgesetzt?
!Dr. Betschon: Es handelt sich hier um eine hochdynamische Maschine, die für die Trockenbearbeitung ausgelegt ist. Für die Trockenbearbeitung und Minimalmengenschmierung braucht es jedoch auch seitens der Kunden ein neues Prozeßverständnis, welches noch nicht überall richtig ausgeprägt ist. Wenn diese neue Technologie daran scheitert, hat das nur sekundär mit der Maschine zu tun. Die oft prognostizierten hohen Einsparungen haben kaum mit dem Weglassen der Kühlschmierstoffe, primär aber mit einer dadurch erzwungenen generellen Prozeßoptimierung zu tun.
mav: Werden bei Starrag-Heckert Transferstraßen und flexible Fertigungssysteme entstehen?
!Dr. Betschon: Die festvertaktete Transferstraße gehört eigentlich der Vergangenheit an. Die Zukunft werden flexible Systeme sein. Und hier haben sowohl Starrag als auch Heckert bereits Referenzsysteme im Markt vorzuweisen. Zwar gelten wir noch nicht als spezielle Anbieter von flexiblen Fertigungsstraßen. Doch haben wir das Know-how dafür und werden dieses stark wachsende Marktsegment qualifiziert bedienen. Ich will hier anmerken, daß speziell die Flexiblen Systeme, die Starrag bislang geliefert hat, wohl das Modernste bieten, was derzeit machbar ist. Doch ist das eben bislang nur einem elitären Kundenkreis bekannt. Wir werden das zukünftig viel besser und eingängiger publizieren.
mav: In Chemnitz wird an einem Tripod entwickelt. Ist damit mittelfristig Gewinn zu erzielen?
!Dr. Betschon: Wir haben die Entwicklung der Stabkinematik sehr aufmerksam verfolgt. Zunächst waren das riesige Monstren. Gegenüber einer vergleichbaren Maschine war der doppelte Stellplatz erforderlich. Zudem war die Genauigkeit mehr als mangelhaft. Bislang ist alles, was an ähnlicher Stab- und Parallelkinematik angeboten wurde in die Kategorie Versuchsträger einzuordnen. Unsere SKM 400 ist ein Tripod. Von der Grundfläche entspricht sie etwa einer CWK 400. Sie ist aber wesentlich schneller und dürfte ein ganzes Stück billiger werden. Wir gehen aufgrund der bisherigen Versuchsresultate davon aus, daß diese Maschine im 10 µ-Bereich arbeitet. Wir sind uns sicher, daß wir einer der ersten Lieferanten einer Serienmaschine auf Basis der Stabkinematik sein werden, zumal wir die Fehler der ersten Versuchsmaschinen vermeiden können.
mav: Ist für die Starrag-Heckert Expansion geplant?
!Dr. Betschon: Wie erwähnt, werden Starrag wie Heckert nur noch Markennamen sein, die bestimmte Marktsegmente ansprechen. So kann eine Heckert Maschine eigentlich im Werk Rorschacherberg entstehen und umgekehrt eine Starrag-Maschine in Chemnitz. Wir werden weiterhin ganz klar im Bereich der Frästechnik bleiben. Generell streben wir strategisch Marktbeherrschung an und nicht primär Wachstum. Dabei steht die Innovationskraft ganz im Vordergrund. Dazu gehört unbedingt ein gesundes Unternehmen mit zufriedenen Mitarbeitern. Paßt das zusammen, dann kommt sicher das Wachstum und vor allem der Gewinn von selbst. Wir werden sehr viel unternehmen, um neben der Frästechnik, für die wir einen Umsatz von 300 Mio SFr anstreben, einen Ast aufzubauen, den ich mit Technologische Dienstleistungen bezeichnen möchte. Der soll bis zu 30% des Umsatzes erzielen.
mav: Gehören für die Starrag-Heckert Holding eventuelle Zukäufe weiterer passender Unternehmen in die Zukunftsstrategie?
!Dr. Betschon: Da ist sehr gut möglich. Die Aktionärsversammlung hat dafür dem Verwaltungsrat ein sogenanntes bedingtes Kapital zugestanden. So kann innerhalb zweier Jahre durch den Verwaltungsrat eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden, um derartige Akquisitionen zu finanzieren. Wir wollen also auch durch weitere Akquisitionen expandieren. Dabei werden wir sehr genau sortieren, um nicht Irgendetwas zu kaufen, sondern unbedingt den Erfolg mit Heckert wiederholen.
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

KUKA: Smarte Automatisierung

KUKA Roboter Hochschule Karlsruhe

Smarte Automatisierung mit KUKA im Überblick

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Innovative Zerspanungskonzepte

Auf dem Expertentreff am 9. Oktober bei HAHN+KOLB präsentieren Ihnen hochkarätige Technologieführer intelligente Lösungen für die Zerspanung von Morgen! Sichern Sie sich jetzt Ihr Besucherticket, die Teilnehmerzahl ist begrenzt! Wir freuen uns auf Sie.

EMO 2019 – industrie 4.0 area

Bereits zum 2. Mal realisiert die mav, gemeinsam mit dem VDW, die industrie 4.0 area auf der EMO in Hannover. Besuchen Sie uns vom 16.-21.09.2019 in Halle 9, Stand F32.

Neue Fachzeitschrift additive

Trends

Aktuelle Entwicklungen in der spanenden Fertigung

Alle Webinare & Webcasts

Webinare aller unserer Industrieseiten

Alle Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de